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Vorurteile, Hindernisse, Erfolgsrezepte: Drei Zürcher Top-Bankerinnen über ihren Aufstieg an die Spitze
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 16.10.2020.
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Frauen in der Finanzwelt Finanz-Chefin: «Motzen nicht über Geschlechter-Ungerechtigkeit»

Nach wie vor ist die Finanz- auch eine Männerwelt. Doch es gibt sie, die Frauen, welche die gläserne Decke durchbrechen.

Zum Beispiel Florence Schnydrig Moser, 48. Die studierte Mathematikerin und CS-Topbankerin wechselt nach einem Abstecher als Chefin des Kreditkartenanbieters Swisscard in die Geschäftsleitung der Zürcher Kantonalbank, ZKB. Als erste Frau in der 150-jährigen Geschichte der ZKB erobert die Walliserin einen der Chefsessel in der grössten Staatsbank der Schweiz.

Florence Schnydrig, zukünftiges Mitglied der Geschäftsleitung der ZKB
Legende: zvg

SRF: Wie haben Sie es dorthin geschafft?

Florence Schnydrig Moser: Es klingt nach Klischee, aber man muss auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Und ich hatte von meinem Werdegang her wahrscheinlich viel mitgebracht, das die ZKB spezifisch suchte.

Weshalb gelingt es nur wenigen Frauen?

Ein Element ist sicher die Schweizer Kultur. Gerade in den karriere-entscheidenden Jahren zwischen 30 und 40 fahren die Frauen beruflich runter, sind für Familie und Kinder da. Das ist ein Karrierehindernis. Ein 80 Prozent-Pensum in Toppositionen ist möglich. Mit 50 oder 60 Prozent ist es unrealistisch. Ich habe immer 100 Prozent gearbeitet.

Sie haben zwei Buben im schulpflichtigen Alter, wie machen Sie das?

Es ist eine Frage der Organisation. Bei uns hat der Mann seine Karriere «on hold» gestellt und schaut zu den Kindern. Tatsache ist auch, dass in der Schweiz das öffentliche System mit Tagesschulen nicht gleich ausgebaut ist wie in anderen Ländern.

Karriere mit 50 Prozent ist unrealistisch.
Autor: Florence Schnydrig MoserAb 2021 Mitglied der ZKB-Geschäftsleitung

Einen andern Weg ging Edith Aldewereld. Die 48-jährige Holländerin machte sich nach fast 15 Jahren bei Privatbanken selbständig als Vermögensverwalterin. Sie ist spezialisiert auf Anlegerinnen und Mitgründerin eines Frauen-Netzwerkes mit über 700 Mitgliedern.

Eedith Aldewereld, selbständige Vermögensverwalterin
Legende: SRF

SRF: Warum haben Sie ein Frauen-Netzwerk gegründet?

Edith Aldewereld: Jeder Vermögende kann sein Geld nachhaltig anlegen, so dass er etwas verdient und gleichzeitig etwas für die Gesellschaft und unseren Planeten tut. Es hat sich gezeigt, dass Frauen ein viel grösseres Bedürfnis haben nach nachhaltigem Anlegen als Männer. Ein zweiter Grund: In der Finanzwelt gibt es viel zu wenig Frauen, die Einfluss haben. Das wollen wir ändern.

Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Netzwerk?

Das Netzwerk ist für Frauen, die für sich und die Finanzwelt etwas ändern wollen. Wir wollen aktiv sein. Wir motzen nicht über Geschlechter-Ungerechtigkeit. Es geht darum, dass wir die Finanzwelt so gestalten wollen, wie wir denken, dass sie aussehen soll. Damit auch unsere Nachkommen davon profitieren können.

Frauen haben ein viel grösseres Bedürfnis nach nachhaltigem Anlegen
Autor: Edith Aldewereldselbständige Vermögensverwalterin

Bernadette Leuzinger ist mit 29 Jahren eine der jüngsten Finanzchefinnen der Schweiz. Sie arbeitet bei der Krypto-Fund AG. Krypto-Anlagen wie Bitcoins sind ihre Spezialität. In dieser noch jungen Szene tummeln sich fast ausschliesslich Männer. Oft ist sie die einzige Frau am Sitzungs- oder Apérotisch.

Bernadette Leuzinger, Finanzchefin der Krypto Fund
Legende: SRF

SRF: Wie ist es für Sie, häufig die einzige Frau zu sein?

Bernadette Leuzinger: Ich mache mir nicht so viele Gedanken darüber. Für mich war immer wichtig, dass ich kompetent rüberkomme, dann verschwinden Vorurteile jeweils rasch. Einmal sagte mir ein Mann, er hätte anfangs gedacht, ich sei die Freundin von einem der Teilnehmer (an einem Anlass in der Bitcoin-Szene). Die, die halt so mitkommt und ruhig dasitzt. Nach der ersten Diskussion mit mir habe er dann realisiert, dass ich da bin, weil es mich interessiert.

Wie wurden sie Finanzchefin?

Das hat sich über die letzten dreieinhalb Jahre ergeben. Ich bin an meiner Rolle gewachsen.

Es ist wichtig, Kompetenz rüberzubringen, dann verschwinden Vorurteile rasch.
Autor: Bernadette LeuzingerFinanzchefin Krypto Fund AG

Es ist auch sehr wichtig, in welchem Umfeld man arbeitet und dass man überhaupt die Möglichkeit erhält, um das zu erreichen. Dafür bin ich auch super dankbar. Es war hier nie ein Thema, dass ich eine Frau bin.

Kaderpositionen: Der Frauenateil steigt nur langsam

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10 Prozent beträgt aktuell der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen der 100 grössten Schweizer Unternehmen. Zum ersten Mal seit die Zusammensetzung der Führungsgremien untersucht wird, ist dieser Wert zweistellig. Bei der ersten Auswertung vor 15 Jahren betrug der Frauenanteil vier Prozent. Trotzdem beschäftigen erst gut die Hälfte der grössten Unternehmen eine oder mehrere Frauen in ihrer Geschäftsleitung. Knapp die Hälfte verzichten nach wie vor komplett auf Frauen im obersten Kader. (Quelle: Schillingreport 2020)

Herbstserie «Zürich und das Geld», Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 14.10.2020; fumi/kerf;buec

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Zuber  (Hä nuuh)
    Die erwähnten Tagesschulen wären zeitgemäss. Warum sollen die Kinder zum Mittagessen nach Hause müssen. Wer von einer arbeitenden Frau erwartet das sie noch Mittagessen kocht lebt im Mittelalter. ich
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  • Kommentar von Remo Kucera  (Remo Kucera)
    Ich bin irritiert, Feministen sagen uns doch immer, dass dies gar nicht geht und jetzt haben wir hier 3 Frauen die zeigen dass es doch geht. Sie sagen sogar, wie man es schaffen könnte, so halt mit fleissig sein und auch Kompetenz mitbringen und zeigen.
    Die Welt ist halt wirklich nicht nur Schwarz/Weiss wenn man mal über den Tellerrand schaut.
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  • Kommentar von Peter Belmi  (P.B.)
    Für Frauen (wie auch für Männer) gilt den Finger raus nehmen und arbeiten. Erfolg fällt niemandem in den Schoss. Unabhängig vom Geschlecht.
    Auch ich als Mann bin nicht Präsident der Firma geworden. - Warum? Weil ich nicht den benötigten Einsatz leisten wollte, keine 10-12 Stunden Tage, 24/7 für die Firma verfügbar sein.
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