Zum Inhalt springen

Header

Audio
Die Suche nach der insektenfreundlichen Laterne
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 17.06.2021.
abspielen. Laufzeit 02:05 Minuten.
Inhalt

Forschungsprojekt Weisses oder gelbes Licht? Die Antwort könnte Insekten retten

Das Licht von Strassenlaternen hat verheerende Auswirkungen auf bestimmte Insekten. Forschende gehen das Problem nun an.

Künstliches Licht tötet Insekten – egal ob es von einer heissen Glühbirne oder einer kühlen LED-Lampe kommt. Wegen letzterer verbrennen die Mücken und Falter zwar nicht, sie gehen aber trotzdem daran zu Grunde. «Das Licht stört ihren Orientierungssinn», erklärt Janine Bolliger. Sie forscht zum Einfluss von künstlichem Licht auf die Insektenwelt.

Forschungsprojekt in drei Kantonen

«Insekten orientieren sich an der Position von Sterne und Mond», so Bolliger. Weil eine Strassenlaterne sehr hell scheint, würden sie diese mit den Himmelskörpern verwechseln und darauf zufliegen. «Im Lichtkegel der Lampe angekommen, bleiben sie darin gefangen und fliegen bis zur Erschöpfung um die Lampe herum.»

Florfliege
Legende: Sogenannte Netzflügler wie die Florfliege werden besonders stark von Licht angezogen. Beat Wermelinger, WSL

Um dieses Problem anzupacken, hat das Eidgenössische Forschungsinstitut für Wald, Schnee und Landschaft WSL zusammen mit Experten der Zürcher Elektrizitätswerke EKZ ein Forschungsprojekt gestartet. Die Forschenden um Janine Bolliger wollen herausfinden, ob gewisse Arten von Licht weniger Insekten anziehen als andere. An drei Standorten – in Uitikon-Waldegg (ZH), auf der Lägeren (AG) und in Alpthal (SZ) – haben sie dafür Strassenlaternen mit verschiedenen Arten von Licht ausgestattet.

Gewisse Lampen strahlen das Licht gerade nach unten, andere streuen es stärker zur Seite. Gewisse strahlen mit weissem Licht, andere mit gelbem. Unter den Lampen ist eine Art Trichter angebracht, welcher die fliegenden Insekten einfängt. So sehen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einerseits, wie viele Insekten zu den einzelnen Lichtarten fliegen. «Andererseits schauen wir uns auch an, welche Insektengruppen wir fangen», so Bolliger.

Strasse in der Nacht. Einmal stärker und einmal schwächer beleuchtet
Legende: Nebst der Lichtfarbe und der Ausrichtung der Lampe werden auch unterschiedliche Intensitäten getestet. Rechts sieht man den Strassenabschnitt mit gedimmten Laternen. EKZ

Der Versuch dauert bis im August. Erste Erkenntnisse gibt es jedoch bereits von einer ähnlichen Studie aus dem Jahr 2019. Diese hat gezeigt, dass Laternen, die direkt nach unten scheinen und ihr Licht nicht streuen, weniger Insekten anziehen. Weiter schien wärmeres Licht (gelb bis orange) weniger Insekten anzuziehen als weisses.

Energieeffizient aber schädlich

Sollte sich dies bestätigen und dazu führen, dass Schweizer Strassenlaternen mit solchem Licht ausgestattet würden, könnte das einen positiven Einfluss auf die hiesigen Insekten haben. Denn: Aktuell sind die meisten LED-Strassenlaternen mit weissem Licht ausgestattet, weil dieses energieeffizienter ist. Ein Wechsel auf gelbliches würde zwar etwas mehr Strom verbrauchen, doch potenziell viele Insektenleben retten – falls sich die Erkenntnisse der ersten Studie bestätigen sollten.

Zwei Strassenlaternen
Legende: LED-Lampen mit warmem (links) und neutralem Licht (rechts). Erste Erkenntnisse zeigen: Die linke Lampe zieht weniger Insekten an. Martin Obrist, WSL

Ein positiver Nebeneffekt: Auch Menschen könnten davon profitieren, wie Jörg Haller von den EKZ sagt. «Natürlich hat der Mensch eine andere Wahrnehmung als Insekten, die Ergebnisse können also nicht eins zu eins übertragen werden. Doch man weiss, dass auch wir wärmeres Licht als angenehmer empfinden.»

SRF 1, Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 16.06.2021, 06:30 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

24 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Unzählige Laternen erhellen des Nachts Stadt und Land. Das Licht zieht so viele Insekten an, dass es die Ökosysteme durcheinander bringt. Kunstlicht ist für viele Insekten eine Falle. Zu Hunderten schwirren sie jede Nacht um Strassenlampen. Ein Drittel davon stirbt an der Lichtquelle. Die meisten drehen solange ihre Kreise, bis sie erschöpft zu Boden sinken. Der Verlust der Nacht einher mit dem Tod vieler Insekten. Der Klimawandel und die LW, vor allem Monokulturen und Spritzgifte,bringen Tod.
  • Kommentar von Robert Frei  (RFrei)
    Wärmeres Licht mag vom Menschen wohl als angenehmer empfunden werden - frägt sich aber dann, wo das so ist. Im Wohnzimmer oK, aber bei der Orientierung in der Nacht im Freien ist weisses Licht viel hilfreicher. Zudem war das früher verbreitete gelbe Licht der Natrium-Lampen furchtbar.
  • Kommentar von Manfred vom Hoevel  (Peter-Hagen)
    Ich wohne in direkter Nachbarschaft zu einem mehrstöckigen Bürogebäude. Seit Jahren brennt dort in den meisten Büros das Licht bei Tag und in der Nacht. Nachts, obwohl die Räume menschenleer sind! Meiner Bitte, mein Schlafzimmer nicht mehr durch helles Arbeitsplatzlicht zu erleuchten, wurde bislang allenfalls halbherzig nachgegangen. Argument: die nächtliche „Lichtgestaltung“ sei von Architekten des Gebäudes so geplant.