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Gesenkte Behandlungstarife Manche Klinik operiert den Grauen Star nicht mehr

Legende: Audio Nicht mehr in jedem Spital: Operation des Grauen Stars. abspielen. Laufzeit 02:04 Minuten.
02:04 min, aus HeuteMorgen vom 27.01.2018.
  • Jährlich werden in der Schweiz rund 50'000 Kunstlinsen zur Behandlung des Grauen Stars eingesetzt.
  • Anfang Jahr gesenkte Tarife für den Eingriff sind aber offenbar nicht mehr kostendeckend.
  • Deshalb verzichten verschiedene Kliniken seither auf diese Behandlungsmethode.

Beim Grauen Star wird die Linse im Auge trüb und die Sicht mit fortschreitendem Alter schlechter. In der Operation ersetzen die Augen-Spezialisten die trübe Linse durch eine Kunstlinse, was Farben und Augenlicht zurückbringt.

Tarife für derartige Operationen gesenkt

Rund 50'000 solcher Kunstlinsen werden in der Schweiz pro Jahr eingesetzt. Die Operation ist planbar und findet meist ohne Übernachtung im Spital statt.

Doch weil die Tarife dafür gesenkt worden sind, verzichten verschiedene Spitäler auf die Operation des Grauen Stars. Frank Sachers von der Schweizerischen Ophthalmologischen Gesellschaft erklärt: «Die Kosten der Operation des grauen Stars wurden um 30 Prozent gesenkt. Eine derartig krasse Senkung verunmöglicht es in der Schweiz, kostendeckend Operationen des Grauen Stars durchzuführen. Hierfür sind die Personal- und Infrastrukturkosten einfach zu hoch.»

Spezialisiertes Zentrum besser für Patienten

Was das bedeutet, zeigt sich in der Innerschweiz: Im Kanton Zug verzichtet eine Klinik nun auf den bisherigen Auftrag. Im Nachbarskanton, am Spital Schwyz haben die Augen-Spezialisten vorsorglich die Kündigung erhalten, doch hofft die Spitalleitung, die Operationen weiter machen zu können, zu besseren Tarifen. So oder so können sich Betroffene aus den Kantonen Nidwalden, Zug und Uri in Luzern behandeln lassen: Am Kantonsspital Luzern setzen die Spezialistinnen jährlich mehrere tausend Kunst-Linsen ein.

Eine solche Reise sei zumutbar und die Konzentration aus Patienten-Sicht sogar gut, sagt Erika Ziltener von den Schweizer Patientenstellen: «Weil die Routine da ist, die Infrastruktur stimmt. Und vor allem auch: wenn etwas Aussergewöhnliches passiert oder wenn es zu einem Notfall kommt, ist ein spezialisiertes Zentrum natürlich sehr viel besser vorbereitet.»

Entwicklung neuer Tarife

Sorgen bereite ihr aber, dass das Geld offenbar wichtiger sei als die Qualität. Hier möchte auch die Fachgesellschaft der Augenärztinnen und Augenärzte korrigieren. Frank Sachers sagt: «In Zusammenarbeit mit den Krankenkassen sind wir daran, für Bereiche der Chirurgie in der Augenheilkunde kostendeckende Pauschalen zu erarbeiten, die es weiterhin ermöglichen, gute Qualität zu vernünftigen Tarifen anzubieten.»

Wenn das gelingt, hiesse das etwa, dass das Team am Spital Schwyz den Grauen Star weiter operieren könnte.

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43 Kommentare

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  • Kommentar von Nick Schaefer (Nick Schaefer)
    Die Qualität in der Medizin steigt mit der Anzahl behandelter Patienten pro Indikation. Das ist seit mindestens 50 Jahren bekannt, aber gerade in der Schweiz hat die Qualität aus Geschäftsgründen niemanden gekümmert. Es war gegen jegliche Qualität, dass bisher jeder Allerweltsdoktor jede Operation durchführen kann. Die Konzentration auf wenige spezialisierte Zentren ist aus Qualitätsgründen zwingend, und im Sinne der Patienten.
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    1. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Gilt nur für die Patienten, die ins Schema passen, also eine klar definierte Situation haben für die es eine klar definierte Behandlung gibt. Wobei diese "Fliessband"-Medizin nicht unbedingt günstig und effizient wird. Z.B. werden Alternativen zur Operation zu wenig beachtet (wenn man ein Hammer als Werkzeug hat, sind alle Probleme Nägel...) usw. Sehr problematisch.
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  • Kommentar von Rudi Hardy (Wombat)
    Christa - nehme an dass Sie noch juenger sind. Wenn der Star (cataract) kommt nuetzt die Brille sicher nicht viel. Unsere Krankenkasse bezahlt fuer die Operation noch, fuer die Gratis-Operation muss man oefters lange warten. Kenne keinen der die Operation hatte wenn er/sie mit Brille das vermeiden konnten.
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    1. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Nein Rudi, ich gehöre auch zum Auslaufmodell! Aber mir kamen Zweifel ob wirklich immer sofort eine Operation nötig ist. Es war absolut keine Kritik an der OP selbst. Aber da bin ich in ein schreckliches Wespennetz gefallen.
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Wenn in Zukunft alle Zentralschweizer Katarakt Patienten nach Luzern müssen, wird es lange Warteschlagen geben. Das würde etwa heissen: Der Augenarzt meldet seinen Patienten am 2. Februar in der Augenklinik Luzern an. Dort heisst es: "Wir sind in nächster Zeit ausgebucht. Der nächste Termin ist erst am 28. April".
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