- Baselland hält an den bestehenden Standorten des Kantonsspitals Baselland (KSBL) fest.
- Dies sei sowohl ein wirtschaftlicher als auch ein medizinischer Entscheid.
- Der Kanton sieht damit von der Idee eines einzelnen Standorts in Pratteln BL ab.
«Dieser Entscheid ist ein Meilenstein in der Gesundheitsversorgung des Baselbiets», sagte Gesundheitsdirektor Thomi Jourdan am Freitag gleich zu Beginn der Medienkonferenz. Und das, obwohl er damit eigentlich den Status Quo beibehalten will: Das Kantonsspital Baselland (KSBL) behält die Standorte in Liestal und auf dem Bruderholz. Sie werden nicht durch einen Neubau in Pratteln ersetzt.
Die bestehenden Standorte zu schliessen und stattdessen auf einen einzigen Standort zu setzen, sei nämlich nicht im Sinne der Versorgungssicherheit der Bevölkerung. «Die Zwei-Standort-Lösung überzeugt aus medizinischer und wirtschaftlicher Sicht. Sie weist zudem deutlich tiefere Risiken in der Umsetzung auf», so Jourdan.
Finanzdirektor Anton Lauber pflichtete ihm bei: «Beide Varianten wären machbar gewesen aus wirtschaftlicher Sicht. Wir müssen uns aber auch an der Realisierbarkeit orientieren.»
Das neue Spital in Pratteln hätte frühestens 2040 den Betrieb aufnehmen können.
Ein Neubau auf der grünen Wiese habe nämlich Tücken, so die Regierungsräte. Der Boden etwa, auf welchem das neue Spital hätte gebaut werden sollen, gehöre verschiedenen Parteien. Auch hätte man mit Widerstand aus der Bevölkerung rechnen müssen.
Ein wichtiger Grund für die Beibehaltung der bestehenden Standorte war der Faktor Zeit, sagte Jourdan: «Das neue Spital in Pratteln hätte frühestens 2040 den Betrieb aufnehmen können.»
Aus Sicht der Regierung ist der Spitalneubau damit vom Tisch. Ob die Politik dies auch so sieht, ist offen. Die «Interessengemeinschaft Zukunft Kantonsspital» etwa kritisiert den Entscheid als verpasste Chance. Der IG gehören Landrätinnen und Politiker von links und rechts an. «Ein modularer Neubau wäre flexibel für die sich künftig verändernden Bedürfnisse», findet FDP-Gesundheitspolitiker Sven Inäbnit, der Teil der Gruppe ist.
In Pratteln, wo der Neubau hingekommen wäre, sieht man den Entscheid gelassener. Gemeindepräsident Stephan Burgunder versucht, sich aufs Positive zu fokussieren: «Nun haben wir Gewissheit und können damit beginnen, das Areal anderweitig zu gestalten.»
Ausbauen statt neu bauen
Der Verzicht auf ein neues Spital bedeutet aber nicht, dass der Kanton nun keine Bauarbeiten vor sich hat. Die Spitäler Liestal und Bruderholz müssen nämlich ausgebaut werden. Für beide sind Teilneubauten geplant.
Bauen in Liestal und auf dem Bruderholz
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Bild 1 von 2. Auf dem Bruderholz soll ein Neubau entstehen. Bis dieser fertig ist, werden die Patientinnen und Patienten aber weiterhin im jetzigen Gebäude untergebracht. Bildquelle: zVg KSBL.
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Bild 2 von 2. Auch am Standort Liestal stehen Bauarbeiten an. Geplant ist ein neuer Behandlungstrakt. Bildquelle: zVg KSBL.
Das Projekt «Beletage» sieht vor, den Bettenturm des Bruderholzspitals zu ersetzen. Auch in Liestal ist der Neubau eines Traktes geplant, samt Intensivstation, Operationssälen, Notfall und mehr.
Gesundheitskosten senken
Mit dem Entscheid, mehrere Standorte aufrecht zu erhalten, hebt sich Baselland vom schweizerischen Trend zu weniger Spitalstandorten ab. Einige Kantone schliessen Spitäler, um die Gesundheitskosten zu dämpfen. Etwas, was gerade in Baselland mit überdurchschnittlich hohen Krankenkassenprämien angesagt wäre.
Das Beispiel Baselland zeigt aber, dass dieser Mechanismus nicht zwingend greift. Das ergab jedenfalls die Evaluation, die der Regierungsrat in Auftrag gegeben hatte.
Ein Neubau sei zwar womöglich profitabler, heisst es da. Dennoch sei er teurer, als an den bestehenden Spitälern festzuhalten. Die Variante mit nur einem Spital hätte 1,16 Milliarden Franken gekostet. Die Variante Liestal/Bruderholz hingegen nur 850 Millionen Franken.