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Unfälle wegen Geisterfahrern sorgen für Schlagzeilen
Aus Tagesschau vom 17.02.2020.
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Geisterfahrer auf Autobahnen Alt oder unter Einfluss von Suchtmitteln

Etwa 100 Geisterfahrer sind pro Jahr laut Viasuisse auf hiesigen Autobahnen unterwegs. Unfälle gibt es dennoch selten.

Das eine Auto mit eingedrückter Front und überall Glassplitter, das andere Auto liegt auf der Seite: Das sind die Bilder nach dem fatalen Unfall vom Samstag, verursacht durch einen Geisterfahrer auf der Autobahn A6 zwischen Bern und Thun. Der Falschfahrer, ein 82-jähriger Mann, kam bei diesem Unfall ums Leben. Die Bilder dieses schweren Unfalls erschrecken, doch welche Zahlen zeigt die Statistik?

Faktor Alter, Substanzen und Nacht

Viasuisse, die nationale Verkehrsinformationszentrale, vermeldete in den vergangenen zehn Jahren pro Jahr ungefähr 100 Falschfahrer. In diesem Jahr hat sie bereits 15 Warnmeldungen dieser Art verbreitet.

Säulengrafik mit Unfallzahlen durch Geisterfahrer.
Legende: SRF

Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) gibt es aber bei Geisterfahrten eine hohe Dunkelziffer. Denn viele solcher Falschfahrten geschehen unbemerkt und erscheinen daher in keiner Statistik.

Bekannt ist hingegen, welche Personen solche Fahrten mit tragischem Ausgang verursachen: «Im Vergleich zu allen anderen Unfällen auf Autobahnen sind es insbesondere ältere Menschen und Personen, die unter dem Einfluss von Substanzen fahren, also mit Alkohol oder Drogen. Und auch die Nacht ist ein Risikofaktor», erklärt Gianantonio Scaramuzza von der BFU.

Dies wird auch aus den statistischen Daten ersichtlich: 42 Prozent aller Unfallverursacher, welche zwischen 2008 und 2018 erfasst wurden, sind über 65 Jahre alt.

Fahrtauglichkeitstest für Senioren

Laut dem Bundesamt für Strassen (Astra) gab es im Jahr 2018 auf Schweizer Strassen insgesamt 54’378 Unfälle mit 228 Unfalltoten. Doch insgesamt sind Unfälle wegen Geisterfahren selten. 2011 waren es zehn Unfälle, bei denen zwei Personen starben.

Die Unfallzahlen blieben seit 2011 auf relativ tiefem Niveau stabil: Bis 2018 starben insgesamt sieben Menschen in einem Unfall, der durch eine Geisterfahrt verursacht wurde. Das BFU fordert deshalb keine zusätzlichen Massnahmen für ältere Verkehrsteilnehmer.

Schon heute müssen Menschen, die älter als 75 Jahre alt sind, regelmässig zur ärztlichen Kontrolle, damit deren Fahrtauglichkeit überprüft werden kann. In Einzelfällen wird sogar abgemacht, dass jemand nur eine bestimmte Strecke befahren darf oder aber der Fahrausweis wird ganz entzogen.

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Benno Schmid: «Ärztliche Kontrollen finden alle zwei Jahre statt»
Aus Tagesschau vom 17.02.2020.
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Die ärztlichen Fahrtauglichkeitsprüfungen müssen alle zwei Jahre durchlaufen werden. «Das ist ein Beschluss des Parlaments, den müssen wir so vollziehen. Und es ist noch zu früh, um eine Aussage über die Sinnhaftigkeit dieser Regelung zu machen», sagt Benno Schmid vom Astra.

Auch die über 400 Autobahneinfahrten seien ausreichend beschildert. Weitere Massnahmen wie beispielsweise die Videoüberwachung von Einfahrten werden als nicht effektiv erachtet. Scaramuzza bezeichnet darum die vorkommenden Geisterfahrten als Restrisiko, das durch weitere Massnahmen nicht beseitigt werden kann.

Die erschreckenden Bilder dieser Unfälle bleiben, doch die Zahlen zeigen, dass sie verhältnismässig selten vorkommen.

Tagesschau, 17.02.2020, 19:30 Uhr; kurn

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Sahli  (sahliu)
    Wieder, einmal mehr die Alten! Als 80-jährigerfahre ich seit 60 Jahren unfallfrei. Vor kurzem habe ich beim TCS einen Fahrkurs "fahren im Alter" absolviert. Der Experte, der mich auf der Fahrt begleitet hat hat mir attestiert, ich sei absolut korrekt gefahren. Er habe nichts zu beanstanden. Ich fahre auch eher auf der schnelleren Seite. Aber es gibt ein schnellfahren und schnellfahren. Es gibt Rowdies die schnellfahren und es gibt korrekt fahrende Schnellfahrer.
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    1. Antwort von Nicolas Dudle  (Nicolas Dudle)
      Im Gegensatz zum Gesundheitscheck ist der von Ihnen erwähnte Kurs fakultativ. Der müsste m.E. aber obligatorisch sein, um das Risiko zu vermindern, dass sich Leute auf der Strasse tummeln, die den Herausforderungen des heutigen Verkehrs nicht mehr gewachsen sind. Trotz Geschwindigkeitsbeschränkungen erfordert er wegen seiner Dichte kürzere Reaktionszeiten und mehr situatives Denken und Handeln - alles Fähigkeiten, die mit steigendem Alter naturgemäss abnehmen.
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    2. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      N.Dudle, Focus 23.10.08 Unfallstudie: "Insgesamt bleibt die absolute Anzahl der verursachten Unfälle der über 75j mit Personen-+schwerem Sachschaden deutlich hinter dem Niveau der 18-24j zurück: Ältere Autofahrer haben 2006 12'500 Unfälle verursacht, die Jungen mehr als 78'000. Vorab Personen ab 65J seien am Steuer besser als ihr Ruf. Gut 20% der Bevölkerung in DE ist heute über 65J. Durch sie würden aber weniger als 11% aller Unfälle verursacht" Darum setzt DE auf freiwillige Selbstkontrolle.
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    3. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Hermann: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
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  • Kommentar von Philipp M. Ackermann  (FlötervomNapf)
    Fahrzeuge müssen regelmässig geprüft werden, warum die Fahrenden nicht??
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  • Kommentar von Pit Burncorner  (PiBi47)
    Warum werden bei uns nicht die Geisterfahrerkrallen, wie in Österreich, eingesetzt. Das System ist effizient, wenn man falsch auf die Autobahn fährt kauft man neue Reifen.
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    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Oder zumindest bessere Warnsignale.
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