Zum Inhalt springen

Header

Audio
Verändert Corona unser Mobilitätsverhalten?
Aus Rendez-vous vom 16.06.2020.
abspielen. Laufzeit 04:29 Minuten.
Inhalt

Folgen der Corona-Krise Bald zurück zur alten Pendler-Misere?

Trotz Homeoffice und Velo-Boom: Experten bezweifeln, dass Corona das Mobilitätsverhalten der Schweiz umkrempeln wird.

Die Mobilitäts-Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie haben verschiedene Interessengruppen euphorisiert: Neben der politischen Linken und der Velo-Lobby wollen vor allem städtische Politiker die Gunst der Stunde nutzen.

«Jetzt oder nie, lasst uns jetzt schnellstmöglich handeln», sagt der Freiburger Gemeinderat Pierre-Oliver Nobs (CSP). In Zürich will Stadtrat Richard Wolff (Alternative Liste) mehr Platz für Velos: «Am Schluss bleibt nichts anderes, als die Velo-Infrastruktur auf Kosten von Parkplätzen und Fahrspuren zu verbessern.»

Am Schluss bleibt nichts anderes, als die Velo-Infrastruktur auf Kosten von Parkplätzen und Fahrspuren zu verbessern.
Autor: Richard WolffStadtrat Zürich, Alternative Liste

Die Zahlen scheinen ihnen Recht zu geben: Der Veloverkehr hat in der Corona-Zeit stark zugelegt. Prognosen gehen von einem anhaltenden Trend aus.

Velos für die Freizeit – und Reichere

Ein Forschungsprojekt der ETH Zürich und der Universität Basel erfasst seit rund zwei Jahren das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung mittels Tracking.

Interessanterweise wird der Velo-Boom durch die reicheren Haushalte angetrieben.
Autor: Beat HintermannProfessor für Umwelt-Ökonomie, Universität Basel

Für die Corona-Zeit stellt Beat Hintermann – Co-Projektleiter und Professor für Umwelt-Ökonomie in Basel – fest: «Die Reisen fanden fast ausschliesslich zu Freizeitzwecken statt, also vor allem am Wochenende und nicht zu den normalen Pendelzeiten. Interessanterweise wird der Velo-Boom durch die reicheren Haushalte angetrieben. Bei den ärmeren 40 Prozent sehen wir keinen derartigen Trend.»

Zur Arbeit mit dem Auto

Der Velo-Boom findet also in der Freizeit statt. Wer derzeit arbeiten geht, nimmt das Auto. Hier sind die Zahlen schon fast wieder auf dem Stand von vor der Krise, sodass der Touring-Club Schweiz auf den zunehmenden Pendlerverkehr und mögliche Staus hinweist.

Der öffentliche Verkehr hat sich hingegen vom massiven Einbruch noch nicht erholt. Gemäss Hintermanns Analysen sind es erst 35 Prozent im Vergleich zur Zeit vor Corona. Die grossen Transportunternehmen SBB, BLS und Postauto geben je rund die 50 Prozent der sonst üblichen Passagierzahlen an.

Kann der ÖV seine Spitzen glätten?

Beim ÖV-Branchenverband Alliance Swiss Pass rechnet Sprecher Thomas Ammann bis Ende Jahr nicht mit einer vollständigen Erholung. Doch er hofft auf einen Effekt während den Spitzenzeiten: «Der öffentliche Verkehr ist seit Jahren bestrebt, diese Spitzen zu glätten. Die Krise könnte einen positiven Effekt auf diese Bestrebungen haben.»

Die Krise könnte einen positiven Effekt auf die Spitzen haben.
Autor: Thomas AmmannSprecher, Alliance Swiss Pass

Dafür reicht laut Hintermann allerdings ein Tag pro Woche Homeoffice nicht. Wenn auch künftig vermehrt im Homeoffice gearbeitet werde, hat das zwar einen nachhaltigen Effekt auf die Mobilität: «Allerdings ist nicht sicher, ob die Firmen bereit sind, Angestellten vermehrt von zu Hause aus arbeiten zu lassen.

