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Berufsfischer protestieren gegen Aquakulturen
Aus Tagesschau vom 10.10.2020.
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Fischzucht im Bodensee Berufsfischer protestieren gegen Aquakulturen

Pläne für eine Fischzucht im Bodensee erregen die Gemüter. Die Bodenseefischer wehren sich gegen das Projekt.

Berufsfischer Martin Meichle aus dem deutschen Hagnau hat grosse Pläne. Mit der Genossenschaft «RegioBodenseeFisch» will er eine Versuchsanlage im Bodensee installieren, in der Fische gezüchtet und in der Region verkauft werden sollen. Ein Novum: Solche Aquakulturen in offenen Gewässern gibt es in Schweizer Seen bisher nicht.

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«Solche Netzgehege haben im Bodensee nichts zu suchen»
16:04 min, aus Regionaljournal Ostschweiz vom 12.10.2020.
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Mit dem Projekt zieht sich Meichle den Zorn der meisten anderen Berufsfischer am Bodensee auf sich. Mit einem Schiffskorso bei Konstanz drückten sie am Samstag ihr Missfallen aus. Auch der Präsident der Schweizer Berufsfischer, Reto Leuch, nahm am Protest teil.

Das Projekt hat Signalwirkung und könnte dazu führen, dass auch auf anderen Schweizer Seen ähnliche Anlagen entstehen. Das wollen wir verhindern.
Autor: Reto LeuchPräsident Schweizer Berufsfischerverband

Die Gehege hätten Signalwirkung und könnten dazu führen, dass auch in der Schweiz ähnliche Anlagen eingerichtet werden, betont Leuch. Er wehre sich nicht gegen Fischzuchten in Anlagen abseits des Sees. Solche Netzgehege hätten im Bodensee aber nichts zu suchen, sagt Leuch.

Aquakulturen im offenen Gewässer

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Aquakulturen im offenen Gewässer
Legende: Getty Images/SharpSide Photos

So wie hier in Finnland könnten die Aquakulturen im Bodensee aussehen. In den einzelnen Netzgehegen werden mehrere zehntausend Fische gezüchtet. Während zwei Jahren sollen diese Fische zur Schlachtreife wachsen.

Er befürchtet, die Ausscheidungen der Fische und der Futtereintrag würden den See verschmutzen. Die Zuchtfische könnten Krankheiten auf die natürlichen Fische übertragen, zudem könnten Medikamentenrückstände auch das Trinkwasser beeinträchtigen.

Person auf einem Schiff mit Plakat.
Legende: Fischzucht-Gehege haben laut dem Präsidenten der Berufsfischer, Reto Leuch, keinen Platz im Bodensee. Sie verschmutzen das Trinkwasser. SRF / Philipp Inauen

Wirtschaftliche Interessen versus Naturschutz

Martin Meichle kann die Kritik nicht verstehen. Die Zuchtfische würden geimpft und bräuchten keine Medikamente. Falls es wider Erwarten doch zu Krankheiten komme, würden die Fische aus dem See genommen. Medikamente kämen sicher keine zum Einsatz. Zudem könne man die Ausscheidungen zum Teil absaugen, sodass der See und das Trinkwasser nicht verschmutzt werden.

Die Fangerträge im Bodensee gehen zurück. Mit Fischzuchten könnten wir weiterhin regionale Fische anbieten.
Autor: Martin MeichleVorsitzender Genossenschaft «RegioBodenseeFisch»

Derzeit sind Netzgehege im Bodensee allerdings schwierig umzusetzen. Die Internationale Gewässerschutzkommission des Bodensees IGKB verbietet Netzgehege in ihren Richtlinien explizit.

In der IGKB sind die Länder rund um den See vertreten, so auch der Bund und die an den See grenzenden Kantone. Auf Anfrage heisst es bei der IGKB, man sehe Netzgehege im See sehr kritisch. Derzeit gebe es keinen Anlass, die Richtlinien zu ändern.

Boote auf dem See.
Legende: «Keine Fischzucht im See»: Berufsfischer und Angler protestieren mit einem Boots-Korso. SRF / Philipp Inauen

Martin Meichle und die Genossenschaft «RegioBodenseeFisch» wollen trotzdem nicht aufgeben. Sie wollen ihr Projekt bei der IGKB vorstellen und hoffen auf eine Änderung der Richtlinien. So oder so wird das Projekt noch eine Weile zu reden geben.

Denn die Fangerträge gingen zurück, erklärt Meichle. Mit seinem Projekt könne man trotzdem regionalen Fisch anbieten.

Tagesschau, 10.10.20, 19:30 Uhr

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Mark R. Koller  (Mareko)
    Ganz bestimmt braucht es keine "Fischgefängnisse" im Bodensee. Die Problematiken damit sind bereits von den Zuchten in den Weltmeeren hinlänglich bekannt. Die Kormoran-Populationen an den Ufern sind für den Fischbestand auf ein erträgliches Mass zu reduzieren, wichtiger jedoch, die Forschung soll genau untersuchen, warum so relativ wenige der jedes Jahr im See freigesetzten Jungfische zur Speisefischgrösse heranwachsen und welche Möglichkeiten sich ergeben, um gemeinsam genug Fische zu fangen.
    1. Antwort von Marco Ehmke  (MarcoEh)
      Die Antwort auf diese Frage ist doch recht offensichtlich. Wir fischen zu viel, das Gleiche wie in den Meeren. Menschen und natürliche Balance sind oft ein Fremdwort. Das Pseudoargument Kormoran kann ich nicht ernst nehmen, für alle soll es reichen, aber für sie nicht. Selbst wenn es zu viele gibt, ist Ursache für das Ungleichgewicht beim Menschen zu suchen.
      Man mag keine „Fischgefängnisse“ mögen, ich ziehe sie aber dem Raubfischen jederzeit vor.
  • Kommentar von Margot Helmers  (Margot Helmers)
    Man kann auch in Aquakulturanlagen Fischzucht betreiben, wie es seit Jahreniz bei der Forellenzucht etabliert ist. In letzter Zeit wurde die Technologie der stark weiterentwickelt, sodass mittlerweile auch Fische wie Egli, Stör, Lachs oder Zander und sogar Shrimps produziert werden können. Selbst Fischarten wie Pangasius, die heute in grossen Mengen importiert werden, könnten zukünftig in Schweizer Aquakulturen gezüchtet werden. Es braucht keine Fischzucht in Trinkwasserreservoirs.
    1. Antwort von Felice Limacher  (Felimas)
      Es braucht generell keine Tierzucht! nur schon die Bezeichnung "Nutztiere" ist aus meiner Sicht höchst verwerflich, aber typisch Mensch!
    2. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      @Felimas. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2017 ernähren sich in der Schweiz 11 % der Bevölkerung vegetarisch, 3 % vegan und weitere 17 % verzichten zumindest häufig auf Fleisch ("Flexitarier").
      Ich bin für artgerechte Tierhaltung und das darf gerne etwas mehr kosten.
  • Kommentar von Maligan Jury  (jury maligan)
    Wenn die Kormorane dezimiert würden, dann gäbe es wieder mehr für die Fischer. Aber der übereifrige "Naturschutz" verhindert das.