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Legende: Video Nur ein Prozent des CO2-Ausstosses wird kompensiert abspielen. Laufzeit 01:27 Minuten.
Aus SRF News vom 10.07.2018.
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Fliegen ohne Gewissensbisse Kaum einer kompensiert freiwillig CO2-Emissionen

Die Schweiz ist ein Land der Vielflieger. Doch von CO2-Kompensation wollen die Schweizer nichts wissen.

Es wird geflogen wie noch nie. Der Flugverkehr bricht Jahr für Jahr Rekorde. Besonders oft in die Luft gehen die Schweizerinnen und Schweizer. Die grenzenlose Fliegerei schafft Probleme. Die Flugzeuge stossen immense Mengen CO2 aus und schädigen das Klima massiv. Das wissen die meisten Passagiere. Und doch fliegen sie munter weiter.

Mit Kompensation das Gewissen beruhigen

Immerhin: Wer Gewissensbisse hat, kann seinen CO2-Ausstoss kompensieren. Mit einem freiwilligen Aufschlag von wenigen Franken auf das Flugticket. Kai Landwehr, Sprecher der Non-Profit-Organisation «Myclimate», erklärt das Prinzip der Kompensation.

Legende: Video Fliegen nach dem Verursacherprinzip abspielen. Laufzeit 00:11 Minuten.
Aus News-Clip vom 10.07.2018.

«Die Emissionen, die beim Fliegen entstehen, haben einen Preis. Mit dem Geld werden Projekte finanziert, die mindestens gleich viel Emissionen einsparen.» Investiert wird das Geld zum Beispiel in tausende von Kochern in Indien, welche im Vergleich zu Vorgängern grosse Mengen an CO2 einsparen. So wird der Ausstoss der Flugreise kompensiert.»

Das Problem: Schweizer Flugpassagiere kompensieren nur gerade 1 Prozent ihrer CO2-Emissionen. Das zeigen Recherchen von «10vor10».

Therese Lehmann von der Universität Bern ist nicht erstaunt über die bescheidene Menge. Die Ökonomin hat die Buchungsportale der Fluggesellschaften auf Benutzerfreundlichkeit untersucht. «Wenn ich heute ein Ticket buche, kann ich oft nicht schnell und einfach den CO2-Ausstoss kompensieren.» Oft muss eine zusätzliche Website aufgerufen werden, vielen Flugticketkäufern ist das zu mühsam.

Zwang statt Freiwilligkeit

Die freiwillige Kompensation der Flugemissionen funktioniert nicht – so sieht es auch der WWF Schweiz. Für mehr Klimaschutz beim Fliegen brauche es deshalb zwingend obligatorische Massnahmen. WWF-Klimaexperte Patrick Hofstetter fordert eine Flugticketabgabe: «Sämtliche unserer Nachbarländer kennen eine solche Abgabe. Zusätzlich zum Flugpreis zahlen die Passagiere einen «Klima-Aufpreis» von bis zu 45 Franken, je nach Land und Flugstrecke.»

Legende: Video WWF stellt klare Forderung abspielen. Laufzeit 00:16 Minuten.
Aus News-Clip vom 10.07.2018.

Gegen solche obligatorischen Abgaben wehrt sich der Branchenverband Aerosuisse seit Jahren. Im Interview mit «10vor10» sagt Aerosuisse-Präsident Thomas Hurter: «Wir sind gegen eine Insellösung nur für die Schweiz oder nur für Europa. Das führt zu Marktverzerrungen. Es braucht einen globalen Ansatz wie das Kompensationssystem CORSIA der UNO-Luftfahrtorganisation Icao.» Ob Zwang oder Freiwilligkeit für mehr Klimaschutz, beim Fliegen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die effektivste ist gemäss der Berner Professorin Therese Lehmann die Suffizienz: «Wer nicht oder nur sehr wenig fliegt, spart am meisten CO2.»

