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Schweiz Generika in der Schweiz nach wie vor massiv überteuert

Generika kosten in der Schweiz fast 50 Prozent mehr als im europäischen Ausland. Die Preisdifferenz ist 2014 sogar weiter gestiegen. Originalprodukte sind jedoch kaum mehr teurer. Die Pharmabranche wehrt sich generell gegen weitere Preissenkungen.

Legende: Video Medikamente werden günstiger - ausser Generika abspielen. Laufzeit 1:55 Minuten.
Aus Tagesschau vom 17.02.2015.

Originalprodukte sind in der Schweiz gemäss dem jüngsten Preisvergleich kaum teurer als im Ausland. Bei Generika ist die Preisdifferenz mit fast 50 Prozent dagegen weiterhin sehr hoch, wie der sechste gemeinsame Auslandpreisvergleich von Santésuisse, Interpharma und der Vereinigung Pharmafirmen in der Schweiz (Vips) ergab.

Regal mit Medikamentenpackungen.
Legende: Laut neuster Studie kosten Generika in der Schweiz 47 Prozent mehr als im Ausland. Keystone

Die rund 250 umsatzstärksten patentgeschützten Originalpräparate der Spezialitätenliste waren bei einem vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) angewendeten Euro-Wechselkurs von 1.29 Franken nicht mehr teurer als im vergleichbaren Ausland, wie der Preisvergleich zeigt.

Differenz um 1 Prozent angestiegen

Im vergangenen Jahr hatte die Differenz bei einem Euro-Wechselkurs von 1.27 Franken noch fünf Prozent betragen. Die Preissenkungsrunden der vergangenen drei Jahre hätten zusammen mit weiteren Preissenkungen zu Einsparungen von insgesamt 795 Millionen Franken geführt.

Thomas Cueni, Geschäftsleiter des Verbands Interpharma, sagt dazu: «Die Pharmafirmen leiden im Moment doppelt. Der Medikamentenpreisindex ist in der Schweiz dreissig Prozent tiefer als noch vor ein paar Jahren und gleichzeitig sind die relativen Kosten durch den Frankenschock im Vergleich zu Deutschland gestiegen.»

Anders sieht der Vergleich bei den patentabgelaufenen Medikamenten sowie den Generika basierend auf den rund 230 umsatzstärksten Wirkstoffen aus. Bei den patentabgelaufenen Originalprodukten waren die Preise in der Schweiz analog zum Vorjahr nur ein Prozent höher als im Durchschnitt der Vergleichsländer. Bei den Generika hingegen stieg die Preisdifferenz von 46 Prozent im Jahr 2013 auf 47 Prozent im vergangenen Jahr weiter an.

Für den Preisvergleich wurden die Fabrikabgabepreise in der Schweiz vom November 2014 mit denjenigen in Deutschland, Dänemark, den Niederlanden, Grossbritannien, Frankreich und Österreich verglichen.

Neu will der Bundesrat nun noch drei weitere EU-Länder in den Vergleich einbezogen werden, nämlich Schweden, Finnland und Belgien. Damit schafft sich der Bundesrat ein Instrument, um die Medikamentenpreise nochmals zu senken. Das passt dem Branchenvertreter Cueni gar nicht: «Letztlich werden noch mehr Länder beizgezogen, die im Pharmabereich mit der Schweiz nicht vergleichbar sind.»

Generika: Vergleich falsch?

Intergenerika vertritt die grössten Generikahersteller der Schweiz. Die Vereinigung findet die Preisvergleiche mit dem Ausland unzulässig und methodisch falsch, wie sie in einer Medienmitteilung schreibt. Entscheidend sei vielmehr, wie teuer ein Generika im Vergleich mit dem Original sei.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Es sollten nur noch Schweizerische Generika in den Handel kommen. Dann hört dieses blöde Gschtürm gegen die SVP auf. Die SVP ist die einzige Partei, die die Interessen der Schweiz wahrnimmt.
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    1. Antwort von J.B. Chardin, Basel
      ... der Schweiz? Nein, der Hochfinanz und der Subventionsempfänger, sprich Landwirtschaft, oder eben Planwirtschaft. Wie sehr das "Volch" er Partei am Herzen liegt: Keine Spur von Befürwortung für Massnahmen zur Senkung der Krankenkassenprämien, Steuerbegünstigung für eh schon Vermögende, Aufrechterhaltung von Kartellen, Befürwortung von Korruption und Steuerhinterziehung ...
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  • Kommentar von Walter Starnberger, Therwil
    Die Schweiz soll doch die Generika selber herstellen, statt sie im Ausland teuer einzukaufen. Die Dinger haben ja keinen Patentschutz mehr. Dann sind sie erstens billiger und zweitens hat man erst noch Geld damit verdient.
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    1. Antwort von Hans Knecht, Torny
      Walter Starnberger, eine gute Idee. Das dumme ist einfach weil alles teurer an die Schweizer verkauft wird brauchen Schweizer höhere Löhne. Dies schlägt sich dann in Versicherungen, Quadratmeterkosten usw. durch. Folglich wird dann auch diese die Produktion in der Schweiz zu teuer.
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  • Kommentar von A. Scheifele, Kaltental
    Daran sind nur die EU und die bösen Deutschen schuld - gel?
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    1. Antwort von Hans Knecht, Torny
      A. Scheifele, mit der EU ist sie da scheinbar auf dem guten Weg. Es gibt die europäische Menschenrechtskonvention nach der niemand auf Grund seiner Herkunft oder Abstammung diskriminiert werden darf. Trotzdem werden aber von der EU unterschiedliche Preise toleriert je man Herkunft des Kunden. Was würde sie davon halten, wenn gerade für sie Herr A. Scheifele ab morgen jedes Nahrungsmittel 100 Euro kosten würde? Gut, der schweizer Bundesrat toleriert diese Diskriminierung offensichtlich auch.
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