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Gestörte Totenruhe: Der Friedhof als Eventpark
Aus Rundschau vom 12.05.2021.
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Gestörte Totenruhe Wenn ein Friedhof zum Eventpark wird

  • Der Friedhof Sihlfeld bleibt nachts geöffnet. Seitdem gibt es Probleme: Drogen, Alkohol, anonymer Sex.
  • Die Stadt argumentiert, man wolle den Friedhof den Anwohnern rund um die Uhr zugänglich machen – als Park zur Erholung. Auf dem Friedhof wird grilliert, gejoggt, manche liegen halbnackt an der Sonne.
  • Die Angehörigen von Verstorbenen wehren sich. Sie fordern rasch eine Schliessung in der Nacht und strengere Regeln am Tag.

Antonio Z. traute seinen Augen nicht, als er in unmittelbarer Nähe des Grabes seiner Eltern zwei Champagnerflaschen fand. Immer wieder stört er sich an jungen Leuten, die eine Party feiern, während er in stiller Trauer vor dem Grab steht. «Was soll ich denn machen», sagt Z. zur «Rundschau». «Ich kann dort nicht einfach einschreiten. Das traue ich mich nicht.»

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Rolf Steinmann, Leiter Friedhof Sihlfeld: «Es gibt sicher den einen oder anderen Jugendlichen, der hier mal ein Bier trinkt.»
Aus News-Clip vom 11.05.2021.
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Es wird wohl nie mehr besser, sagt sich der Schweizer mit italienischen Wurzeln. Nun hat er entschieden, dass seine Eltern umgebettet werden sollen – irgendwohin, wo es ruhiger und gesitteter zugeht.

Angefangen hat es vor drei Jahren, als der Zürcher Stadtrat beschloss, die Friedhöfe nachts offenzulassen. Wie alle anderen Parks sollen auch sie für die Anwohner jederzeit zugänglich sein. Bloss, was will jemand um Mitternacht auf einem Friedhof?

Jederzeit zugänglich – Platz für Obdachlose

«Er wird als Durchgang genutzt», sagt Rolf Steinmann, Friedhofsleiter im Sihlfeld. «Ausserdem gibt es auf dem Friedhof einige lauschige Plätze. Zürich ist eine Grossstadt. Wir nehmen in Kauf, dass auch Jugendgruppen und Obdachlose hier verkehren.»

Zu viel für Max Rupper. Der pensionierte Architekt hat schon benutzte Präservative auf dem Grab seiner Eltern gefunden. «Früher war ich zwei-, dreimal in der Woche hier», sagt er. «Jetzt vielleicht noch einmal im Monat.» Nun hat sich Rupper einen Anwalt genommen und klagt, der Friedhof sei nachts wieder zu schliessen. Rupper: «Das kostet mich viel Geld und viel Nerven. Aber ich bin der Überzeugung, dass ich gewinne.»

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Max Rupper: «Herr Steinmann wird sicher mal erklären, was das für die Mieter dieser Gräber für ein Vorteil sein soll.»
Aus News-Clip vom 11.05.2021.
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Rupper steht nicht alleine da. Die Bezirks-FDP hat dreihundert Unterschriften gesammelt und eine Petition eingereicht. Das Ziel: Feste Benimm-Regeln, mehr Kontrollen tagsüber und nachts eine Schliessung des Friedhofs Sihlfeld. Geplant ist ein Runder Tisch mit Anwohnern und kommende Woche ein Podium mit Stadtpräsidentin Corine Mauch.

«Wir sind eine intolerante Gesellschaft geworden», sinniert Friedhofsleiter Steinmann. Gerade in Corona-Zeiten mit Homeoffice zieht es die Menschen ins Grüne. Steinmann: «Leute kommen ja nicht nur zu uns, weil hier ein Angehöriger liegt. Sondern auch, weil sie Ruhe brauchen.»

SRF Rundschau, 12.05.2021, 20:05 Uhr

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101 Kommentare

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  • Kommentar von Lukas Schaub  (Lukas M. Schaub)
    Belebung des Friedhofs. naja bedingt eine gute Idee. der Friedhof in Paris ist meinte ich auch so belebt oder ähnlich. Wenn aber Kondome rumliegen und Feste gefeiert werden, dann ist die Störung der Totenruhe sicherlich ein Thema. Pietät kann nur eingefordert werden mit Sicherheitspersonal, welche ein Dispositiv aufziehen müssten. Wollen wir das?
  • Kommentar von Walter Liechti  (Walimann)
    Um Sex zu haben und sich sonst körperlich zu vergnügen, gibt es genügend passerende Orte. Wer es trotzdem nicht lassen kann, sollte zumindest seine Abfälle nicht einfach liegen lassen, inklusive gebrauchte Kondome.
  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Friedhof oder letzte Ruhestätte, ein Ort des Friedens und der Ruhe, nicht nur für die Toten. Finde es absolut unhaltbar, was da abgeht, zudem respekt- und pietätlos trauernden Angehörigen gegenüber. Und: keine Ahnung, wie es in ZH ist, aber zB in BE gelten Beisetzungsgebühren für ein Reihengrab für 20J gegen 4000Fr, für ein Familiengrab für 40J über 10'000. Erst recht eine Zumutung, wenn man dann auf Gräbern Flaschen, Kondome, Spritzen, Zerstörungen etc und nicht einmal mehr Ruhe vorfindet.