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Schweiz ist bei «Horizon Europe» nur noch normaler Drittstaat
Aus Rendez-vous vom 14.07.2021.
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Forschungsprogramm der EU Kein Rahmenabkommen: Schweiz von «Horizon Europe» ausgeschlossen

Weil das Rahmenabkommen gescheitert ist, schliesst die EU die Schweiz zumindest für 2021 aus dem Forschungsprogramm aus.

Das Scheitern des Rahmenabkommens mit der EU hat konkrete Folgen für die Schweizer Forschenden: Die Schweiz kann dieses Jahr nur noch teilweise am europäischen Forschungsprogramm «Horizon Europe» teilnehmen – sie gilt jetzt als nicht-assoziierter Drittstaat.

Die Schweizer Hochschulen bedauern dies, wie Astrid Epiney, Vizepräsidentin von Swissuniversities, dem Zusammenschluss der Schweizer Hochschulen, sagt: «Insgesamt ist es für den Forschungs- und Innovationsplatz Schweiz ein sehr negativ zu bewertender Entscheid. Die Gefahr für dessen Attraktivität, die davon ausgeht, ist nicht zu unterschätzen.»

Ausschluss aus der «Champions League»

Laut Epiney besteht das Risiko, dass die Schweizer Forschenden mittelfristig den Anschluss an die Spitzenforschung verlieren, denn sie können sich nicht mehr für Einzelstipendien bewerben. «Das ist für die Forschenden ein grosser Nachteil. Denn diese Stipendien sind sozusagen die Champions League in den internationalen Ausschreibungen – und auch wichtig für die internationale Anerkennung und Vernetzung.»

Mittel- und langfristig besteht die Gefahr der Isolation – und das entspricht nicht dem Wesen der offenen Forschungszusammenarbeit zwischen den besten Köpfen der Welt.
Autor: Philipp Langer Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI

Es geht also vor allem um die internationale Zusammenarbeit, die in der Forschung besonders wichtig ist. Und es geht weniger ums Geld, denn dieses steuert die Schweiz dieses Jahr selbst bei, wie Philipp Langer vom zuständigen Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI, sagt: «Kurzfristig können wir die meisten Instrumente mit nationaler Finanzierung überbrücken. Mittel- und langfristig besteht die Gefahr der Isolation – und das entspricht nicht dem Wesen der offenen Forschungszusammenarbeit zwischen den besten Köpfen der Welt.»

Für dieses Jahr bezahlt die Schweiz die Forschung also selbst. Im nächsten Jahr möchte sie dann voll bei «Horizon Europe» dabei sein, wie Langer sagt: «Das Ziel des Bundesrates ist ganz klar eine möglichst rasche und vollständige Assoziierung an ‹Horizon Europe›. Wenn es dieses Jahr nicht mehr geklappt hat, dann eben nächstes Jahr.»

Kohäsionsmilliarde als Schlichtungswerkzeug?

Eine wichtige Rolle spielt dabei die zweite Kohäsionsmilliarde, die die Schweiz der Europäischen Union bezahlen soll. Langer ist zuversichtlich, dass es mit der Teilnahme an «Horizon Europe» klappt, wenn die Zahlung an die EU erfolgt. Dann könnten Verhandlungen beginnen. «Von der Schweizer Seite her sind wir parat für die Aufnahme der Verhandlungen. Das Mandat steht und die Finanzmittel sind vom Parlament gesprochen.»

Die Schweizer Hochschulen sind etwas skeptischer, ob es so rasch klappt – aber auch sie hoffen, dass die Schweiz möglichst bald voll beim wichtigen EU-Forschungsprogramm mitmachen kann.

Hiobsbotschaft für Forschungslandschaft

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Legende: Matthias Egger, Präsident des Forschungsrates beim Schweizerischen Nationalfonds Keystone

Für Matthias Egger, Präsident des Forschungsrates beim Schweizerischen Nationalfonds und Epidemiologe an der Universität Bern, ist der Entscheid keine gute Nachricht. «Wir verlieren dadurch den Zugang zum europäischen Wettbewerb.» Die Schweiz sei nun nicht mehr in die Entwicklung des Europas der Wissenschaft und Innovation eingebunden, bedauert Egger. Und die Ungewissheit, wie es weitergehe, sei gross – das schwäche den Schweizer Forschungsstandort und dessen Attraktivität.

Egger macht allerdings darauf aufmerksam, dass Schweizer Forschende auch künftig Möglichkeiten haben, mit europäischen Kolleginnen und Kollegen sowie wissenschaftlichen Institutionen vernetzt zu bleiben. Es gebe verschiedene bilaterale Programme, die der Schweizerische Nationalfonds über viele Jahre aktiv aufgebaut habe.

Doch Egger schliesst: «‹Horizon Europe› ist das wichtigste Forschungsprogramm auf diesem Planeten. Da sollten wir unbedingt dabei sein – und ich hoffe, dass wir bald wieder dabei sein werden.»

 

Rendez-vous, 14.07.2021, 12:30 Uhr

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154 Kommentare

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  • Kommentar von Brigitte Sponchia  (Brigitte Sponchia)
    Die Schweiz hat sich abgesondert mit dem Abbruch des Rahmenabkommens. Des weiteren schuldet die Schweiz der EU noch diese Mrd, die die Schweiz zurückhält zur Unterstützung ärmerer EU Mitgliedsländer.Das bedeutet, finanziell stämmt die EU alleine die Forschung. Wie wird dann mit den Forschungsergebnissen und Patenten , sowie dem Recht der Weiterentwicklung und Produktion zwischen den Ländern umgegangen, wenn nichts verhandelt wurde bzw keine Verträge bestehen?
  • Kommentar von Thomas Balmer  (Thomas Balmer)
    Dafür fliessen die Kohäsionsmillionen direkt in den Nationalfonds und damit in die Forschung! Ganz klar ein Gewinn für die Schweiz!
  • Kommentar von Maciek Luczynski  (Steine)
    Okey, dann fliessen halt die Forschungsgelder der Schweiz nicht in ein EU-Programm, sondern direkt in die nationalen Forschungseinrichtungen.
    Man kann sich ja beim weltweiten Wettbewerbe trotzdem engagieren.