Ohne ÖV geht es nicht

Christian Lässer, Tourismus- und Verkehrs-Experte an der Universität St. Gallen, hält es nicht für realistisch, dass die Tagesspitzen im ÖV gebrochen werden können: «Viele Leute müssen pendeln, weil sie auch in Zukunft stationär arbeiten. Die Spitzen sind ja nur ein Erscheinungsbild im Tagesrhythmus.»

Ähnlich ist seine Einschätzung zu weiteren Ideen, die bisher chancenlos waren und nun wieder neu formuliert werden – etwa das Mobility Pricing oder nachhaltige Antriebssysteme. Für Lässer spricht alles dafür, dass Bahn, Bus oder Tram früher oder später die ehemaligen Kapazitäten erreichen: «Der öffentliche Verkehr als Massentransportmittel einer urbanen Schweiz ist nicht mehr wegzudenken.»

Der öffentliche Verkehr als Massentransportmittel einer urbanen Schweiz ist nicht mehr wegzudenken.
Autor: Christian LässerTourismus- und Verkehrs-Experte, Universität St. Gallen

Denn der Platz auf den Strassen ist begrenzt und anders als im Freizeitverkehr stören sich die Menschen am Stau zu Berufspendelzeiten.

Rendez-vous, 16.06.2020, 12:30 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

86 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Marina Zingg  (openyourmind)
    Marina Zingg
    Warum gibt es nicht gestaffelte Arbeitszeiten und Homeoffice Tage ?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Margrit Holzhammer  (Margrit Holzhammer)
    Andre Mahr, 12:58 Uhr
    Ich bin weder ein Rassist, noch gehöre ich einer Partei an. Allerdings hat nicht jeder einen solch aussagekräftigen Nachnamen wie ich (ich habe ihn nicht selber ausgesucht), den man immer wieder für kleine Hiebe missbrauchen kann. Trotzdem noch einen schönen Sonntag. Margrit Holzhammer, 8903 Birmensdorf
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Andre Mahr  (Andre M.)
      Dann wäre es angebracht, Fr. Holzhammer, Ihre Wortwahl zu überdenken und zeigen nicht auf "die mit den Kopftüchern"... Es gibt auch Schweizer Großfamilien! Man kann es auch anders formulieren, ohne einen anderen Kulturkreis 'verantwortlich' zu machen... Aber wir sind da bei der "Mohrenkopf"-Diskussion. Manche Menschen sehen einfach nicht, was sie mit unüberlegten Worten bewirken können...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Reto Thalparpan  (retothal)
    Ich habe 40 Berufsjahre auf dem Buckel, immer mit 100%-Pensum. Zur Arbeit gefahren bin ich immer mit ÖV, Velo oder zu Fuss. Ein Auto habe ich nie besessen. Sogar in New York habe ich 2 Jahre lang Subway und Bus benützt oder bin zu Fuss gegangen. Alles kein Problem, wenn man will! In der Schweiz lege ich jedes Jahren zahllose Kilometer zurück; der Anteil von Zügen mit Verspätung bzw. von verpassten Anschlüssen ist minim. Übervolle ÖV kann man mit etwas zeitlicher Flexibilität gut vermeiden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Sascha Ehring  (MountainmanSG)
      Das geht leider nur mit einem entsprechenden Job, wenn ich an Schichtarbeiter denke wird es wohl nicht so einfach sein. Aber dennoch grössten Respekt an Sie, da können sich viele ein Beispiel nehmen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Sascha Ehring: Nehmen Sie als Schichtarbeiter doch einfach das Auto. Niemand denkt daran, das Auto zu verbieten. Falls die Not so gross wird, dass sich die Schweiz durchringt, endlich ein Mobility Pricing einzuführen, profitieren Sie ja sogar noch, weil sie vermutlich nicht zu Peak-Zeiten auf die Strasse gehen und somit keine Staugebühr bezahlen müssen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen