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«Frauen werden in vielen Bereichen am wenisten genannt»
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 30.08.2021.
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Frauen in den Medien «Frauen werden verbal aggressiver angegriffen»

Frauen in den Medien sind untervertreten. Dies zu verändern, sei dringend nötig, sagt Professorin Sophie Mützel.

Das Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich hat sechs Jahre lang die Schweizer Medien untersucht und festgestellt: Auf eine Erwähnung einer Frau kommen rund drei Erwähnungen von Männern. Diese Ungleichheit besteht in allen Schweizer Sprachregionen und über sämtliche Medientypen hinweg, mit geringfügigen Unterschieden.

«Frauen in den Medien», mit diesem Thema befasste sich am Montag auch ein Podium in Luzern, im Rahmen von 50 Jahre Frauenstimmrecht Luzern. Mit dabei Sophie Mützel, Professorin für Soziologie an der Universität Luzern.

Sophie Mützel

Sophie Mützel

Professorin an der Universität Luzern

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Sophie Mützel ist ordentliche Professorin für Soziologie mit dem Schwerpunkt Medien und Netzwerke an der Universität Luzern. Ihre Forschungsschwerpunkte sind digitale Soziologie, sozialwissenschaftliche Netzwerkanalyse, Mediensoziologie, Wirtschaftssoziologie, Kultursoziologie, Wissenschafts- und Techniksoziologie, soziologische Theorie und textanalytische Verfahren.

SRF News: Ich als Journalistin und Sie als Expertin führen jetzt ein Gespräch miteinander – sind wir in der Schweizer Medienlandschaft gerade die grosse Ausnahme?

Sophie Mützel: Wahrscheinlich schon. Die Zahlen zeigen, dass Frauen deutlich unterrepräsentiert sind, sowohl bei den Medienschaffenden als auch bei denen, die repräsentiert werden in den Medien.

Politik und Wirtschaft stechen hier heraus. Hier gibt es besonders wenige Frauen.

Genau. Wir sehen ganz klare Unterschiede in den Themen, in denen Frauen genannt oder als Expertinnen zugezogen werden. Dem Klischee entsprechend werden Frauen in den Bereichen Sport, Wirtschaft und Politik am wenigsten genannt. Bei den weicheren Themen, wie Kultur oder «Human interest», kommen Frauen eher zu Wort. Interessant ist auch, dass in der Darstellung der Frauen in den Medien viel mehr Privates geschildert wird. Wir wissen sehr wenig über das Privatleben von männlichen CEOs. Wenn aber eine Frau an die Spitze eines Unternehmens kommt, wissen wir über ihre private und familiäre Situation Bescheid.

Wie stark ist die Medienlandschaft ein Abbild der Gesellschaft? In Parlamenten gibt es teilweise schlichtweg weniger Politikerinnen, die ich befragen kann.

Wenn ich nur männliche Politiker habe, die mir zu bestimmten Themen Auskunft geben können, dann muss ich natürlich ein Interview mit ihnen machen. Aber ich würde stark dafür plädieren, dass man trotzdem nochmals gezielt nach einer Expertin sucht, welche zur gleichen Themenlage etwas zu sagen hat. Das heisst auf Seite der Journalistinnen und Journalisten, dass man dann halt drei E-Mails mehr schreiben und nochmals darüber nachdenken muss, welche Expertin man einladen könnte.

Haltung von SRF

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Mit der Frage, wie Frauen in den Medien besser vertreten und repräsentiert werden können, beschäftigt sich auch SRF. Auch bei SRF ist nur jede vierte Person eine Frau, die zu Wort kommt. Das soll geändert werden. SRF nimmt sich ein erfolgreiches Projekt des öffentlichen britischen Senders BBC zum Vorbild: eine 50-prozentige Vertretung von Frauen in den Programmen. Die Teilnahme bei diesem Projekt ist bei SRF für die einzelnen Redaktionen allerdings freiwillig.

Einen Schritt weiter geht die Chefredaktion Radio. «Für uns gilt das verbindlich. Das ist in den Redaktionszielen so festgeschrieben», sagt dazu Lis Borner, Chefredaktorin von Radio SRF. Dazu brauche es einen Effort, Expertinnen auch zu finden und aufzubauen. SRF4 News hat das bereits sehr konsequent betrieben. Mit Erfolg: Im Juni war der Anteil an Expertinnen und Experten 50:50.

