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Schweiz «Früher oder später kommt Betrug ans Tageslicht»

Der Fleischhändler Carna Grischa soll Produkte falsch etikettiert und Verfallsdaten geändert haben. Ein Vertrauensverlust in der Bevölkerung sei die Folge, sagt Heinrich Bucher vom Branchenverband Proviande – und nimmt den Konsumenten in die Pflicht.

Legende: Video Carna Grischa: mea culpa abspielen. Laufzeit 01:47 Minuten.
Aus Tagesschau vom 26.11.2014.

SRF: Der Lebensmittelsmittel-Skandal um die Bünder Firma Carna Grischa: Wie sehr beschädigt er das Image der Schweizer Fleischwirtschaft?

Heinrich Bucher: Es ist schwer zu sagen, wie gross der Image-Schaden ist. Es ist unbestritten, dass Vertrauen verloren gegangen ist. Das ist störend, denn das grösste Kapital unserer Branche ist das Vertrauen unserer Konsumenten.

Auch wenn es hier um einen Einzelfall geht: Das Vertrauen der Konsumenten ist beschädigt. Das betrifft nicht nur Carna Grischa, sondern die ganze Branche.

Das ist sicher so. Die Leute fragen sich: Kann ich wirklich darauf vertrauen, dass Schweizer Fleisch drin ist, wo Schweizer Fleisch drauf steht? Die Menschen kaufen sehr bewusst lokale Produkte, weil sie in der Regel darauf vertrauen können. Dieses Vertrauen muss die Branche gewährleisten können.

Das Vertrauen muss also wieder hergestellt werden. Wie erreichen Sie das?

Grundsätzlich können wir nichts ändern. Wir müssen einfach jeden Tag seriös arbeiten…

…aber das hat ja gerade nicht funktioniert.

In diesem Fall nicht. Es ist unbegreiflich, wie jemand das Vertrauen der Konsumenten aufs Spiel setzen kann. Man weiss: Wenn mutwillig betrogen wird, fliegt das früher oder später auf. Damit riskiert man nicht nur einen Vertrauensverlust, sondern bringt auch die Mitarbeiter in Gefahr. Ich weiss nicht, ob diese Firma in Zukunft weiter existieren kann.

Müsste man nicht die Kontrollen verschärfen?

Die Kontrollen sind gut. Wenn aber mutwillig betrogen wird, ist es nicht in jedem Fall möglich, das sofort aufzudecken. Der Konsument muss sich auch bewusst sein, dass der Preis nicht immer das entscheidende Kriterium sein kann. Sonst leistet man solchem Verhalten Vorschub. Man muss bereit sein, für gute Produkte einen Preis zu bezahlen und nicht immer nach dem Billigsten zu fragen.

Der Konsument hat hier Schweizer Fleisch konsumieren wollen und hat ungarisches bekommen.

Das ist genau das, was nicht passieren darf. Die Leute achten auf die Herkunft. Dass sie da hintergangen werden, ist nicht akzeptabel.

Wie war es möglich, dass die Kontrollen bei Carna Grischa versagt haben?

Ich kenne das Vorgehen in diesem Fall nicht. Die Behörden führen Kontrollen durch. Wenn mutwillig betrogen wird, ist das schwer aufzudecken. Früher oder später kommt das aber ans Tageslicht.

Braucht es ein Qualitätslabel mit strikteren Kontrollen?

Wir haben diverse Qualitätslabels, die Branche hat sich zu freiwilligen Qualitätsmanagement-Programmen verpflichtet, und und und…

Müsste man diese Programme obligatorisch machen?

Es gilt einfach zu leben, was wir versprechen. Das wird auf breiter Basis umgesetzt. Einzelfälle lassen sich aber auch in Zukunft nicht ausschliessen.

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