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Ein Meilenstein für die Geschichte am Berg
Aus Regionaljournal Ostschweiz vom 23.09.2022.
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Fusion Bergbahnen Flumserberg Früher haben sie einander den Schnee gestohlen

Die Feindseligkeiten sind Geschichte. Nach der GV vom Samstag gibt es in den Flumserbergen nur noch eine Bergbahnen AG.

Maschgenkammbahnen gegen Prodkammbahnen – Quarten gegen Flums – sie waren harte Konkurrenten, nach der Eröffnung vor über 70 Jahren. Sogar wegen des Schnees gab es Neid.

Sie haben sich gegenseitig sogar den Schnee gestohlen.
Autor: Guido Mätzler VR-Präsident der fusionierten Bergbahnen Flumserberg AG

Verwaltungsratspräsident Guido Mätzler erzählt, man habe sich gegenseitig sogar den Schnee gestohlen. Der Bad Ragazer hat während der vergangenen knapp 20 Jahre die beiden eigenständigen Aktiengesellschaften je als Verwaltungsratspräsident geführt – im Hintergrund der gemeinsamen Betriebsgesellschaft Bergbahnen Flumserberg. Heute steht der 71-Jährige an der Spitze des Verwaltungsrats der fusionierten Bergbahnen Flumserberg AG. Er gilt als Vater der Fusion.

Seit 40 Jahren verbunden

Die erste Bahn ins Skigebiet wurde 1945 gebaut. Quarten hat das Gebiet mit einem sogenannten Gurtenlift erschlossen. Später wurde hier die Maschgenkammbahn gebaut. Auf der anderen Seite des Berges bauten die Flumser die Prodkammbahnen, um ins Skigebiet zu gelangen.

Obwohl die beiden Skigebiete vor 40 Jahren mit einem 2-er-Sessellift mechanisch verbunden worden waren, existierten in den Köpfen immer noch zwei Skigebiete.

Ein Archivbild eines Zweiersesselliftes vor den Churfirsten.
Legende: Auch ein 2-er-Sessellift vermochte die Gräben nicht zu überwinden. Bergbahnen Flumserberg

Die Flumserin Katja Wildhaber, heute Mitglied der Geschäftsleitung der Bergbahnen, erinnert sich an ihre Primarschulzeit. Anfang der 90er-Jahre kaufte sie mit ihrem Vater an einem Sonntag ein «teures Ticket» und durfte auf die «andere Seite rüber zur Konkurrenz» auf die Pisten. «Schattig und eisig ist es auf der Quartner Seite», so habe sie damals daheim berichtet und sei fortan wieder im eigenen Gebiet «auf der Flumser Seite» geblieben.

Einmal leisteten wir uns das teure Ticket und gingen rüber zur Konkurrenz.
Autor: Katja Wildhaber Mitglied der Geschäftsleitung der Bergbahnen Flumserberg

Mit den Vorurteilen und Ressentiments hat man 2001 das erste Mal aufgeräumt. Die beiden Bahnen gründeten eine gemeinsame Betriebsgesellschaft und liefen fortan unter einem Namen. Die Bahnen blieben jedoch eigenständige, im Hintergrund agierende Aktiengesellschaften.

Die Bergbahnen Flumserberg in Zahlen

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  • 17 Bahnanlagen
  • 65 km Skipisten
  • 13 km Bikepisten
  • 150 km Wanderwege
  • Gastrobetriebe und Sportgeschäfte
  • 130 Millionen Franken Investitionen in den vergangenen 12 Jahren
  • 330 Beschäftige im Winter und 160 Mitarbeitende im Sommer
  • 33 Millionen Franken Jahresumsatz

2004 wurde Guido Mätzler Präsident der Prodkammbahnen und wenige Jahre später wählten ihn auch die Aktionäre der Maschgenkammbahnen zu ihrem Verwaltungsratspräsidenten. Mit Verhandlungsgeschick und Geduld trieb er die Fusion der beiden Bahnen voran. Ob gestritten worden sei? Dazu sagt Mätzler: «Das Schlechteste für unser Gebiet ist der interne Reibungsverlust und den konnten wir ausschalten.»

Was ist wichtiger, Herz oder Lunge?

Dem 71-jährigen Juristen ist die Erleichterung jetzt ins Gesicht geschrieben und die Befriedigung über den erreichten Zusammenschluss gross. «Es war immer klar, dass wir zusammen stärker sind», sagt Guido Mätzler bescheiden. Der Schlüssel sei wohl die Frage gewesen, «ob das Herz oder die Lunge wichtiger sei».

Zusammenarbeit im Obertoggenburg ungelöst

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Im Obertoggenburg gibt es ebenfalls zwei Bergbahnen, deren Skigebiete über Pisten durchlässig wären.

Eine Fusion der Bergbahnen Wildhaus und der Toggenburg Bergbahnen AG, die ab Unterwasser und Alt St. Johann fahren, ist aber unrealistisch. Es gibt nicht einmal mehr ein gemeinsames Ticket.

Höhepunkt der Streitereien war ein Übernahmeversuch 2017 durch die Toggenburg Bergbahnen AG. Fusionsverhandlungen hatten die Bergbahnen Wildhaus im Vorfeld immer abgelehnt.

Das Übernahmeangebot wurde vor zwei Jahren zurückgezogen. Aus Sicht der Bergbahnen Wildhaus wäre ein Kombiticket wünschenswert, aber gleichzeitig die maximale Kooperation.

Am Samstag ist die historische Generalversammlung der Bergbahnen Flumserberg, in der alle Aktionärinnen und Aktionäre erstmals gemeinsam im gleichen Saal sitzen und über einen Geschäftsbericht und einen Jahresabschluss und damit auch über die Zukunft ihrer Bahnen bestimmen.

Regionaljournal Ostschweiz, 23.09.2022, 17:30 Uhr;

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