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Gelingt soziale Durchmischung? Genossenschaftliches Wohnen für (fast) Jedermann

Eine erschwingliche Wohnung mitten in der Stadt: Wohnbaugenossenschaften machen es möglich. Doch es gibt auch Kritik.

Legende: Audio Genossenschaftswohnungen für alle? abspielen. Laufzeit 04:45 Minuten.
04:45 min, aus Echo der Zeit vom 24.01.2019.

Roman Stäger, Geschäftsführer der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Limmattal, ist stolz auf die Arbeit seiner Baugenossenschaft. Allein im Zürcher Stadtteil Albisrieden hat die Genossenschaft fast 800 Wohnungen in allen Grössen, von 1,5-Zimmer-Studios bis 5,5-Zimmer-Wohnungen. Entsprechend lebten hier auch ganz verschiedene Menschen.

Gerade in einer Stadt wie Zürich mit knappen Wohnraum und hohen Mietpreisen spielten die Genossenschaften eine wichtige Rolle, unterstreicht auch Christian Portmann, Präsident des Dachverbandes der Zürcher Wohnbaugenossenschaften. Weil sie nicht gewinnorientiert arbeiteten und lediglich kostendeckende Mieten verlangten.

Kritik wird laut

«Ohne uns wäre es für breite Teile der Bevölkerung nicht möglich, hier zu wohnen und ein attraktives Wohnumfeld zu finden», sagt Portmann. Insbesondere, wenn Kinder auf die Welt kämen und eine grössere Wohnung nötig werde.

Doch in letzter Zeit war in Zürich immer wieder der Vorwurf zu hören, dass es gerade Geringverdienende schwer hätten, einen Platz in einer Genossenschaftssiedlung zu erhalten. Dass sich die modernen Vorzeigegenossenschaften, in denen die Bewohner kein Auto haben dürfen, an eine progressive, urbane obere Mittelschicht richteten, aber nicht an Arbeiterinnen und Arbeiter.

Ohne uns wäre es für breite Teile der Bevölkerung nicht möglich, hier zu wohnen und ein attraktives Wohnumfeld zu finden.
Autor: Christian PortrammnDachverband der Zürcher Wohnbaugenossenschaften

Portmann empfindet die Kritik als ungerecht. Die autofreien Genossenschaftssiedlungen seien in der Minderzahl. Am Credo der Genossenschaftsbewegung habe sich nichts geändert: «Wir wollen soziale Durchmischung – in Bezug auf Alter, Einkommen und Bildung. Darauf sind wir angewiesen.»

Trend zu Neubauten

Portmann verweist auf eine Studie des Forschungsinstituts Sotomo. Demnach gibt es in Genossenschaftshäusern mehr Personen mit einem tiefen Bildungsniveau als in anderen Mietshäusern oder in Eigentumswohnungen. Und doch ist die Kritik nicht ganz verstummt.

Walter Angst, Sprecher des Mieterinnen- und Mieterverbandes Zürich, hat grosse Sympathien für die Genossenschaften und unterstützt auch Bestrebungen, den Anteil der Genossenschaftswohnungen in der Stadt Zürich zu erhöhen.

Er übt aber auch Kritik: Einige Genossenschaften würden viel zu schnell alte Häuser durch Neubauten ersetzen, die sich viele der ursprünglichen Mieter nicht mehr leisten könnten: «Wenn man ganze Siedlungen abreisst, gibt es auch einen Bruch in der Bevölkerung.» Deswegen poche man darauf, alle Möglichkeiten zu nutzen, um bestehende Bausubstanz zu erhalten.

Setzt Energiestrategie zu viel Druck auf?

Der Trend zu Neubauten wird begünstigt durch das Ziel, mit modernen, gut isolierten Gebäuden Energie zu sparen. Doch in diesem Prozess brauche es Augenmass. Einfach möglichst viele Häuser abreissen und neu bauen sei nicht der Weisheit letzter Schluss, sagt Angst: «Man will den Gebäudepark im Hinblick auf die 2000-Watt-Gesellschaft rasch erneuern. Das sorgt für enormen Druck.» Deswegen sei eine Justierung in der Energiestrategie notwendig, fordert Angst: «Insbesondere, was den Gebäudepark betrifft.»

Die Genossenschaften stehen vor der Herausforderung, den Nachhaltigkeitszielen Rechnung zu tragen – und gleichzeitig auch in Zukunft Menschen aller Bevölkerungsschichten ein Obdach bieten zu können.

