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Gewalt im Alter
Aus Tagesschau vom 30.08.2021.
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Gewalt im Alter Jede fünfte ältere Person ist von Gewalt betroffen

Viele ältere Menschen sind von Gewalt betroffen, doch Anlaufstellen werden selten genutzt. Nun erhält das Tabuthema politischen Aufwind.

Geschlagen, gedemütigt, gequält – wenn die Belastung für Betreuende von älteren Menschen zu hoch wird, kann dies in Gewalt enden. Überforderung bei Betreuungspersonen ist keine Seltenheit, doch trotzdem spricht kaum jemand über Gewalt im Alter – es ist ein Tabuthema.

Eine Angehörige, die sich bei der Unabhängigen Beschwerdestelle für das Alter (UBA) Hilfe geholt hat, erzählt uns von der Situation ihrer Mutter: «Wir waren Zeugen von Situationen, wo mein Bruder sie erniedrigt hat. Das hat sich in einem Kontrollwahn geäussert. Er hat ihr Telefon kontrolliert. Sie durfte nicht mit Freunden und Nachbarn reden und er hat sie dann auch eingesperrt.» Der Sohn hatte seine Mutter immer wieder psychisch und körperlich misshandelt.

Viele Betroffene in der Schweiz

Diese Geschichte ist kein Einzelfall. Ein Bericht des Bundesrates zeigt: Die Betroffenenzahl in der Schweiz ist hoch. Laut Studien sind in der Schweiz jährlich 300’000 bis 500'000 Personen über 60 von mindestens einer Form von Gewalt betroffen. Dies entspricht etwa jeder fünften älteren Person. Der Bund geht zudem davon aus, dass «das Ausmass der Gewalt und Vernachlässigung im Alter allgemein unterschätzt wird». Denn die Dunkelziffer sei hoch: Viele Fälle werden gar nicht erst gemeldet oder nie aufgedeckt. Nur die wenigsten Betroffenen suchen sich Hilfe. Die nationale Hotline «Alter ohne Gewalt» verzeichnete 2020 beispielsweise nur 200 Meldungen.

Legende: Die Gründe für die Gewalt sind vielfältig. Klar ist aber, dass die Überforderung der Betreuenden eine wichtige Rolle spielt. Imago

Neben körperlicher und sexueller Gewalt handelt es sich in den meisten Fällen um psychische Gewalt. Auch finanzieller Missbrauch ist häufig, wobei es sich beispielsweise um den Entzug von Geld handelt. Die meisten Vorfälle finden dabei nicht im Altersheim, sondern im häuslichen Umfeld statt. Ältere Frauen und Männer sind gleich stark betroffen und die Gewalt wird sowohl von Partnern, Kindern, Eltern und auch anderen Verwandten ausgeübt. Die Gründe der Gewalt sind vielfältig. Klar ist aber, dass die Überforderung der Betreuenden eine wichtige Rolle spielt.

Politischer Aufwind für das Thema

Die hohe Betroffenenzahl erhält in der Politik zunehmend Aufmerksamkeit. Die Luzerner Nationalrätin Ida Glanzmann-Hunkeler (Die Mitte) hat diesen Juni im Parlament einen Vorstoss eingereicht, der parteiübergreifend unterstützt wurde. Darin beauftragt sie den Bundesrat, ein Impulsprogramm zur Prävention von Gewalt im Alter zu realisieren. Bestandteile des Programms sind beispielsweise die Entlastung der betreuenden Angehörigen und die Stärkung der bisherigen Angebote. Schon 2020 hat der Bundesrat dem EDI den Auftrag gegeben, abzuklären, ob ein solches notwendig sei.

Es gibt diese Angebote, aber meistens wissen die Leute das nicht, wenn sie dann wirklich Hilfe nötig haben.
Autor: Ida Glanzmann-Hunkeler Mitte-Nationalrätin

Laut Glanzmann-Hunkeler brauchte das Innendepartement diesen Sommer erneut einen Anstoss, um den Auftrag wahrzunehmen. Der Entscheid, ob das Impulsprogramm zustande kommt, könnte aber noch länger dauern. Der Bundesrat hat das Geschäft wegen der Pandemie auf Ende nächstes Jahr verschoben.

Vorhandene Angebote sind meist unbekannt

In der Schweiz gibt es schon einige Beratungsstellen für das Alter wie die UBA, die nationale Hotline oder auch Pro Senectute. «Es gibt diese Angebote, aber meistens wissen die Leute das nicht, wenn sie dann wirklich Hilfe nötig haben», betont Glanzmann-Hunkeler. Auch die Vernetzung der Kantone und niederschwellige Angebote in den Gemeinden fehlen, erklärt die Nationalrätin. Konkret stellt sie sich Tagesplätze für die Betreuung oder Ansprechpartner in den Gemeinden vor. Wichtig sei Entlastung, «damit man, wenn man an die Grenzen kommt, wirklich wieder etwas Zeit für sich selbst hat».

Hier finden Betroffene Hilfe

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Die Unabhängige Beratungstelle fürs Alter (UBA) berät Betagte und Angehörige bei Beschwerden oder Problemen hinsichtlich des Wohnens, der Finanzen, der Krankenkasse, der Betreuung und Pflege in der Familie oder in Alters- und Pflegeheimen, Spitex.

 

Tagesschau, 30.08.2021, 19:30 Uhr

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Altersturheit, Langsamkeit, demente Menschen können einen an die Grenze bringen, stimmt. Das ist menschlich und nicht zu verurteilen. Was aber gar nicht geht, ist die Fassung zu verlieren. Sobald man merkt ich bin überfordert, ist es zwingend nötig Hilfe zu beanspruchen. Jemand der erkennt, ich schaffe es nicht mehr, zeigt keine Schwäche sondern Verantwortung und Stärke indem er/sie Hilfe holt. Es darf nicht sein, dass in einer Familie, Kindern, Erwachsenen oder Senior*innen Gewalt angetan wird.
  • Kommentar von Cora Francis  (Cora)
    Am 27. Oktober 2020 gab es hier einen Artikel über eine Studie der Stiftung Kinderschutz Schweiz. Zitat: "In der Schweiz erfährt jedes vierte Kind regelmässig psychische Gewalt.
    Jedes zwanzigste Kind wird regelmässig körperlich bestraft." Da Gewalt gegen Kinder früher noch verbreiteter war als heute, frage ich mich, ob es sich bei der Gewalt an älteren Menschen auch um eine späte Vergeltung handelt...? Dito für unterdrückte Lebenspartnerinnen, die im Alter fitter sind und "zurückschlagen"...
    1. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Frau Francis "Dito für unterdrückte Lebenspartnerinnen, die im Alter fitter sind und "zurückschlagen" Dieser Satz bezieht sich auf Häusliche Gewalt. Meine Kenntnisse zeigen ein anderes Bild. Frauen, die Jahrzehnte unter ihrem Partner gelitten haben, tun dies meistens auch im Alter. Leben beide im Alters-/Pflegeheim, ist die Chance grösser, dass HG vom Pflegepersonal erkannt wird. Es stimmte mich traurig von 2 Paaren, alle klar über 80, über das mehr als 50 jährige Leid der Frauen zu erfahren.
  • Kommentar von Patrick Janssens  (patrickjanssens)
    Und dieser Zustand in einem demokratischen, freiheitsliebenden, Menschenrechte respektierenden freundlichen Vorbildland Schweiz. Wie muss es da in anderen Ländern zugehen, auch in Europa?
    1. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Herr Janssens, Ich nehme an teils besser, teils schlechter, teils gleich.