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Gesundes Gesundheitswesen Was bedeutet gute Qualität in der Medizin?

Legende: Audio Was erwarten Schweizer von einem Spitalaufenthalt? abspielen. Laufzeit 4:23 Minuten.
4:23 min, aus Rendez-vous vom 19.04.2018.

Markus Trutmann muss nicht lange überlegen, wie man gute Qualität in einem Spital definiert. Der Geschäftsführer des Dachverbandes der Chirurginnen und Chirurgen (FMCH) sagt: «Qualität in der Spitalmedizin, aber auch generell in der Medizin, ist eine Sache der Haltung gegenüber den Leistungen, die man dem Patienten gegenüber erbringt. Man will besorgt sein, die bestmögliche Qualität zu erbringen und diese auch nachzuweisen.»

Qualitätsmessungen und Vergleiche

Was nachzuweisen ist, muss man auch messen können. In der Schweiz führt solche Messungen der ANQ durch, der Nationale Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken. Er untersucht verschiedene Bereiche in Spitälern, wertet die Daten aus und vergleicht sie. So entstehen Referenzwerte.

Gemessen wird zum Beispiel die Anzahl und die Art von Wundinfektionen nach Operationen oder wie viele Patienten noch einmal hospitalisiert werden mussten. Oder der ANQ fragt Patientinnen und Patienten, wie zufrieden sie während des Spitalaufenthalts waren.

Keine Hitparade für Spitäler

So könne man die Spitäler schweizweit vergleichen, sagt Petra Busch, die Geschäftsführerin des ANQ – aber sie warnt vor einer Spital-Hitparade: «Die Messungen und die Informationen, die darin enthalten sind, sind so komplex, dass es nicht fair wäre, Ranglisten zu machen.» Es gehe darum, hinzuschauen, wo ein Spital stehe bezogen auf ein bestimmtes Thema, und nicht, wie es in der Hitliste im gesamtschweizerischen Gesundheitswesen dastehe.

Der ANQ führt solche Qualitätsmessungen seit 2011 durch. Sie hätten bereits zu Verbesserungen geführt, sagt Busch. Zum Beispiel gäbe es nach Operationen signifikant weniger Hernien (Bruch der Bauchwand).

Internet-Portale sind schwierig zu lesen

Auch Bernhard Güntert, beim Krankenkassen-Dachverband curafutura zuständig für Qualität, begrüsst die Messungen. Sie flössen in die sogenannten Spitalfinder ein, in Portale, die mithelfen sollen, das richtige Spital auszuwählen.

Güntert räumt aber ein, dass solche Portale Patienten überfordern können. «Viele dieser Indikatoren sind für Patienten nicht sehr aussagekräftig. Was sagt eine Wahrscheinlichkeit 0,2 bei der Infektionsrate aus und in einem anderen Krankenhaus ist es eine Rate von 0,23? Entweder es erwischt mich, oder es erwischt mich nicht.»

Die Vergleiche der Messdaten müssten für Patienten besser lesbar werden. Das sei noch eine Knacknuss, sagt Arzt Trutmann, der Geschäftsführer vom Dachverband der Chirurgen FMCH. «Transparenz nützt nichts, wenn der Laie die Zahlen oder Tabellen oder Statistiken gar nicht verstehen kann. Das heisst, wir müssen Erklärungsarbeit leisten. Damit diese Transparenz dem Patienten auch eine Entscheidungshilfe bietet. Da müssen wir noch etwas zulegen.»

Erste Ansprechperson ist der Hausarzt

Trutmann, wie auch die Patientenorganisationen, begrüssen die Qualitätsmessungen. Aber sie warnen auch vor Qualitätsvergleichen im Internet. Sie empfehlen in erster Linie, mit dem Hausarzt zu sprechen.

In Zukunft werden die Qualitätsmessungen eine grössere Rolle im Wettbewerb unter den Spitälern spielen, so Trutmann, das sei klar: «Das wird vermutlich der zentralste Faktor im sich verschärfenden Wettbewerb zwischen den Spitälern darstellen. Ich hoffe es jedenfalls.»

Zum Vergleich: Qualität im Gesundheitswesen in Afrika

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SRF-Afrika-Korrespondentin Anna Lemmenmeier beschreibt das Gesundheitswesen in Simbabwe so: «Wie in vielen afrikanischen Ländern mangelt es auch in Simbabwe an gut ausgebildetem Personal, an der Infrastruktur und an Medikamenten. Das bedeutet, dass Patienten teilweise ganz banale Dinge selbst mitbringen müssen, Watte oder Gummihandschuhe. Und das Personal wird schlecht bezahlt.»

In Simbawe verdienen Pflegefachpersonen in öffentlichen Spitälern zum Teil weniger als 300 Dollar pro Monat. Zum Vergleich: In einem privaten Spital in Simbabwe sind es 1500 bis 2000 Dollar. Lemmenmeier sagt weiter: «Wenn man nicht Geld auf den Tisch legt, gibt es keine Behandlung.»

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14 Kommentare

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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Mann/Frau kann beim noch so besten Operateur/Mediziner, im noch so renommiertesten Spital sein .... wie so oft sind da viele, viele Faktoren, Unabwägbarkeiten....Nur das Beste zu wollen ist gut und recht, doch ohne wie wollen wir dies in einer säkularisierten Gesellschft nennen: Vertrauen, Glück, Zusammenkommen freundlich gesinnter Umstände... kommt auch die besten aller besten Medizin nicht aus?
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Wenn man die Aerzte zu Akkordarbeitern deklassiert und dann auch noch selber ueber die zu erbringenden Leistungen entscheiden laesst, gibts viele ueberfluessige und gar lebensgefaehrliche Operationen....
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  • Kommentar von Christoph Lorenz Aeberhard (Kuli)
    Die Vergleiche von Comparis bei einem Spitalaufenthalt muss die Chemie zwischen dem Pflegepersonal und dem Patienten und das hat mit Empathie zu tun und kann nicht mit Geld bezahlt werden auch der Heilungsprozess verläuft optimal das Personal soll nicht auftreten als wüsten sie alles besser es hat dann auch keinen Zweck mit fremdplazierten Rückmeldungsfragebögen zu erfahren wie sich der Patient fühlte leider haben einige Pflegende immer noch die alte Struktur im Kopf die weisse Übermacht !
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    1. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Frueher befahl der Arzt und die Krankenschwester diente ihm und dem Patienten. Heute ist die FH-"Pflege"fachfrau die Hilfskomandeuse des Arztes und kommandiert den Patienten herum statt ihn zu betreuen....
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