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Der Weg zurück in den Job
Aus Rendez-vous vom 12.11.2019.
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Fitnesstraining in Unternehmen Mit gezieltem Praktikum zurück ins Berufsleben

80'000 Mütter in der Schweiz wollen in den Beruf zurück. Firmen können mithelfen, die Lücken im Lebenslauf aufzufüllen.

Bei grösseren Lücken im beruflichen Lebenslauf läuft die Wiedereingliederung oft besonders zäh. Rückkehrprogramme könnten Abhilfe schaffen. Doch anders als in den USA oder in Grossbritannien gibt es sie in der Schweiz kaum.

Der US-Triebwerkhersteller Pratt & Whitney hat seit einigen Jahren eine Niederlassung in der Schweiz und bietet seit kurzem ein mehrmonatiges Programm für Mütter an, die zurück ins Arbeitsleben wollen.

Anna Paula Luder war die erste Rückkehrerin, die Pratt & Whitney angestellt hat. Die 45-Jährige hat die sechs Monate in sehr guter Erinnerung und lobt die Unterstützung bei ihrem Praktikum unter anderem in der Finanzabteilung. Elf Jahre hatte sich die Ehefrau eines Piloten zuvor um die Familie gekümmert. Zuvor hatte die topausgebildete Business-Frau jahrelang bei internationalen Firmen wie dem Pharmakonzern Johnson & Johnson gearbeitet.

Ich hatte viel Selbstvertrauen verloren. Man fühlt sich unsicher, obwohl man viel weiss und viel Neues lernt als Mutter.
Autor: Anna Paula LuderErste Absolventin des Rückkehrprogramms von Pratt & Whitney in Luzern

Trotzdem sei der Wiedereinstieg sehr schwierig für sie gewesen, ihr habe das Netzwerk gefehlt: «Ich hatte sehr viel Selbstvertrauen verloren. Man kriegt keinen Lohn, fühlt sich unsicher, obwohl man viel weiss und viel Neues lernt als Mutter. Man glaubt fast nicht mehr an sich selbst.»

Massgeschneiderter Wiedereinstieg

Einen direkten Wiedereinstieg ohne Rückkehrprogramm habe sie sich nicht zugetraut, sagt Anna Paula Luder. Das Rückkehrprogramm habe sie wieder fit gemacht, ohne voll unter Druck zu sein. Sie habe Computer- und Fachkenntnisse aufgefrischt: «Ich spüre nicht mehr, dass ich elf Jahre lang weg war.»

In der Schweiz möchten laut Bundesamt für Statistik gegen 80'000 Mütter zurück ins Arbeitsleben. Brachliegendes Potenziel für eine Wirtschaft, die Fachkräfte braucht. Das Eidgenössische Büro für Gleichstellung von Frau und Mann und die Hochschule Luzern wollen deshalb solche Rückkehrprogramme landesweit etablieren.

KMU im Zentrum

Bisher gebe es erst eine Handvoll Firmen, die das Potenzial systematisch zu nutzen versuchen, sagt Co-Projektleiterin Anina Hille. Dazu gehören das Paul-Scherrer-Institut, Ikea und die Grossbanken UBS und Credit Suisse: «Für Grossunternehmen ist es wegen oft schon vorhandener Strukturen einfacher, ebenso wegen der finanziellen und personellen Ressourcen. Beim KMUs ist es schwieriger.» Das Projekt soll deshalb vor allem KMUs sensibilisieren und unterstützen, solche Programme aufzubauen.

Ohne spezielle Strukturen war es quasi ein Blindflug.
Autor: Laurie KaufmannJuristin, Pratt & Whitney

Dass es Einiges an Organisation braucht, hat man auch bei Pratt & Whitney gemerkt: «Ohne spezielle Strukturen war es quasi ein Blindflug», sagt die Juristin Laurie Kaufmann, die die Idee für ein solches Rückkehrprogramm hatte: So habe Anna Paula Luder zu Beginn zu viel Arbeit gehabt, dann wieder zu wenig. Oder es habe die Unterstützung gefehlt. Inzwischen habe man das Programm angepasst.

Richtiger Lohn von Anfang an

Auch der Lohn müsse stimmen, betont Co-Projektleiterin Hille: «Mindestens 80 Prozent des Marktlohnes sind das Mass. Es hat sich gezeigt, dass man sehr loyale Arbeitskräfte gewinnt, die auch lange bleiben, wenn man sie von Anfang an richtig bezahlt.»

Voraussetzung ist natürlich, dass nach dem Programm eine Stelle frei ist. Zahlen aus den USA und Grossbritannien zeigen, dass rund 80 Prozent der Absolventinnen nach einem solchen Programm übernommen werden. Für Anna Anna Paula Luder gab es vorerst keine offene Stelle im selben Büro. Sie kam jedoch für die kommenden Monate bei einer Schwesterfirma unter. Der Anfang ist also gemacht. Sie ist zurück im Berufsleben.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Irgendeinen Anreiz muss der Bund für die Firmen schaffen, sonst werden sie mit diesen Frauen genau so umgehen, wie mit 50+ und sonstigen Potanzialen, welche seit Längerem weg vom Arbeitsmarkt sind, wie z.B. Ausgesteuerte oder nachziehende Ehegatten, welche sonst eine gute Bildung haben, aber gegen Vorurteile zu kämpfen haben... Mit der PFZ ist es leicht, zu sagen, "wir haben kein Budget für das". Denn der PFZ-ler ist parat, motiviert, selbstsicher, gut gebildet, billig. Also? Wen zu wählen?
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  • Kommentar von Alex Moser  (AM)
    Ganz ehrlich? Das bieten wir auch an - ohne eidgenössisches Büro für Gleichstellung von Frau und Mann, ohne Projekte. Ganz einfach praxisbezogen. Und es funktioniert, bei 100% Lohn!

    Wird das ganze aber verbürokratisiert - wie so oft - werden wir sicher nicht mitmachen. Der administrative Aufwand für all diese "eidgenössischen Projekte" ist schlichtweg zu gross, zu kompliziert für KMU! Und hier wird es nicht anders sein - leider!
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    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Ja toll! Warum sind sie nicht bekannt? Haben sie was auf die Beine gestellt, oder sind sie einfach dagegen dass es so ein Programm gibt, weil Beamten dahinter stehen? Warum gibt es dann immer noch 80000 Frauen, welche diesen Weg einschlagen würden, wenn .....?
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    2. Antwort von Manfred Peter  (Geronimo)
      Ganz meine Meinung, die allermeisten KMU`s würden bestimmt Gerne diese Frauen bei sich einstellen. Aber - wer nicht fragt, kriegt keine Antwort....Den Bund wird das Programm freuen, denn so kann man der Eigeninitiative am besten den Riegel schieben.
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    3. Antwort von Helene Kretz  (Helene Kretz)
      "Wird das ganze aber verbürokratisiert -wie so oft- werden wir sicher nicht mitmachen". Aha, aber wann habt ihr (wer immer das "wir" betrifft) überhaupt je mitgemacht? Mit der PFZ schöpfen Firmen nach wie vor mit vollen Händen aus dem EU Teich. Warum? Sie kennen die Antwort. Das einheimische Potential an Fachkräfte beträgt auch heute noch volle 80'000.
      Ganz ehrlich? Unter diesen Umständen gehört die PFZ nun wirklich endlich abgeschafft!
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