Zum Inhalt springen

Header

Audio
Genfer Gemeindepolizei mache Job mehr schlecht als recht
Aus Rendez-vous vom 25.06.2019.
abspielen. Laufzeit 03:06 Minuten.
Inhalt

Genfer Gemeindepolizei Polizisten haben oft Angst, einzugreifen

Mit Angst ist gute Arbeit unmöglich: Ein Bericht kritisiert die Lage der kommunalen Ordnungshüter und regt Reformen an.

Die 360 Gemeindepolizistinnen und -polizisten im Kanton Genf müssen auf den Strassen Präsenz markieren und die Einwohner kennen. Sie sind oft zu Fuss auf Patrouille unterwegs, zuständig für leichte bis mittelschwere Delikte wie etwa Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Mit Pfefferspray und Stock auf Streife

Eine Verkehrskontrolle in der Nacht oder einen in flagranti erwischten Straftäter auf den Polizeiposten fahren – das machen Genfer Gemeindepolizisten nicht gerne, weil es brenzlig werden könnte. Denn sie tragen keine Waffe, sondern habe nur einen Pfefferspray, Handschellen und einen Stock bei sich.

Auch ein nationales Polizeibrevet besitzen Genfer Gemeindepolizisten nicht. Es mangelt ihnen also an Ausrüstung und an Ausbildung. Und zwar in einem Ausmass, dass sie ihre Aufgaben nicht richtig erfüllen können, wie ein Bericht des Genfer Rechnungshofs zeigt. «Sie weichen gewissen Situationen aus, weil sie unbewaffnet und ungenügend ausgebildet sind», sagt die Verfasserin des Berichts, Isabelle Terrier. Das sei nicht sehr effizient bei einem Sicherheitsorgan.

Sie weichen gewissen Situationen aus, weil sie unbewaffnet und ungenügend ausgebildet sind.
Autor: Isabelle Perrier

Jeder Zweite fühlt sich nicht sicher im Dienst

Die Lage ist auch für die Polizisten unbefriedigend: Laut einer Umfrage fühlt sich über die Hälfte nicht sicher, und drei Viertel möchten eine Pistole tragen. Dann wären sie ausgerüstet wie die 180 Kollegen einer speziellen Einheit der Genfer Kantonspolizei, die zwar auch in den Gemeinden für die Sicherheit sorgen, aber bewaffnet sind.

Neuorganisation dringend empfohlen

Doch es gibt noch weitere Probleme: Die Gemeindepolizei ist in jeder Gemeinde anders organisiert und übernimmt unterschiedliche Aufgaben. Für die Genfer Bürgerinnen und Bürger ist so eine Gleichbehandlung nicht gewährleistet.

Nicht zuletzt klappt die Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei schlecht. Die Gemeindepolizeien haben keinen Zugriff auf wichtige Fahndungssysteme. Perrier fordert deshalb in einem Bericht eine grundlegende Neuorganisation.

Einheitspolizei – erst wenige Kantone haben sie

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Gesamtschweizerisch haben die Kantone Bern, Luzern, Neuenburg, Schaffhausen und Zug eine Einheitspolizei zumindest beschlossen oder bereits eingeführt. Dieses Modell wurde hingegen in den Kantonen Aargau, Graubünden, Solothurn, St. Gallen, Waadt, Wallis und Zürich verworfen.

Poggia: «Jetzt braucht es einen Chefdirigenten»

Die Genfer Regierung hat das akzeptiert und spricht sich für eine Art Einheitspolizei aus, wie sie etwa die Kantone Bern, Luzern und Neuenburg kennen. So sollen die Gemeindepolizisten nun besser ausgebildet und der Kantonspolizei angegliedert werden. Die Neuorganisation soll innert dreier Jahre abgeschlossen sein.

Es herrsche schon länger ein Unbehagen, auch wenn das bis zu diesem Bericht niemand klar gesagt habe, stellt der Genfer Polizeidirektor Mauro Poggia fest. Und er betont: «Es darf nicht mehr zwei Orchester mit verschiedenen Partituren geben, es braucht einen Chefdirigenten.»

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

19 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Im Rahmen einer Demo kann in Basel vor den Augen der (Kantons-)Polizei , denkmalpflegerisch geschützte Wände versprüht und gegen das Vermummungsverbot verstossen werden. Was will denn da schon eine unbewaffnete Gemeindepolizei...
    Der ES unter dem Scheibenwischer bei 5 Min zu lange Parkieren das setzt einen Unbedingten! Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung in Gruppen - Fehlanzeige.
    Logisch finden sich Gesetzeshüter bei unserer Politik oft im falschen Film.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Ben Wüthrich  (esenisgud)
    Ich bin froh, dass sie nicht gestreikt haben, obschon sie allen Grund hatten. Vielen Dank an alle Polizisten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Patrik Müller  (P.Müller)
      ...und Polizistinnen!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Irene Dirren  (Rugi64)
    Wie weit muss eigentlich die Brutalität, Kriminalität etc. noch gehen bis auch die Politik endlich war nimmt, was da auf unseren Strassen abgeht, meist kurz vor Mitternacht oder dann frühmorgens. Betrunkene oder mit Drogen vollgestopfte Menschen die nicht mehr wissen was sie tun. Da soll die Polizei unbewaffnet den Kopf herhalten, das geht gar nicht! Deshalb müssen die Polizisten unbedingt mit guter Ausbildung bewaffnet und minimum zu zweit unterwegs sein. Ich danke allen Polizisten!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen