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Personenfreizügigkeit hilft dem Schweizer Gesundheitswesen
Aus Rendez-vous vom 25.06.2021.
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Freizügigkeitsbericht des Seco Ausländische Arbeitskräfte halten Gesundheitssystem am Laufen

Die Schweiz ist auf Grenzgängerinnen und Grenzgänger angewiesen. Teils verdienen sie aber klar weniger als Einheimische.

Das vergangene Coronajahr habe es deutlich gezeigt: Das Gesundheitswesen in der Schweiz könne ohne ausländische Arbeitskräfte kaum funktionieren.

Zu diesem Schluss kommt das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in einem Bericht, Link öffnet in einem neuen Fenster zur Personenfreizügigkeit mit der EU. Ein Drittel der Fachärzte und -ärztinnen und fast ein Drittel der Allgemeinmediziner in der Schweiz würden heute aus der EU stammen, rechnet Boris Zürcher vor.

Er ist der Leiter der Direktion für Arbeit beim Seco. Ein Viertel der Zahnärzte und Apothekerinnen komme aus dem EU-Raum. Fast ein Fünftel des Pflegefachpersonals ebenfalls. Zürcher hält deshalb fest: «Die Schweiz hat gerade im Bereich dieser weltweit stark gefragten Arbeitskräfte ganz besonders von der Personenfreizügigkeit und den Rekrutierungsmöglichkeiten im EU-Raum profitiert.»

34'000 Grenzgänger im Gesundheitswesen

Dazu komme die Bedeutung der Grenzgängerinnen und Grenzgänger fürs Gesundheitswesen, ergänzt Roland Müller, der Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes. Pro Tag kommen 34'000 von ihnen aus Nachbarländern über die Grenze, um hier im Gesundheitswesen zu arbeiten.

«Die Zahlen zeigen eindrücklich die zentrale Rolle, welche die qualifizierte Zuwanderung durch die Personenfreizügigkeit für das Gesundheitswesen hat», sagt Müller. Der neue Seco-Bericht liefert aber gerade im Bereich der Grenzgänger auch Zahlen, die wenig erfreulich sind. Eine detaillierte Auswertung zeigt deutliche Lohnunterschiede zwischen Einheimischen und Grenzgängerinnen und Grenzgängern in zwei Regionen der Schweiz.

Bis zu zwölf Prozent tiefere Löhne im Tessin

In Jurabogen verdienen Grenzgänger rund sechs Prozent weniger als Einheimische, im Tessin gar bis zu zwölf Prozent. Diese Unterschiede seien nicht unerheblich und auch nicht erklärbar, stellt der Bericht fest. Komme hinzu, dass im Tessin fast jeder fünfte Grenzgänger in einem Unternehmen arbeitet, das praktisch nur Grenzgängerinnen und Grenzgänger beschäftigt.

Es gibt Firmen, in denen diejenigen mit einem weissen Hemd einen Schweizer Pass haben. Und diejenigen, die Trafos wickeln oder Zigarren rollen, haben einen italienischen Pass.
Autor: Daniel LampartSchweizerischer Gewerkschaftsbund

Daniel Lampart vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) erklärt: «Wir wissen aus dem Tessin, dass es Firmen gibt, in denen diejenigen mit einem weissen Hemd einen Schweizer Pass haben. Und diejenigen, die Trafos wickeln oder Zigarren rollen, haben einen italienischen Pass.» Ein Hinweis, dass im Tessin in einzelnen Unternehmen systematisch Lohndumping betrieben wird?

Boris Zürcher vom Seco verneint: «Das Tessin ist der Kanton, der die meisten Massnahmen hat, was Normalarbeitsverträge und die Kontrollintensität angeht. Wir haben keinen Anlass, daraus zu schliessen, dass das systematisch negative Effekte sein könnten.»

Der Kanton Tessin habe effektiv zahlreiche Normalarbeitsverträge erlassen und damit Mindestlöhne eingeführt, bestätigt Lampart vom SGB. «Allerdings ist das Niveau dieser Mindestlöhne vielerorts zu tief.» Da gebe es also schon noch Handlungsbedarf, betont der Gewerkschaftsvertreter.

Rendez-vous, 25.06.2021, 12:30 Uhr

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Die Zahl der Grenzgänger*innen wächst seit der Jahrtausendwende stetig: Soll das immer so weiter gehen?
    Wollen wir in der Schweiz das quantitative Wirtschaftswachstum wirklich immer weiter treiben, obwohl das Einkommen/Kopf dadurch nicht gesteigert werden kann? Wer sind die Profiteuere und wer die Verlierer*innen? Wenn Betriebe in den Grenzregionen nur noch mit Grenzgänger*innen überleben können, wäre es möglicherweise besser, sie würden die Betriebe ins Ausland verlagern.
  • Kommentar von Christoph Stadler  (stachri)
    Die Frage steht im Raum, warum die Grenzgänger weniger verdienen. Da die Lebenskosten im Ausland etwa halb so gross sind wie hier in der Schweiz, haben die Grenzgänger immer noch einen sehr grossen Vorsprung an freien finanziellen Mitteln.
    Um diese Einkommensdifferenz unanfechtbar zu machen, könnte man vertraglich einen Grundlohn festlegen plus eine Ortszulage ausrichten, je nach Wohnort des Angestellten.
    Der Bund vergibt übrigens auch Ortszulagen an gewisse Arbeitsnehmer.
  • Kommentar von Namor Brisk  (Namor)
    Ausländische Arbeitskräfte helfen mit die Schweizer Wirtschaft am laufen zu halten. Ob gut oder schlecht, ohne die Arbeitskräfte von "enet de Grenze" geht es schon lange nicht mehr. Wieso muss das jetzt auf einen Bereich heruntergebrochen werden?
    Baubranche ohne Auslänger wäre komplett undenkbar!!