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Genf testet «Car Pool Lane» Zu zweit unterwegs gegen den Stau

Europa-Premiere: Die Rhone-Stadt bietet Auto-Pendlern testweise die Extraspur, wenn sie nicht allein zur Arbeit brausen.

Legende: Video Gemeinsam gegen Stau abspielen. Laufzeit 02:06 Minuten.
Aus Tagesschau vom 07.10.2018.

Ab heute gibt es im Kanton Genf die erste «Car Pool Lane» der Schweiz. Auf dieser Spur dürfen nur Autos fahren, in welchen mindestens zwei Personen sitzen. Das Pilotprojekt beim Grenzübergang Thônex-Vallard zu Frankreich dauert ein Jahr und hat zum Ziel, das Verkehrsaufkommen und entsprechend die Staus zu reduzieren.

«Es ist eine Premiere in Europa. Wir hoffen, dass dadurch die Zahl der Fahrgemeinschaften zunimmt», sagt Chrystelle Charat vom Genfer Infrastrukturdepartement.

Skepsis beim obersten Fahrlehrer

Weit verbreitet ist das System bereits in amerikanischen Grossstädten und Agglomerationen. Die «Car Pool Lane» sei grundsätzlich ein wirksames Mittel gegen Stau, erklärt Daniel Menzi, Geschäftsführer des Schweizerischen Fahrlehrerverbandes (SFV). Auch wenn er solche Feldversuche wie in Genf begrüsst, so äussert er sich skeptisch.

Extraspur.
Legende: Freie Fahrt ab zwei. Doch Schweizer fahren lieber allein. Im Schnitt sind es 1,1 Personen pro Fahrzeug. Keystone

Zum einen zeigten Erfahrungen aus den USA, dass auf der «Car Pool Lane» oftmals geschummelt werde, erklärt Menzi. So gebe es gar Unternehmen, die Begleitpersonen zur Verfügung stellten oder es würden auch Puppen ins Auto gesetzt.

Zum anderen ist Menzi überzeugt, dass solche Versuche erst ab einer gewissen Fläche aussagekräftige Resultate bringen könnten. Er räumt zugleich ein, dass Feldversuche zwangsläufig auf einer begrenzten Fläche erfolgten und eine gewisse Verfälschung des Resultats möglich sei.

Menzi: «Regionale Regeln begreift niemand»

Allgemein ist er aber der Meinung, dass ein solches System auf einer grösseren Fläche, mindestens in der ganzen Schweiz, eingeführt werden müsste. «Wenn wir regionale Regeln haben, wird es unmöglich sein, dass das jemand begreift.»

Der oberste Fahrlehrer der Schweiz gibt der «Car Pool Lane»-Idee in der Schweiz ohnehin «eher weniger Potenzial». Er verweist dabei auf die laufenden Anstrengungen im Parlament bezüglich Rechtsvorbeifahren, um die Verkehrsfläche besser zu nutzen.

Schweizer sind gerne allein unterwegs

Die Schweizer teilen nicht gern ein Werkzeug, das ihnen gehört und auch ein bisschen die Erweiterung des eigenen Zuhauses ist. So liegt die Belegung von Fahrzeugen im Schnitt bei 1,1 Personen.

Das Angebot an Mitfahrplattformen ist zwar gross, aber unübersichtlich. Das macht es nicht einfacher. Aber auch die Politik könnte laut Experten mehr tun, etwa mit Werbekampagnen, aber auch Parkplätzen, damit sich Mitfahrwillige treffen können.

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17 Kommentare

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  • Kommentar von W Streuli (Wernu)
    wow,im Jahr 2018 kommen die Calvinstadt auf die Idee der Mitfahrgemeinschaften. Vielleicht an dieser Stelle mal was zum mitlesen."1989"war ich mehrere Monate beruflich in Malaysia (Ostküste) beschäftigt und da war das System schon eingeführt,ähnlich wie Sammeltaxis,man stieg ein und zahlte dem Fahrer was an Spritgeld.Ok der Haken war,das man mit "eingeschränkter Sprachkenntnis nie so genau wusste,ob man das"gewünschte Ziel erreichte,ein bisschen Adrenalin war unterwegs immer mit von Partie :D
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  • Kommentar von Kurt E. Müller (KEM)
    Gute, einleuchtende Idee, die sicher dem Stau entgegenwirkt. Wieso ausgerechnet ein Fahrlehrer nach seiner Meinung gefragt wird, bleibt ein Rätsel. Was versteht der denn von Verkehrsplanung und Stau? Und wieso sollte speziell geschummelt werden? Unternehmen, die Begleitpersonen zur Verfügung stellen? Soll das ein Witz sein? Oder es würden auch Puppen ins Auto gesetzt ... Das vielleicht schon eher. Aber spätestens nach einer saftigen Busse macht das keiner mehr.
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    1. Antwort von Peter Zurbuchen (drpesche)
      Eigentlich bin ich mit Ihnen einverstanden, Herr Müller, aber das mit den Bussen scheint leider nicht zu funktionieren, weil der Einzelne viel zu selten betroffen ist. Oder warum fahren immer noch fast 50 % der Radfahrer ohne Licht? Und warum sehe ich jeden Abend an den genau gleichen Stellen Autos neben den Parkplätzen stehen?
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    2. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Wirkliche auslaendische Spezialisten, die auch besser statt mieser honoriert werden als Schweizer, werden nicht nur vom Staat mit Steuergeschenken auf Lebens- statt nur Berufsauwand selektiv gepaempert, sondern auch von den Arbeitgebern mit der Steuer entgehenden Goodies ueberheuft....
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    3. Antwort von Achim Frill (Afri)
      Wenn dem Schweizer nichts mehr gescheites einfällt, dann fordert er in traditioneller Weise "saftige Bussen". Wir wollen sein ein einig Volk von selbstgerechten Mahnfingern, Oberlehrer und Besserwissern.
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  • Kommentar von Richard Limahcer (Limi)
    Ist ein Fahrlehrer der richtige Ansprechpartner für dieses Thema? Vielleicht macht er folgende Rechnung: Weniger Autos gleich weniger Fahrschüler.
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