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Findlinge sind mehr als alte Steine, sie bieten seltenen Alpenpflanzen auch im Mittelland Lebensräume
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 01.07.2021.
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Forschung in Steinhof SO Seltenes Alpen-Moos wächst auf Findlingen im Mittelland

Ein Forscher hat herausgefunden, wie die Moose aus den Alpen auf Solothurner Findlingen landen. Die Antwort überrascht.

Es gibt sie im Mittelland an diversen Orten, auf dem Feld, auf dem Dorfplatz, im Wald: Findlinge. Die grossen Steinblöcke aus der Eiszeit, die per Gletscher aus den Alpen ins Mittelland transportiert wurden. Zum Beispiel die «Grosse Flue» in Steinhof im Kanton Solothurn, einer der drei grössten Findlinge in der Schweiz.

Grossi Flue
Legende: Die Grosse Flue ist auch ein Ausflugsziel für Wanderer. Ein Schweizer Forscher möchte dem Stein noch mehr Sorge tragen. Barbara Mathys/SRF

Die riesigen Steine erzählen von der Vergangenheit, aber sie sind mehr als das. Sie sind ein besonderer Lebensraum, der nur auf Findlingen möglich ist. Hier wachsen Alpenmoose, die sonst nicht im Mittelland wachsen.

Ein Besuch beim grössten Findling im Mittelland, auf der «Grossen Flue» in Steinhof, zeigt die Vielfalt der Moose. Der Fels wurde während der Eiszeit mit dem Rhonegletscher 180 Kilometer weit aus den Walliser Alpen ins Mittelland transportiert.

Auf dem sieben Meter hohen und 3500 Tonnen schweren Findling gibt es zum Beispiel graues Kissenmoos oder Hedwigsmoos. Pflanzen, die im Mitteland nur auf Findlingen wachsen können.

Moose
Legende: Alpenflora im Kanton Solothurn: Der Findling in Steinhof hat 36 Moosarten zu bieten. Barbara Mathys/SRF

Botaniker Daniel Hepenstrick hat 160 Findlinge im Mittelland untersucht. Erst gerade hat er den Doktortitel der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH für seine Forschungsarbeit über die Flora auf Findlingen erhalten.

Findlinge sind wie Inseln für die Moose.
Autor: Daniel HepenstrickForscher und Botaniker

«Das Spannende an den Findlingen ist, dass sie Inseln für die Moose sind. Auf den Findlingen aus Granitgestein wachsen Moose, die sonst nur in den Granitbergen wachsen. Auf den Kalkgesteinen im Mittelland kommen sie nicht vor», erklärt der Forscher. Die Alpenmoose können auf dem Kalkstein gar nicht wachsen, sie benötigen Granitgestein aus den Alpen.

Portrait
Legende: Botaniker Daniel Hepenstrick hat Erstaundliches über Findlinge im Mittelland herausgefunden. Barbara Mathys/SRF

Sporen fliegen aus den Alpen ins Mittelland

Doch wie kommen die Moose auf die Findlinge? Daniel Hepenstrick hat in seiner Forschungsarbeit Erstaunliches herausgefunden: Die Moose kommen direkt aus den Alpen zu uns und wandern nicht etwa von Findling zu Findling weiter.

«Die Moose in den Alpen produzieren so viele Sporen, dass diese über die Luft auf die Findlinge im Mittelland gelangen. In unserer Luft hat es eine Art Sporenwolke. Diese wird zu uns geblasen, die Sporen rieseln konstant auf die Erde». Treffen sie zufällig auf einen Findling, wächst das Moos. Landen sie auf anderen Steinen, passiert nichts.

Moose
Legende: Alpenmoose im Mittelland: Eine Seltenheit, aber dank Findlingen aus Granit möglich. Barbara Mathys/SRF

Diese Erkenntnis des Schweizer Forschers ist neu. Die «Grosse Flue» sei mit Blick auf das Wachstum der Moose ein Rekordhalter, sagt Forscher Daniel Hepenstrick: «Es ist der artenreichste Findling, mit 36 Moosarten. Acht davon sind Findlingsspezielle Moose, das ist Rekord».

Das ist der artenreichste Findling, mit 36 Moosarten.
Autor: Daniel HepenstrickForscher und Botaniker

Forscher Daniel Hepenstrick hat die Moose auf den Findlingen bestimmt und kleinste Moosteile im Labor genetisch analysiert. So gelangte er zu seinen Ergebnissen. Gerade weil die Moose auf Findlingen selten und wertvoll sind, setzt sich Hepenstrick für den Schutz derer ein. Zwar stehen im Kanton Solothurn alle Findlinge seit 1971 unter Schutz. Allerdings ist Klettern darauf erlaubt, was den Moosen schadet.

