Zum Inhalt springen
Inhalt

Fluglotsen-Prozess Traumjob, bei dem Fehler töten können

Der Druck ist gross, die Verantwortung noch viel mehr. Ein Fluglotse erzählt, warum er dennoch den besten Job der Welt hat.

Legende: Video Im Tower mit Fluglotse Altorfer abspielen. Laufzeit 04:15 Minuten.
Aus 10vor10 vom 26.11.2018.

«November 588 Tango November Zurich Tower you are number two continue approach.» So tönt es, wenn Sebastian Altorfer arbeitet. Altorfer ist seit 10 Jahren Fluglotse am Flughafen Zürich. Er kommuniziert in einer Sprache, die Lotsen und Piloten weltweit sprechen.

Legende: Video Wie Fluglotsen und Piloten kommunizieren abspielen. Laufzeit 00:10 Minuten.
Aus News-Clip vom 27.11.2018.

«Mich fasziniert es seit jeher, wie man mit der englischen Sprache kurz und prägnant einen ganzen Flugplatz steuern und sichern kann», sagt er und wendet sich der Arbeit zu: «Edelweiss Tower one. Grüezi!»

Legende: Video Altorfer: «Mich hat es immer fasziniert» abspielen. Laufzeit 00:18 Minuten.
Aus News-Clip vom 27.11.2018.

Verantwortung und Zufriedenheit

Der 35-Jährige sitzt mit jeweils drei bis vier anderen Kollegen im Tower. Sie sind für alle Starts und Landungen in Zürich Kloten verantwortlich, mehr als 700 täglich. Auch in der Nacht ist der Tower besetzt.

Zu gewissen Zeiten ist Altorfer pausenlos am Funk, dazwischen ist der Flugverkehr schwächer. «Es ist eine grosse Verantwortung, die wir hier am Flughafen Zürich haben.» Und damit ein gewisser Druck. «Aber es löst auch Zufriedenheit aus, wenn man damit umgehen kann und hier arbeiten darf.»

Fehler von Lotsen können viele Menschen gefährden. Im schlimmsten Fall gibt es Tote, so wie vor 16 Jahren, als zwei Flugzeuge über dem deutschen Überlingen zusammenstiessen. Mitverantwortlich waren Mängel in der Flugsicherung von Skyguide.

Routine als Strategie

Dieser grossen Verantwortung ist sich Altorfer bewusst. Bei der Arbeit kämen Fluglotsen in einen Flow, in eine Routine, die helfe, bereit zu sein, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Zum Beispiel technische Probleme eines Flugzeugs, die eine prioritäre Landung erfordern.

«Da kann es sein, dass der Pilot auf einer anderen Piste als geplant landen möchte, und dann organisieren wir das und ermöglichen eine reibungslose Landung.» Daneben gibt es medizinische Notfälle. «Dann schauen wir, dass die Maschine möglichst schnell ans Gate kommt. Und wir alarmieren eine Ambulanz.»

Legende: Video Altorfer: «Es kann auch Unvorhergesehenes passieren» abspielen. Laufzeit 00:31 Minuten.
Aus News-Clip vom 27.11.2018.

Unterstützung durch Technik und Feldstecher

Der Computer zeigt Flugzeuge an, die starten und landen möchten. Moderne Technik ist wichtig, sie warnt vor Fehlern. Aber Lotsen greifen auch immer noch zum Feldstecher.

Legende: Video Altorfer: «Feldstecher brauchen wir, um etwas genauer zu sehen» abspielen. Laufzeit 00:30 Minuten.
Aus News-Clip vom 27.11.2018.

«Den brauchen wir, wenn wir etwas genauer sehen wollen: Ist die Brücke noch dran? Ist ein Cargo-Door noch offen? Und manchmal sind hier Tiere unterwegs. Füchse oder Vogelschwärme.»

