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Schweiz «Für die Südkoreaner ist die Schweiz das Paradies»

Was bedeutet der Besuch der südkoreanischen Präsidentin Park Guen-Hye in der Schweiz? Was verspricht sie sich von dem Austausch? Wie nehmen Südkoreaner die Schweiz wahr? Diese Fragen beantwortet der Südkorea-Kenner Malte Kollenberg in Seoul. Er macht klar: Die Schweiz ist für Südkorea ein Vorbild.

Asiatische Touristen beim Aufstieg zur Hörnlihütte oberhalb von Zermatt – am Fuss des Matterhorns. (keystone)
Legende: Auf zum Matterhorn: Die Alpenlandschaft hat es den Südkoreanern angetan. 85 Prozent der Menschen leben in Städten. Keystone

SRF: Die südkoreanische Präsidentin Park Guen-Hye ist auf Staatsbesuch in der Schweiz. Wie wird dieser Besuch in Südkorea wahrgenommen?

Malte Kollenberg: Die südkoreanischen Medien berichten vor allem darüber, dass der Besuch etwas Exklusives ist. Die Schweiz lädt pro Jahr nur wenige Staatsoberhäupter ein. Da fühlen sich die Südkoreaner so richtig gebauchpinselt über die Einladung aus der Schweiz. Das erfüllt die Südkoreaner mit Stolz.

Was erhofft sich die südkoreanische Regierung von dem Besuch?

Die Regierung hofft, ihre Kreativ-Wirtschaft voranzubringen. Südkorea hat ein grosses Problem: Es gibt wenig Kreativität im Land. Die Wirtschaft ist sehr stark von grossen Konglomeraten bestimmt. Samsung und Hyundai sind zwei davon. Es fehlt beispielsweise an Berufsfachschulen, an dualer Ausbildung in Südkorea. Dieses Thema möchte die südkoreanische Regierung in den Vordergrund stellen. Präsidentin Pak will zu diesem Thema auch am World Economic Forum in Davos sprechen. Sie möchte auch Ideen mitnehmen, wie sie die Ausbildung im Heimatland besser umsetzen kann.

Seit 60 Jahren überwachen fünf Schweizer Soldaten – zusammen mit schwedischen und polnischen Soldaten – den Waffenstillstand zwischen Nord- und Südkorea. Wie wichtig ist diese Präsenz für Südkorea?

Diese Präsenz ist sehr wichtig. Sie zeugt von einer besonderen Beziehung zwischen der Schweiz und Südkorea. Sie sprechen von der neutralen Überwachungskommission. Die sitzen seit über 60 Jahren in der demilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea – der Landstreifen, der die beiden Länder trennt. Dort überwachen sie den Waffenstillstand. Jedes Mal wenn es zu Komplikationen kommt – und es hat in der Vergangenheit öfter Zwischenfälle gegeben – dann bleiben in der Schweizer Botschaft in Seoul die Telefone nicht mehr ruhig. Dann wird auf die Expertise der fünf Schweizer Soldaten zurückgegriffen. Das ist wichtig für Südkorea.

Hinzu kommt, dass die Schweiz auch diplomatische Beziehungen zu Nordkorea unterhält. Auch das kann für Südkorea von unschätzbarem Wert sein.

Die Südkoreaner geben in Umfragen die Schweiz regelmässig als Wunschreisedestination an. Was reizt an der Schweiz?

Die Schweiz wird in Südkorea als Land wahrgenommen, in dem es eine sehr hohe Lebensqualität gibt. Die Schweiz hat eine ausgezeichnete Reputation. Sie ist ein reiches Land – zu reichen Ländern schaut man in Südkorea gerne auf, da möchte man selber gerne dazugehören. Und Südkorea ist auf dem besten Weg dahin.

Die Schweiz dient Südkoreanern als Vorbild. Dazu kommt die ausgesprochen romantische Alpenkulisse: Das gefällt den ihnen. In Südkorea leben 85 Prozent der Bevölkerung in Städten. Die Hälfte aller Südkoreaner leben im Grossraum Seoul. Eine Naturkulisse wie in der Schweiz findet man hier nicht. Und: Die Südkoreaner wandern ausgesprochen gern. So ist die Schweiz für viele Südkoreaner das Paradies.

Malte E. Kollenberg

Kollenberg lebt und arbeitet als Korrespondent in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Er ist unter anderem freier Journalist für Spiegel Online, Zeit Online und SRF. Kollenberg studierte Politikwissenschaft in Bamberg und Seoul.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Was H. Haller schreibt, kann ich bestätigen. Gerade in Ostasien ist die Schweiz unter denen, die von ihrer Existenz wissen, sehr populär. Was dort gut ankommt, ist die wirtschaftliche Stabilität als ruhender Pol inmitten von Wirtschaftsstürmen, aber gerade auch die "Sturheit", nicht der EU und der NATO beizutreten. Nur enthält dieser Artikel zwei Fehler: Neben Schweizern, Schweden und Polen standen auch Tschechen und Slowaken lange an der Grenze, zudem hat auch Südkorea viele Berge.
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  • Kommentar von Petra von Mayerhofen, Rüdesheim
    Herr Haller, ich habe sehr gute Bekannte in der Schweiz-wohlgemerkt Schweizer Bürger- ich bin sehr oft dort. Was sagen Sie nun, ich bin Deutsche und meine Schweizer Bekannten mögen mich sogar.
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    1. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Petra von Mayerhofen, Rüdesheim : Ich habe (und hatte) auch Verwandte in Deutschland, die mögen wir auch. Ich denke sogar, das ich Sie auch gut mögen könnte, obwohl, oder gerade weil Sie Deutsche sind. Denn dafür können Sie ja nichts. - Ausser, Sie halten es mit der Kavallerie, oder glauben, am deutschen Wesen müsse die Welt genesen, installieren Seilschaften und... und...
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  • Kommentar von Max Hug, Luzern
    Eine ungestoppte Masseneinwanderung wird dieses Paradies zerstören.
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