Das vor dem Hintergrund, dass die Bevölkerung in Städten wie Zürich weiter wächst. Denn auch hier wächst der Druck, dem Bevölkerungswachstum mit neuen, verdichteten Wohnsiedlungen zu begegnen.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Kermann (Andreas Kermann)
    Die Wohnbauggenossenschaften sind aktuell die Einzigen die dem Rendite-Imperativ im Immobilienbereich Paroli bieten können. Damit das so bleibt dürfen die selben nicht dazu benutzt werden um über teure Sanierungen die Wirtschaft "anzuschieben". Auch das Energiespar Argument muss genau betrachtet und berechnet werden: Jede Sanierung und jeder Neubau generieren mit Sicherheit einen grösseren CO2-Verbrauch wie der Betrieb der bestehenden Siedlungen verursacht!
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Würde ich auch gerne, in einer Genossenschaftswohnung wie früher wohnen. Aber das ist heute nicht mehr wie früher. Da muss man sich den Ausländern anpassen und deren Kulturen akzeptieren. Fertig luschtig!
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser (jeani)
    Genossenschaftliches wohnen ja, aber nicht für Reiche!
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    1. Antwort von Toni Koller (Tonik)
      WIeso nicht für "Reiche"? Genossenschaften sind Selbsthilfeorganisationen von Einzelnen, um gemeinsam am Wohnungsmarkt aufzutreten. Und dann werden Wohnungen an Genossenschafter vermietet, ohne dass aussenstehende Eigentümer eine grosse Rendite abschöpfen. Ob die Genossenschafter "reich" oder "arm" sind, geht dabei niemanden etwas an. AUSNAHME: Wenn Genossenschaften öffentliche SUBVENTIONEN erhalten, sollten keine "Reichen" davon profitieren. Aber nicht jede Genossenschaft ist subventioniert.
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    2. Antwort von jean-claude albert heusser (jeani)
      Herr Koller, die Reichen können sich die "hohen Mieten leisten" und die weniger gut situierten eben nicht! Darum braucht es Genossenschaftswohnungen für den "einfachen Bürger" ohne Mieten mit Rendite!
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    3. Antwort von Fritz Münz (Fritz Münz)
      Das tönt ja fast so, als wäre die Autofreiheit das Problem der Wenigverdienenden. Autophilie als Kompensation für zu wenig Bildung?
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    4. Antwort von Ueli Lang (Wochenaufenthalter)
      @F. Münz Sehen Sie es einmal so, wer zwei- oder drei Jobs braucht um in den günstigen 2000 Watt Wohnungen zu leben, ist auf eine gewisse Eigenmobilität angewiesen. Sonst kriegt er seine Jobs und das Familienleben nicht mehr unter einen Hut. Die Welt sieht aus der Perspektive der 3'700.- Jobinhaber ein bisschen anders aus, als aus der energiepolitisch korrekten Sichtweise des linksgrünen, öffentlichangestellten Bildungsgenossen.
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    5. Antwort von Fritz Münz (Fritz Münz)
      Lieber Herr Lang. Meine 12-15-Stunden -Tage bringe ich als Arzt in einem grösseren Spital ohne Eigenmobilität locker über die Runden. Mein Stundenlohn ist auf dem Niveau einer Raumpflegerin. Meine zahlreichen nicht-Akademiker-Bekannten leben alle in deutlich teureren Wohnungen als ich. Das gönne ich ihnen von Herzen - eine Errungenschaft der linksgrünen Sozialpolitik. Wer war gegen den Mindestlohn?
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    6. Antwort von M. Roe (M. Roe)
      Heusser: Ich hätte aber lieber einen "Reichen" als Nachbarn in einer Genossenschaftswohnung als einen Imigrant, Flüchtling usw. Es kann ja auch nicht sein, dass diese unsere billigen Wohnungen erhalten.
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    7. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      @Roe - Werden aber. In einer Grossstadt der Romandie werden nebst stadteigenen und subventionierten Wohnungen auch billige Privatwohnungen auf Wunsch der Vermieter unter staedtische Regie und Garantie genommen. 1. Priotiaet Sozialturisten und, 2. Prioritaet in der Gemeine arbeitende Lohndoemper. 3, Prioritaet: Einheimische Arme erst nach 3 Jahren Wohnsitz in der Gemeinde....
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