Hoher Lohn aber auch hohe Anforderungen

Damit sich Lotsen konzentrieren können, dauert eine Schicht höchstens zwei Stunden. Davon gibt es drei am Tag. Dann gibt es 20 Minuten bis eine Stunde Pause. Der Druck ist gross. Wenige halten ihm stand. Nur fünf Prozent der Bewerber schaffen die Aufnahmeprüfung und davon besteht nur die Hälfte die zweieinhalbjährige Ausbildung.

Der Lohn eines Lotsen ist gut, durchschnittlich 190’000 Franken im Jahr. Pensioniert wird man mit 56. Mit dem wachsenden Flugverkehr wird der Job aber immer anspruchsvoller. Und gelegentlich werden Lotsen gar von einem Piloten beschimpft. So ein Fall komme selten vor, sagt Altorfer. Eher belasten würde ihn, dass zurzeit zwei seiner Kollegen für Fast-Unfälle vor Gericht stehen, für Fehler, bei denen niemand zu Schaden kam.

Legende: Video Altorfer: «Ein Arbeitsplatz mit einzigartiger Aussicht» abspielen. Laufzeit 00:23 Minuten.
Aus News-Clip vom 27.11.2018.

Trotz allem: Altorfer hat seinen Traumjob gefunden. Schon als Kind habe er gerne Flugzeugen nachgesehen. Heute vom Tower aus, nahe an den Fliegern, die er zu beobachten hat – und mit einer einzigartigen Aussicht: «Im Moment ist es natürlich neblig, aber auch das ist attraktiv. An einem Sommertag ist es wahrscheinlich der schönste Arbeitsplatz der Schweiz.»

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Rolf Bolliger (jolanda)
    Der Beruf eines amtierenden Fluglotsen in einem Tower mit 700 Starts und Landungen, ist bestimmt einer der verantwortungsvollsten Jobs im gesamten Verkehrswesen (Bahn-, Bus-, Schiffs- und Flugverkehr!). Dass für eine solche Arbeit nur die allerbesten Bewerber die gesamte Ausbildung und strengen Prüfungen schaffen, ist daher sehr gut nachvollziehbar! Nun glauben die meisten "Aussenstehenden", dass sich für fast 200'000.-Fr. Jahresgehalt, ein Flug-Lotse im "Tower" keinen Fehler erlauben darf!?!?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Ein Fehler von einem Fluglotsen hat nun mal die schlimmeren Auswirkungen, als wenn z. B. ein Briefbote einen Brief falsch zu stellt. Darum ist der Lohn und die Anforderungen höher. Nur ein kleiner Prozentsatz hat überhaupt die Fähigkeiten zum Fluglotsen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Peter Holzer (Peter Holzer)
      Herr Planta: Sicher hat ein Fluglotse eine grosse Verantwortung, aber die Diskussion entspricht nicht ganz der Realität. Warum wird immer behauptet Ärzte, Fluglotsen, CEO‘s etc. hätten eine hohe Verantwortung und mann müsste um die besten zu bekommen hohe Löhne bezahlen? Was ist mit dem Carchauffeur der 100 Menschen und sich selber befördert, dem Automechaniker bei welchem jede vergessene Schraube den Tod bringen kann, dem Kranfahrer usw.? Ach ja, das sind ja alles nur Handwerker....
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Peter Holzer (Peter Holzer, da muss ich ihnen Recht geben, ein Buschauffeur ist im Verhältnis zur Verantwortung schlecht bezahlt
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Wendy Elizabeth Müller (Wendy)
    Ist schön wenn jeder seinen Traumjob nachgehen kann. Seit Kindheit wollte ich Pferde ausbilden und das mache ich nun auch nach eine schwierigen 4 Jährigen Ausbildung. Nur etwa die hälfte schaffen es im ersten Anlauf. Verdiene um die 700 bis 1000Fr am Tag so etwa 15- bis 20,000 im Monat und trage viel Verantwortung für die Tiere die mir anvertraut werden. Der schönste Beruf den es auf der Welt gibt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Erich Singer (liliput)
      Was hat denn das jetzt mit dem aktuellen Thema zu tun?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Klaus Kreuter (KallePalle)
    Irgendwo und irgendwie beneide ich Sie. Verantwortungsvoller und sicherlich toller Job.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen