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Volle Regale bis Ladenschluss auch an Weihnachten
Aus Rendez-vous vom 04.01.2019.
abspielen. Laufzeit 03:38 Minuten.
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«Food Waste» über die Festtage Die Gratwanderung der Grossverteiler

Weil die Regale bis Ladenschluss voll sein müssen, bleibt oft einiges übrig. Genaue Berechnungsmethoden sind gefragt.

So exklusiv die Speisen auf den heimischen Festtafeln die letzten Tage gewesen sind – für die Grossverteiler sind unsere Festtagseinkäufe berechenbar, weil sie immer etwa gleich sind, wie Andrea Bauer von der Migros Aare, der grössten Migros-Genossenschaft, erklärt. «Wir verfügen natürlich über langjährige Erfahrung, was Weihnachtstage bedeuten, respektive wie viel Ware da grosso modo bestellt werden muss.» Doch einfach ist das nicht.

Prognosen variieren je nach Wochentag

Komplexe Bestellsysteme würden laufend mit Daten gefüttert, um möglichst genaue Verkaufsprognosen machen zu können. Neben Verkaufszahlen früherer Jahre sind das auch Angaben zu den Wochentagen. «Fällt Weihnachten wie heuer auf Dienstag-Mittwoch, heisst das, wir haben die Tage vorher quasi durchgehend offen, damit kann man die Ware besser verteilen.»

Jeder Filialleiter hat die Möglichkeit, individuell seine Erfahrungen einzubringen.
Autor: Andrea BauerSprecherin Migros Aare

«Das heisst aber auch, dass man für den Sonntag sehr viel einkaufen muss», gibt Bauer zu bedenken. Denn dann hätten die Kunden Zeit: «Vor allem frische Lebensmittel werden sehr kurz vor den Weihnachtstagen eingekauft.»

Bei Sonne auf der Piste statt im Laden

Eine Rolle spielen auch Wetterdaten: Scheint an besagtem Sonntag in den Bergen die Sonne, sind die Leute womöglich auf der Piste – und nicht in den Läden. Doch Rechenmaschinen allein seien noch immer zu wenig präzise.

«Einerseits haben wir Bestelltools und -applikationen, die sich möglichst genau an die einzelnen Filialen richten», so Bauer. «Dann hat aber jeder Filialleiter auch noch die Möglichkeit, individuell seine Erfahrungen einzubringen.»

Wegwerfen beginnt beim Einkaufen

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Wegwerfen beginnt beim Einkaufen

2,3 Millionen Tonnen Lebensmittel werden in der Schweiz pro Jahr weggeworfen. Vier Prozent davon fallen laut dem Bundesamt für Umwelt im Detailhandel an. Das klinge nach wenig, erklärt Claudio Beretta von der ETH Zürich. Trotzdem stünden die Detailhändler in der Pflicht, denn sie brächten ihre Ware unter die Leute. Und wenn zuviel eingekauft werde, werde das Abfallproblem einfach verlagert und im eigenen Abfallsack entsorgt. Er fordert, dass die Detailhändler statt auf Menge auf Qualität setzen. Die Produkte seien dann auch länger haltbar.

Ähnliche Systeme betreibt auch der Grossverteiler Coop, bestätigt er auf Anfrage. Trotz ausgeklügelter Bestellsysteme: Insbesondere rund um den Jahreswechsel begeben sich die Detailhändler vor allem bei speziellen Festtags- oder Frischprodukten auf eine Gratwanderung. Einerseits müssen die Regale stets gut gefüllt sein, andererseits ist viel Ausschuss wirtschaftlich unattraktiv und – rund um die Debatte um «Food Waste» – auch unpopulär.

Biogasanlage als Lebensmittel-Endstation

Dies versuche man zu verhindern, indem die Filialen zweimal täglich beliefert werden. Auch ein Austausch von Produkten zwischen den Filialen sei möglich, erklärt Bauer. Und: Als Konsument müsse man halt in Kauf nehmen, dass es kurz vor Ladenschluss zwar noch Lachs hat, aber vielleicht nur eine Sorte.

Nach Ladenschluss wird entsorgt. «Es kommt sicher vor, dass wir noch Lachs haben», so Bauer. «Der kann vom Personal mit einem grossen Rabatt noch am selben Abend bezogen werden.» Man arbeite aber auch mit Organisationen wie «Tischlein deck dich» und «Schweizer Tafel» zusammen: «Erst, wenn das Haltbarkeitsdatum überschritten ist, wird die Ware zu Biogas verarbeitet.»

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36 Kommentare

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  • Kommentar von Beni Fuchs  (Beni Fuchs)
    Warum 'müssen' die Regale bis zum Schluss voll sein? Gibt es dafür, wie in den USA ein Gesetz? Ist doch völlig 'bireweich' ...'es het solangs het', es verhungert ja niemand, wenn er zu spät einkaufen geht.
  • Kommentar von Tom Duran  (Tom Duran)
    Wie gesagt, Migrolino und andere Tankstellen sowie Grossisten werfen ihre nicht so schönen Brötchen und Gipfeli lieber weg, als das sie die an eine Behindertenwerkstatt kostenlos weitergeben.
    Das sagt ja schon alles über unseres kranke, überregulierte und verplante System. Wie kann man so noch frei leben und denken wenn alles vorgegeben ist?
    1. Antwort von Verena Schär  (Nachdenklich)
      Wie gesagt haben sie die Entscheidungslinie beachtet und ganz oben ein Gesuch gestellt.
  • Kommentar von Oli Muggli  (Oli g)
    Es geht nur um kohle kohle kohle...marktanteile zu verlieren geht gar nicht,eine reine irre wegwerfschlacht ist im gange,sowas gibts in griechenland nicht,von ihnen könnten wir viel lernen...
    1. Antwort von Karl Müller  (KaMü)
      Ja, es geht um Kohle. Die 2 Grossen in der CH beharken sich ohne Rücksicht, denn die jeweiligen Managements wollen keinem Konkurrenten einen Zentimeter überlassen. Schliesslich hängt davon ab, ob sie ein paar hundert Tausend mehr oder weniger Verdienst erhalten. Die Umwelt? Sollen sich andere darum sorgen. Ob GR ein Beispiel ist, welches man hier erwähnen sollte, wage ich allerdings zu bezweifeln. Dort sind komplett andere, nicht vergleichbare Verhältnisse.
    2. Antwort von Tom Duran  (Tom Duran)
      Allerdings könnten die Schweizer ja abstimmen und so die Richtung vorgeben.
      Dumm nur, dass die Mehrheit dann immer das abstimmt, was ihnen von Oben vorgekaut wird. Erbärmlich!