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Grenzgänger aus Frankreich fehlen als Arbeitskräfte im eigenen Land
Aus Schweiz aktuell vom 09.07.2020.
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Firmen unter Druck Schweizer Löhne leeren Frankreichs Grenzgebiet

Fast jeder zweite Franzose in Grenznähe zu Genf arbeitet in der Schweiz. Gegen die hohen Löhne haben französische Unternehmer keine Chance.

Von Führungskräften über Arbeiter, von Service-Angestellten bis hin zu Pflegefachleuten: 177'000 Grenzgänger und Grenzgängerinnen («frontaliers») aus Frankreich arbeiten in der Schweiz, 314'000 sind es landesweit – inklusive Deutschschweiz und Tessin.

Für französische Unternehmen in Grenznähe bringt das immer grössere Probleme mit sich: Sie finden kein Personal mehr. Franzosen arbeiten lieber in der Schweiz, wo sie bis zum Doppelten verdienen können.

Laut einer Untersuchung des französischen Instituts für Statistik und demografische Studien (INSEE) arbeiten mehr als 44 Prozent der französischen Erwerbsbevölkerung in der Nähe von Genf in der Schweiz. In Saint-Louis bei Basel sind es fast 42 Prozent, einige dieser Grenzgänger und Grenzgängerinnen arbeiten in Deutschland.

Schweiz saugt Arbeitsmarkt leer

Jean Benoît-Guyot führt in der französischen Gemeinde Saint-Julien-en-Genevois, gleich an der Grenze zum Kanton Genf, ein Sanitärgeschäft. Der Unternehmer sagt, er könnte sofort mindestens fünf weitere Mitarbeiter einstellen, finde jedoch kein Personal. Er müsse sogar um seine Angestellten kämpfen. «Alle wollen in die Schweiz zum Arbeiten», bedauert er. «Wir bilden junge Leute aus und setzen auf hohe Qualität. Aber Fachkräfte werden auch in der Schweiz gesucht.»

Das viel höhere Salär lockte zum Beispiel auch Kévin Lecoq, der in Grenznähe zum Kanton Jura lebt. Am Ende seiner Kochlehre habe er in Frankreich gar nicht erst Arbeit gesucht, sondern ging direkt in die Schweiz. Heute arbeitet er mit vier anderen Franzosen in einer Pizzeria in Saignelégier im Kanton Jura. Für Kévin ist die Erklärung einfach: Es sind die Löhne in der Schweiz. «Wenn wir alles wegrechnen, was an Steuern zu bezahlen ist, haben wir immer noch das Eineinhalbfache des französischen Gehalts.»

Hohe Löhne, hohe Mieten – ein Teufelskreis

Selbst wenn es sich französische Unternehmen in Grenznähe leisten können, ihre Löhne nach oben anzupassen – die Abgaben und Steuern auf Löhne sind in Frankreich viel höher als in der Schweiz. Konkurrenzfähig können sie so nicht werden. Wie ein Teufelskreis treiben deshalb die Schweizer Löhne der Grenzgänger die Mieten und Lebenshaltungskosten auch in Frankreich in die Höhe. Das wiederum ermutigt noch mehr französische Arbeitnehmer, zu «frontaliers» zu werden und in der Schweiz ihr Geld zu verdienen.

«Frontaliers» führen zu Lohndruck

Der unbegrenzte Arbeitskräftedruck aus Frankreich drückt wiederum auf die Schweizer Löhne. Der Genfer Staatsrat Mauro Poggia (MCG) setzt vorderhand auf den guten Willen der Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen, Genfer Mitarbeiter einzustellen: «Wir können keinen Zwang anwenden, das würde gegen europäisches Recht und gegen die Personenfreizügigkeit verstossen. Wir müssen uns also auf das Bewusstsein der Arbeitgeber verlassen.»

Dass die Zahl der «frontaliers» jedoch sinken wird, ist unwahrscheinlich. Damit bleibt auch der Druck auf Schweizer Löhnen, denn das Lohngefälle zwischen der Schweiz und Frankreich ist zu gross. Und Prognosen zufolge wird die Nachfrage nach Arbeitskräften in der Schweiz in den kommenden Jahren weiter steigen.

Schweiz Aktuell, 09.07.2020

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149 Kommentare

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  • Kommentar von Alexandre Brünisholz  (Alexli)
    Französische Unternehmen jammern dass ihre Arbeitnehmer lieber in der Schweiz arbeiten? Wegen dem höheren Lohn? Geht's noch? Wetten dieselben grenznahen Unternehmen sind auch in der Schweiz tätig, weil die Marge hier auch höher ist, jedoch speisen sie die eigenen Mitarbeiter mit franz. Löhnen ab. Wäre ich Franzose, würde ich auch in der Schweiz arbeiten wollen. Wir haben uns ja für eine freie Marktwirtschaft entschieden, dies gilt nicht nur für Unternehmer, dies gilt auch für Angestellte.
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  • Kommentar von Erich Furrer  (rico1)
    Genau deshalb ist das Schengenabkommen zu künden.
    Tiefstlöhner aus Frankreich drücken die Löhne in der Schweiz und nehmen uns Schweizern die Arbeitsstelle weg.
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  • Kommentar von Adi Epper  (Adi53)
    Ich pflichte Edouardo von Witzleben im Grundsatz zu. Funktioniert aber so leider nicht, da niemand bereit ist etwas abzugeben. Es reicht, wenn die Löhne und die Preise für 5 Jahre eingefrohren würden. Die Preise müssten jedes Jahr um 2-3% sinken, dann würden die Lohndifferenzen etwas kleiner.
    Vorteil:
    Wir würden atraktiver, günstiger und die ärmeren Länder könnten in dieser Zeit etwas zulegen und damit die unheimliche diskrepanz etwas lindern. Täte niemandem weh!
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    1. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Das würde von der Preisbildung nie und nimmer funktionieren. Ob man es merkt oder nicht, aber die Reallöhne sind im Sinkflug. Das zeigt sich vielleicht noch nicht (oder das seco redet nicht darüber), trotzdem werden Fixkosten der Grundversorgung jedes Jahr frischfröhlich angehoben. KK, Wohnen, Telekommunikation, Verkehr... Von diesem System bis zu den Preissenkungen wäre ein Sprung, den die "Wirtschaft" nie befürworten würde. Also: Doch, es täte jedem in diesem Land weh!
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