Da sind also die äusseren Umstände, weshalb Frauen mehr oder weniger in den Medien vorkommen. Welche Rolle spielt dabei, dass sich Frauen in der Öffentlichkeit auch ausgestellt fühlen?

Wir sehen seit dem Aufkommen von sozialen Netzwerkplattformen, dass gerade Frauen in Kommentaren und Beiträgen auf Social Media aggressiver angegriffen werden. 75 Prozent aller Journalistinnen weltweit haben schon mal verbale Aggressionen erlebt. In der Schweiz sind es etwas weniger.

75 Prozent aller Journalistinnen weltweit haben schon mal verbale Aggressionen erlebt.
Autor: Sophie Mützel Professorin für Soziologie

Das heisst, dass Frauen sich sehr gut damit auseinandersetzen müssen, verbal attackiert und belästigt zu werden.

Expertinnen sind schwieriger zu finden. Was muss sich ändern, damit mehr Frauen zu Wort kommen?

Das ist zwar eine grobe Verallgemeinerung, aber: Männer sind eher bereit, zu Themen, die ausserhalb ihres unmittelbaren Expertisenfelds liegen, Auskunft zu geben. Frauen sind da eher zögerlich. Der Wandel müsste hier auch von den Frauen selber ausgehen. Ich glaube nämlich, dass wir Frauen sehr gut ausgebildet und sehr bereit sind. Aber dann ist es auch wichtig, dass wir nicht nur als Frau angefragt werden, sondern auf der Grundlage unserer Expertise.

Das Gespräch führte Lea Schüpbach

Regionaljournal Zentralschweiz, 30.08.2021, 17:30 Uhr;

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Andrea Müller  (Andrea Müller)
    Offenbar hätte der Titel ausgedeutscht werden müssen. Journalistinnen werden angegriffen, weil sie Frauen sind und sie werden sexualisiert-aggressiv angegriffen.

    Ihren Kollegen passiert kaum. Sie werden nicht auf der Ebene Mann-Sein angegriffen.

    Und wer nach Statistiken ruft, greife eigenständig zur Tastatur und recherchiere.
  • Kommentar von Jan Hofmann  (jan1453)
    "75 Prozent aller Journalistinnen weltweit haben schon mal verbale Aggressionen erlebt" als zentrale Aussage - und dann wird einem der Prozentsatz für (männliche) Journalisten vorenthalten! Dies wirkt äusserst unseriös und weckt den Verdacht, dass der Unterschied statistisch nicht relevant ist. Peinlich!
    1. Antwort von robert mathis  (veritas)
      Jan Hofmann vielleicht sind die Frauen auch empfindlicher im Nehmen als die Männer ,im Geben erlebe ich oft das Gegenteil ……Ich stimme Ihnen zu es bräuchte einen statistischen neutralen Vergleich
  • Kommentar von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
    Ich bin dafür, dass es mehr Frauen in Wirtschaft und Politik und auch in hohe Positionen schaffen. Aber wenn in Medien Frauen in diesen Bereichen (noch) weniger repräsentiert sind, ist das wohl ein Abbild der Realität. Die Forderung, Nachrichten-Medien sollten nun die Realität verzerren, kann ja wohl nicht die Lösung sein. Natürlich ist das dahintersteckende Ziel einer Veränderung der öffentlichen Wahrnehmung von Geschlechterrollen wichtig, aber ein Nachrichtenmedium ist dafür der falsche Ort.
    1. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Nein Herr Kleffel, ein Nachrichtenmedium ist nicht der falsche Ort dafür. "Ein Abbild der Realität", wer bitte sagt, dass dies so bleiben muss? Die Realität kann verschoben werden. Seit Jahrzehnten bleiben die Augen vor verschiedenen Realitäten geschlossen, oder halbherzig offen. Ist das so weil Mann nichts verändern möchte? Ist das DIE Realität, die so schwierig ist zu verändern?
    2. Antwort von Susanne Saam  (Biennoise)
      Lieber Florian Kleffel - ich finde ein Nachrichtenmedium gerade der richtige Ort, Bewegung in die öffentliche Wahrnehmung zu bringen. Zum Beispiel bei den "Experten-Situationen" zu fragen: nehmen wir den bereits bekannten "Experten" oder suchen wir zum Thema eine Expertin? Nicht einfach, ich weiss. Aber es wäre eigentlich Pflicht.