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Schweiz Für eine sichere Altersvorsoge mindestens 70 Prozent arbeiten

Teilzeitarbeit wirkt sich stärker auf die Altersvorsorge aus als bisher angenommen. Dies zeigt eine Studie im Auftrag der Schweizerischen Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten. Wer längere Zeit weniger als 50 Prozent arbeitet, riskiert Einbussen bei der Altersvorsorge.

Eine alte Frau in einem Rollstuhl, eine älter Frau und ein Mädchen auf einer Parkbank nebeneinander.
Legende: Einbussen in der Altersvorsorge erleiden vor allem teilzeit arbeitende Frauen. Keystone

Teilzeitarbeit ist in der Schweiz sehr beliebt. Aber vielen ist kaum bewusst, wie stark dies die Altersvorsorge schmälert. Die Schweizerische Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten (SKG) fordert deshalb eine bessere Information darüber.

Die SKG empfiehlt Frauen und Männern grundsätzlich, ihr Pensum nicht auf unter 70 Prozent fallen zu lassen. Wer längere Zeit weniger als 50 Prozent arbeitet, laufe Gefahr, nach der Pensionierung mit dem Existenzminimum von 3100 Franken für eine Einzelperson auskommen zu müssen. Oder dann stark vom Partner abhängig zu sein. Eine Scheidung erhöhe das Risiko noch.

«In der Schweiz steht bei den Frauen der Beruf nicht so sehr im Zentrum wie bei den Männern. Dazu fehlende Strukturen, die es Müttern erlauben, mit höherem Pensum erwerbstätig zu sein», sagt Silvia Hofmann, Präsidentin der SKG, der «Tagesschau».

Ihren Befund stützt die SKG auf eine Studie, die in Bern präsentiert wurde. Im Auftrag der SKG ermittelten Giuliano Bonoli (IDHEAP, Universität Lausanne) und Eric Crettaz (Hochschule für Soziale Arbeit Genf) auch den Einfluss des Beschäftigungsgrads auf die Leistungen der Altersvorsorge.

Viele Teilzeitangestellte - vor allem bei Frauen

Wer sein Arbeitspensum senke, werde dies im Alter im Portemonnaie spüren. Über die Konsequenzen eines tieferen Pensums sollten Erwerbstätige deshalb präzis, transparent und verständlich informiert werden, fordern die Gleichstellungsbeauftragten.

In der Schweiz ist Teilzeitarbeit laut der SKG verbreitet wie kaum in einem anderen europäischen Land. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind indes enorm: Rund 60 Prozent der erwerbstätigen Frauen arbeiten Teilzeit, während es bei den Männern nur etwa 16 Prozent sind. Darum sind auch eher Frauen von einer Einbusse betroffen, wenn sie etwa zur Kinderbetreuung ihr Arbeitspensum reduzieren.

Empfehlungen der SKG

  1. Arbeitnehmer: Auswirkungen von Teilzeitarbeit und Altersvorsorgeleistungen beobachten. Mit einem durchschnittlichen Mindestpensum von 70 Prozent besteht das geringste finanzielle Risiken, selbst im Falle einer Scheidung.
  2. Unternehmen: Lohngleichheit von Frauen und Männern sicherzustellen und flexible Arbeitszeitmodelle auf allen Hierarchiestufen ausbauen.
  3. Pensionskassen: Geschäftsberichte mit geschlechtsspezifischen Daten ergänzen, damit die Verteilung der Geschlechter bei den obligatorischen und überobligatorischen Leistungen sichtbar wird.
  4. AHV-Ausgleichskassen und Pensionskassen: Information der Arbeitnehmer über die persönliche Altersvorsorge (AHV und Pensionskasse) und die zu erwartenden Altersleistungen.
  5. Bund, Kantone, Gemeinden: Familienergänzende Tagesstrukturen finanzieren.
  6. Parlament (Bund und Kantone): Vollen Abzug von familienergänzenden Betreuungskosten gewähren und Individualbesteuerung einzuführen.
  7. Bundesparlament: Tiefe Einkommen inklusive Teilzeitarbeit bei der Reform «Altersvorsorge 2020» besser schützen.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Mike Grund (Mike)
    Bin nicht einverstanden, dass hochprozentig arbeiten finanziell und gesellschaftlich nachhaltiger sein soll. In Familien schlicht unmöglich, ausser man nimmt (negative) Konsequenzen in Kauf. 1: Die Kinder früh an Staat/Kitas abgeben und dafür viel Geld zahlen! 2: Viele sagen: "die Jugendlichen sind von den Eltern zu wenig gut erzogen!" Kunststück, wenn beide über 70 Prozent arbeiten gehen! Und wann pflegt Mann und Frau die Ehe, wenn beide hochprozentig arbeiten, ev. noch unregelmässig?
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  • Kommentar von Urs Dupont (udupont)
    Wer über Jahre hinweg ein zeitintensives Hobby pflegt und deshalb lieber Teilzeit statt Vollzeit in einem anspruchsvollen Beruf arbeitet, muss zwangsläufig damit rechnen, weniger zu verdienen und auch weniger Rente zu erhalten. Dies hat mit unterbezahlter Arbeit bzw. Fehler im System nichts zu tun. Im Gegenteil, gemessen an der Leistung sind Teilzeitstellen tendenziell eher besser bezahlt als Vollzeitstellen.
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    1. Antwort von Simon Suter (Simi)
      Die wenigsten Teilzeitarbeitenden tun dies, wegen eines "zeitintensiven Hobbys". Eine Familie ist kein "Hobby"! Und dass Teilzeitarbeitende für ihre Leistung besser bezahlt seien, ist schlicht Humbug. Das Gegenteil ist der Fall. Im Verhältnis zum bezahlten Pensum leisten Teilzeitarbeitende ein Vielfaches an unbezahltem Mehraufwand wie Teamsitzungen, aussergewöhnliche Events, aber auch Arbeitsweg, ect. Die Abzocke von Teilzeitangestellten muss endlich ein Ende haben!
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  • Kommentar von Walter Starnberger (Walter Starnberger)
    Auf der anderen Seite erhält der teilzeitarbeitende Arbeitnehmer Steuerngeschenke. Aufgrund der kalten Progression, die höhere Löhne auch mit höheren Prozentsätzen besteuert, zahlt ein 50% Teilzeiter beispielsweise deutlich weniger als die Hälfte der Steuern eines Vollzeitarbeitenden. Dem Staat geht so auch Geld verloren.
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