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54 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli Lang (Wochenaufenthalter)
    Und Herr Landwehr von MyClimate fliegt dann mit unserem Ablassgeld nach Indien und überprüft die entsprechenden Projekte ... Der Ablasshandel samt seinen Exponenten war schon im Mittelalter verlogen bis zum Geht nicht mehr!
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    1. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ Ueli Lang: Was ist Ihr Vorschlag. Meiner ist es die Treibhausgase so hoch zu besteuern, wie sie uns allen Kosten aufbürden. Die Einnahmen kann man dann wieder Pro-Kopf zurück verteilen. Davon würden die Armen, die ja weniger SUV's haben und viel weniger fliegen als die Reichen, überproportional profitieren. Wenn Sie dagegen sind, unterstützen sie weiterhin, dass die Reichen auf Kosten der Armen mit billigem Benzin und vielen Flügen, welche das Klima zerstören, subventioniert werden.
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  • Kommentar von Daniel Bucher (DE)
    Fliegen ist viel zu billig. Flugreisende leisten nichts an die entstehenden Kosten. Anders als Automobilisten, welche pro Liter Treibstoff über 80 Rappen an den Staat bezahlen.
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    1. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ Daniel Bucher: Einverstanden! Obwohl 80 Rp. auch noch viel zu wenig ist und die Konsumenten nicht wirklich zum Kauf eines sparsameren Autos bewegt.
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    2. Antwort von Daniel Bucher (DE)
      @tleu
      Da kommt übers Jahr ein recht grosser Batzen zusammen. Und erst noch 100% mehr als jeder Flugreisende. Da brauche ich kein sparsameres Auto.
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    3. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ Daniel Bucher: Eben, sage ich ja. 80 Rp. reichen nicht, um die Konsumenten auf Autos zu bewegen welche weniger CO2 emittieren. Das Ziel einer Lenkungsabgabe ist es nicht, die Einnahmen des Staates zu maximieren, sondern die Preisanreize so zu ändern, dass es sich lohnt, weniger Treibhausgase zu emittieren.
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    4. Antwort von b. glaset (glaset)
      Lenkungsabgaben haben wir in der Schweiz seit Jahren mit den Treibstoffsteuern und Zuschlägen aller Art bis zur MWST. Kauft einer einen Schluckspecht, zahlt er wesentlich mehr. Nun werden wir aber laufend gezwungen vom Staat, downgsizte Autos zu kaufen mit kleinern Motoren usw.
      Also warum nimmt der Spritverbraucht trotz Mehrfahrern ab?
      Diese Lenkungsabgabe funktioniert im Gegensatz zu CO Kompensation die ein Witz ist und Türen für Betrug öffnet.
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    5. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ b. glaset: Nur die Emissionen aus Brennstoffen wie Heizöl werden mit Fr. 96 pro Tonne CO2 besteuert. Treibstoffe wie Benzin, Diesel oder Kerosin sind leider von der CO2-Abgabe ausgenommen. Das was sie meinen sind Steuern zur Finanzierung der Verkehrsausgaben. Die haben aber fast keinen Lenkungseffekt, weil sie sehr tief sind. Deshalb ist der CO2-Ausstoss des Transportsektors immer noch so hoch wie im Jahr 1990. Sie können sich selber in der CO2-Statistik des Bundes davon überzeugen.
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  • Kommentar von S. Petrovic (S.Petrovic)
    Bei Verbrennung eine tonne Kerosin entstehen ca. 3.3 t CO2. Für ein Flug von Europa nach USA wird verbraucht ca 50 t Kerosin. Es gibt tausende Flugzeuge immer in der Luft.Das kann man gar nicht kompensieren und das mit indischen Kochern ist ein Witz. Wir toten unsere Planet und das bewusst.
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    1. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Wieso soll dies ein Witz sein? Wenn der Holzverbrauch halbiert wird oder gleich ganz weg fällt? Dies hat selbst in einwohnerärmeren Ländern grosse Auswirkungen. Weniger Holz wird verbrannt was den CO2 Ausstoss senkt und durch weniger gefällte Bäume wird jährlich mehr CO2 in den Wäldern gebunden. Es wird die Problematik nicht vollständig lösen aber ist ein guter Beitrag.
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    2. Antwort von S. Petrovic (S.Petrovic)
      Es ist ein Witz weil in der Luft sind tausende Flugzeuge die Unmenge CO2 produzieren, das irgendwie zu kompensieren geht gar nicht. Holz macht nur Bruchteil von Prozent in der gesamten CO2 Entstehung.
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    3. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Darum ist eben nur ein Teil von Massnahmen, welche ergriffen werden und noch ergriffen werden müssen. Ich persönlich favorisiere ja das Pflanzen von Bäumen zur Kompensation. Eine Buche absorbiert in der 120 jährigen Lebenszeit an die 3.5 Tonnen CO2. Würde man alle Fluggäste zu einer solchen Abgabe verpflichten, könnte man wirklich etwas erreichen und Wälder haben noch eine Vielzahl an zusätzlichen positiven Eigenschaften.
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