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Der Schweizer Berufsverband der Pflegenden hat Verständnis für Zertifikatsobligatorium
Aus Tagesschau vom 05.08.2021.
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Genf verschärft Massnahmen Zertifikatspflicht für Pfleger: «Der Ton stört, nicht der Inhalt»

Um zu arbeiten, müssen Pflegende im Kanton Genf ab dem 23. August ein Covid-Zertifikat vorlegen. Sie sollen belegen, dass sie geimpft, getestet oder genesen sind. Wer ein Zertifikat verweigert, muss sich trotzdem alle sieben Tage testen lassen. Laut einer Mitteilung der Genfer Regierung drohen Angestellten, welche sich nicht an die Regeln halten, strafrechtliche Konsequenzen. Pierre-André Wagner vom Berufsverband der Pflegefachfrauen und -männer sagt, wie diese neue Massnahme beim Personal ankommt.

Pierre-André Wagner

Pierre-André Wagner

Leiter Rechtsdienst, Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK)

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Pierre-André Wagner ist seit 2001 Leiter des Rechtsdienstes im Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner.

SRF News: Was sagen Sie zum Entscheid des Kantons Genf?

Pierre-André Wagner: Diese Massnahme ist nicht drastisch. Aus Sicht des Verbands besteht wirklich kein grosser Grund zur Aufregung. Im Gegenteil, die Gefahr ist, dass man daraus eine grosse Geschichte macht. Der Verband war immer dezidiert gegen ein Impfobligatorium, weil die Pflegefachpersonen erwachsen sind und wissenschaftsbasiert arbeiten und genau wissen, was beruflich richtig und gut ist.

Sie haben nicht die freie Wahl, ob sie alles unternehmen, um ihre Patienten zu schützen.

Was uns stört, ist der Ton und nicht der Inhalt: Dieser drohende Unterton, der absolut nicht gut ankommt beim Pflegepersonal und das verstehen wir gut.

Ist das der erste Schritt zu einem Impfobligatorium?

Nein, im Gegenteil. Ich denke, das lässt dem Pflegepersonal die freie Wahl, ob es sich impfen lassen will oder nicht. Aber die Angestellten haben nicht die freie Wahl, ob sie alles unternehmen, um ihre Patienten zu schützen. Das ist ein Weg, um nicht zu einem Impfobligatorium zu schreiten.

Was stört Sie am Ton der Massnahme?

Es ist völlig unnötig, mit Strafandrohungen zu kommen. Jeder Betrieb hat das Recht, dem Personal Weisungen zu erteilen und wenn es nötig ist, Sanktionen anzudrohen. Und hier kommt der Staatsrat von Genf mit der Androhung von Strafverfahren.

Beim Pflegepersonal kommt das extrem schlecht an.

Beim Pflegepersonal kommt das extrem schlecht an. Wir reden von Leuten, die Respekt erwarten: Sie haben sich anderthalb Jahre wirklich unter schwierigsten Bedingungen aufgeopfert. Es ist eine vernünftige Massnahme, die man vernünftig erklären kann, ohne gleich den grossen Knüppel auszupacken.

Doch offensichtlich hätte das die gewünschte Wirkung nicht gezeigt.

Ja, bei der Impfung. Es ist wichtig, anzuerkennen, dass Leute, die wissenschaftsbasiert und tagtäglich mit Patienten arbeiten, für sich beschliessen: «Nein, das möchte ich für mich nicht.» Auf der anderen Seite ist es wichtig, dass man diesen Personen glaubhaft macht, dass die Testpflicht und das Covid-Zertifikat eine nachvollziehbare und gute Massnahme ist. Eine Schutzmassnahme, die wichtig ist im Interesse der Patienten und der anderen Mitarbeiterinnen.

Das Gespräch führte Angélique Beldner.

Tagesschau, 05.08.2021, 12:45 Uhr;

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74 Kommentare

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  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Was mir besonders aufstösst ist die Reaktion des SBK. Als Verband steht er hin und verharmlos die Situation. Nein, es ist eben gerade nicht der Ton sondern die Tatsache dass die Pflegepersonen zur Impfung genötigt werden das Schlimme. Der SBK verharmlos mit seiner Aussage diese Sache, zeigt sich in meinen Augen ignorant und disqualifiziert sich als Berufsverband. Mir scheint, als wolle er jetzt den Ball flach halten um drohende Streiks zu unterbinden. Für mich ist es ein Verrat am Pflegepersonal
  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen wollen so müssen wir alle uns impfen lassen, sonst wird es nie ein Ende nehmen. Es gibt einfach keine Ausreden. So machte man es auch bei der Pocken, Tuberkulose Krankheit.
    1. Antwort von Christian Casutt  (Christian_C_57)
      Ich bin geimpft, aber ich bin definitiv gegen eine Impfpflicht. Wird es nie ein Ende nehmen? Ja, das ist wahrscheinlich so. Beim jährlich auftretenden Grippevirus nimmt es ja auch „kein Ende“. Grippeviren und Coronaviren werden bleiben - So oder so. Unser Immunsystem - v.a. jenes der jungen Menschen - wird sich daran adaptieren. Panik ist fehl am Platz! Wer Angst hat, kann sich impfen, Maske tragen und Grossveranstaltungen meiden. Den Rest sollte man ganz normal leben lassen.
  • Kommentar von Claudia Beutler  (Claudia)
    Bei den Ärzten ist die Impfquote deutlich höher als bei den Pflegenden. So wissenschaftsbasiert wie Herr Wagner denkt ist die Entscheidung bei vielen Pflegenden leider nicht. Da wabern auch viele Fehlinformationen durch die Spitäler.
    1. Antwort von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
      Heisst das, Ärzte denken wissenschaftlicher als Pflegende? Heisst dass dann auch, Ärzte seien glaubwürdiger? Ist das nicht die „Gott in weiss“ Haltung von früher?