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Gefährdete Vogelarten «Der Zustand der Vogelwelt in der Schweiz ist beunruhigend»

Viele einheimische Populationen gehen zurück. Das gilt auch für die Zugvögel.

Legende: Audio Für Langstreckenzieher ist die intensive Landwirtschaft eine Bedrohung abspielen. Laufzeit 05:28 Minuten.
05:28 min, aus SRF 4 News aktuell vom 30.11.2018.

Einheimische Vögel: «Der Zustand der Vogelwelt in der Schweiz ist beunruhigend», schreibt das Bundesamt für Umwelt auf seiner Website. Trotz der bisherigen Anstrengungen von Bund, Kantonen und Organisationen seien 40 Prozent beziehungsweise 77 Arten im Fortbestand gefährdet. Ohne zusätzliche Schutzbemühungen drohten weitere Arten aus der Schweiz zu verschwinden. «Besonders gefährdet sind viele Langstreckenzieher», sagt Livio Rey, Biologe der Vogelwarte Sempach.

Langstreckenzieher: Darunter versteht man einheimische Vögel, die bis nach Afrika fliegen, um dort zur überwintern. Diese Vögel sind meist Spezialisten, die nur während weniger Monate in der Schweiz sind und auf diesen Lebensraum angepasst sind. Es sind häufig Vögel, die auf Kulturland leben. Dieses wird intensiv genutzt oder überbaut. So geht ihr Lebensraum verloren.

Reiherente
Legende: Die Reiherente ist die häufigste Entenart, die in der Schweiz im Winter anzutreffen ist. Imago

Hier im Winterquartier: Während die heimische Vogelpopulation spätestens Anfang November in den Süden zieht, fliegen andere im November und Dezember in unsere Region. Rund 200’000 Reiherenten kommen in die Schweiz ein. Sie kommen vor allem aus dem Ostseeraum und Westsibirien und überwintern hier. Kommen die heimischen Vögel im Frühling zurück, verlassen die Reiherenten unsere Seen wieder.

Ein Rotmilan im Flug
Legende: Der Rotmilan ist ein Kurzstreckenzieher. Er ist geschützt. Seine Population hat sich seit 20 Jahren erhöht. imago

Kurzstreckenzieher: Das sind Zugvögel, die in Europa bleiben. Auch ihre Lebensräume, die Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiete, werden je länger je mehr zerstört. Doch Ornithologe Rey sagt: «Den meisten Kurzstreckenziehern geht es gut, jedenfalls besser als vor 20 Jahren.» Der entscheidende Unterschied zwischen Kurz- und Langstreckenziehern sei die Möglichkeit der Kurzstreckenzieher, auf das aktuelle Klima in Europa zu reagieren, während die Langstreckenzieher sich auf ihr genetisches Programm verlassen müssten.

Ein Braunkehlchen im Abflug
Legende: Ein Braunkehlchen im Abflug. Imago

Als Beispiel das gefährdete Braunkehlchen: Die Population des Braunkehlchens nimmt stark ab. Es gehört zu den Langstreckenziehern. Braunkehlchen bauen ihre Nester am Boden, deshalb werden sie oft durch frühe Grasschnitte zerstört, und die Jungvögel werden dabei getötet. Wenn das Braunkehlchen Mitte April zurückkommt, sind viele der Insekten, die es frisst und für die Aufzucht des Nachwuchses braucht, aufgrund des wärmeren Klimas bereits verpuppt. So hat das Braunkehlchen nichts zu fressen.

Folgen intensiver Landwirtschaft: Auch Pestizide und Dünger vernichten die Nahrung der Vögel, und es werden immer mehr Flächen überbaut. «Die zu intensive Landwirtschaft mit hohem Dünger- und Pestizideinsatz, zu frühem und zu häufigem Grasschnitt und der Zerstörung von Kleinstrukturen wie Hecken fordert ihren Tribut. Diese Entwicklung muss bei der zukünftigen Ausrichtung der Agrarpolitik dringend korrigiert werden“, sagt Rey.

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30 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Erde - Wasser - Luft - Tiere: geht es diesen schlecht (Vergiftung durch tonnenweise Chemie, Überdüngung, Verstrahlung, Elektrosmog, Zumüllung), ist logischerweise auch die Lebensgrundlage der Menschen in Gefahr!! Bei sich und dem eigenen Konsumverhalten beginnen! Die Verantwortung obliegt auch der Regierung und den Zuständigen für Gesundheit und Umweltschutz (BAG, BAFU, BLW,....)!!
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  • Kommentar von peter schlachter (mister x)
    herr christmann, natürlich hat dies mit der intensiven landwirtschaft einen direkten zusammenhang. die fehlende biodiversität sowie der einsatz von herbiziden, insektiziden und fungiziden spielen eine tragende rolle. ihre behauptung ist einfach falsch.
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    1. Antwort von M. Roe (M. Roe)
      Nein, es sind vor allem Bauprojekte in und immer näher von Naturschutzgebieten und in zu schützenden Landschaften. Seit die Gemeinden Geld bekommen wenn jemand baut, unterstützen diese vor allem grosse Projekte. Da gibt es für ein 30-Millionen Projekt schon ein paar Millionen für die Gemeinden. Es ist leider alles so verlogen, dass es einem schon schlecht werden kann.
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  • Kommentar von Anita Rusterholz (Anita Rusterholz)
    Über den Grund, dass es immer weniger Vögel u.Insekten gibt ist ja schon klar. Zersiedelungen noch und noch. Dort wo Natur pur war stehen heute Häuser. Und dazu kommt das elendigliche Gift f. die Landwirtschaft bis zum Hobbygärtner. Zugvögel litten auch während der non-stop Sommerhitze sehr. Aus der Erde u.aus der Luft gab es nur spärlich Futter für sie zu finden. Vielerorts waren die Beeren auch vertrocknet.Die Natur leidet,somit auch alle unsere Tiere. Und wir werden zunehmend alle vergiftet.
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