Grossi Flue: Grösster Findling im Mittelland

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Grossi Flue: Grösster Findling im Mittelland
  • Der Findling in Steinhof SO hat ein Volumen von 1200 Kubikmeter.
  • Er wiegt 3500 Tonnen.
  • Nur in Habkern BE und Monthey VS gibt es noch grössere Exemplare.
  • Der Findling kam aus den Walliser Alpen hierher. Der Rhonegletscher hat ihn 180 Kilometer weit transportiert.
  • Aus Angst, der Findling würde für den Eisenbahnbau zerstört, wurde er 1869 von der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft erworben und unter Schutz gestellt.
  • 1971 wurden alle Findlinge im Kanton Solothurn unter Schutz gestellt.

Dort, wo geklettert wird, sind keine Moose mehr zu finden, nur «nacktes» Granitgestein. Besonders schädlich für die Moose sei Magnesia, das manche Kletterinnen und Kletterer für die Hände verwenden, sagt Hepenstrick. Er hofft, dass er bei Kletterern und Gemeindearbeitenden das Bewusstsein für die seltene Flora auf Findlingen fördern kann. Schiesslich möchte er zu den artenreichen Inseln im Mittelland Sorge tragen.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 01.07.2021, 12:03 Uhr;

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Trotz ihrer Affinität zum Wasser wachsen Moose oft an den unwirtlichsten Orten. Die Moose gelten als die ältesten Landpflanzen. Forscher haben Fossilien gefunden, die darauf hinweisen, dass sich die Moose vor etwa 450 bis 440 Millionen Jahren in drei Linien aufgeteilt haben: in die Lebermoose, Hornmoose und Laubmoose. Geheimnisse der Natur lassen immer wieder staunen.
  • Kommentar von Beat Degen  (Haudegen)
    Unglaublich was die Welt in der wir leben alles zuwege bringt, respektive gebracht hat und wir, naja, das ist eine weitere Geschichte....unnütze Kommentare gibt es auf jeden Fall.
  • Kommentar von Dani Keller  (¯\_(ツ)_/¯ ____)
    Kann man wohl unter der Rubrik "unnützes Wissen" einordnen. Gibt es eigentlich auch unnütze Forschung?
    1. Antwort von Beat Heuberger  (Beat Heuberger)
      Ist ein 7 Meter hoher Stein zu gross zum begreifen. So muss es wohl an der Froschperspektive des Betrachters liegen. ;-)
    2. Antwort von Vale Nipo  (VNxpo)
      Für mich ist die Pflanzenwelt auf gar keinen Fall unnütz. Gerade in Betracht mit dem Klimawandel sind solche Moose gute Indikatoren für Schadstoffe und andere atomare Bestandteile. So könnte es sein, dass die Moose irgendwann nicht mehr im Mittelland gedeihen können, da es zu warm ist oder die Landwirtschaft zu viel düngt. Ihr Argument trifft mich schwer im Herz als Naturliebhaber.
    3. Antwort von Patrick Janssens  (patrickjanssens)
      In der Welt gibt es kein unnütziges Wissen, nur Unwissen.
    4. Antwort von Jos Schmid  (Jos Schmid)
      Schubladisieren Sie doch die Welt. Ich finde den Beitrag und die Forschung mehr als interessant.
    5. Antwort von Heiner Zumbrunn  (Heiner Zumbrunn)
      Ich bin froh um solche Forschung. Die Grüne Partei würde sonst behaupten: Das Wachtum dieser Moose hänge mit der erhöhten CO2 Konzentration in der Athmosphöre zusammen.
      Nun wissen wir: Zumindest diese Aussage wäre falsch. Eiegntlich wissen wir viel zu wenkg über was passiert weil . . . . dafür braucht es Forschung und nicht Politik. Vergessen wir sehr gerne
    6. Antwort von Dani Keller  (¯\_(ツ)_/¯ ____)
      @Nipo: ich würde mich durchaus auch als Naturfreund bezeichnen, jedoch mit anderem Fokus.
      Wieso genau soll man denn jetzt Moose die auf Granitsteinen in den Alpen massenhaft vorkommen, im Mittelland auf Granit-Findlingen extra schützen? Wenn schon sind diese Moose im Mittelland eher ein Fremdkörper, man könnte sagen Neophyten.
      Macht soviel Sinn wie Murmeltiere oder Steinböcke im Mittelland schützen zu wollen.
    7. Antwort von Urs Salzmann  (pfefferusalz)
      Es gibt durchaus auch ‘unnütze’ Kommentare. Ich finde die Erkenntnis sehr interessant und wissenswert!