Zum Inhalt springen

Header

Audio
«Lausanne muss entscheiden, was mit dem Boden geschehen soll»
Aus HeuteMorgen vom 12.10.2021.
abspielen. Laufzeit 02:26 Minuten.
Inhalt

Giftige Altlasten im Boden Wegen Dioxin: Umgebung von Verbrennungsanlagen im Fokus

Ein am Montag veröffentlichter Bericht aus Lausanne zeigt, dass das dortige Ausmass der Dioxin-Verschmutzung grösser ist als bisher angenommen. Grosse Teile des Stadtgebietes sind betroffen. Vielerorts in der Schweiz dürfte es ähnlich aussehen, denn es ist landesweit die erste Untersuchung dieser Art. Dioxin ist hochgiftig und entsteht zum Beispiel bei der Verbrennung von Abfällen, es kann aber gefiltert werden.   

Doch wie gravierend ist die in Lausanne festgestellte Verschmutzung wirklich? Und was sind die Folgen? Der Chemiker und Dioxin-Spezialist Markus Zennegg ordnet ein.

Markus Zennegg

Markus Zennegg

Chemiker

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Markus Zennegg ist Chemiker an der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt EMPA und Spezialist für Dioxine.

SRF News: Was haben Sie gedacht, als Sie vom Ausmass der Dioxin-Verschmutzung in Lausanne erfahren haben?

Markus Zennegg: Es hat mich etwas überrascht, weil in Lausanne auf einer relativ grossen Fläche doch massive Überschreitungen festgestellt wurden. Normalerweise sind die Werte im Hintergrund in der Schweiz relativ tief, mit dem Bereich von 5 Nanogramm Toxizität pro Kilogramm Boden. In Lausanne hat man nun aber mehrere hundert Nanogramm pro Kilogramm Boden detektiert. Das sind schon relativ massive Überschreitungen.

Welche Folgen hat das für die betroffene Stadt Lausanne?

Lausanne muss nun eine Entscheidung treffen, was mit diesem Boden geschehen soll. Auch muss das betroffene Gebiet in verschiedene Bereiche eingeteilt werden, denn es sind ja nicht alle gleich kontaminiert. Danach muss abgeklärt werden, was auf diesem Boden noch gemacht werden kann und wo der Zutritt für Personen gar gesperrt werden muss.

Vor allem Kinderspielplätze sollten in belasteten Gebieten nicht mehr offen sein.
Autor:

Vor allem Kinderspielplätze sollten in solchen Gebieten nicht mehr offen sein. Auch bei Gärten oder Grundstücken, auf denen Hühner oder andere Tiere gehalten werden, muss entschieden werden, was jetzt geschehen soll.

Nun werden Forderungen nach Untersuchungen an anderen Standorten laut. Teilweise ist das auch schon in die Wege geleitet – in der Stadt Bern etwa, wo es eine grosse alte Kehricht-Verbrennungsanlage mitten in einem Wohngebiet gab. Wie gross ist das Problem gesamtschweizerisch?

In der Schweiz gibt es ja rund 30 Müllverbrennungsanlagen. Da stellt sich die Frage, was im Umfeld solcher Anlagen in Böden zu finden ist. Deshalb braucht es jetzt Untersuchungen an den verschiedenen Standorten, um das abzuklären. Ich denke da an den Bereich in der näheren Umgebung von Verbrennungsanlagen. Nötig ist das vor allem dann, wenn es relativ alte Verbrennungsanlagen sind.

Die Emissionen aus früheren Jahren sind heute immer noch im Boden zu finden.
Autor:

Obwohl die heute natürlich mit Abgasbehandlungsanlagen ausgerüstet sind, die relativ sauber sind, sind die Emissionen aus den früheren Jahren heute immer noch im Boden anzutreffen. Deshalb müsste man schauen, wo es Anlagen gibt, die relativ früh in Betrieb genommen wurden und auch heute noch betrieben werden. In diesen Umgebungen sollte man ein Screening durchführen. So weiss man, in welchen Bereichen man unterwegs ist.

Das Gespräch führte Sabine Gorgé.

Welche Artikel sind kommentierbar?

Box aufklappen Box zuklappen

Neu sind bei SRF News nur noch ausgewählte Artikel zum Kommentieren freigegeben. Die Auswahl der Tagesthemen erfolgt anhand eines Kriterienkatalogs und wird von der Redaktion und vom Community Desk geplant. Die Auswahl erfolgt u.a. aufgrund von quantitativen und qualitativen Erfahrungswerten, wobei auch Fragen wie «Welche Themen wurden in der Vergangenheit kontrovers diskutiert?» oder «Bei welchen Themen entsteht eine lesenswerte Debatte?» eine wichtige Rolle spielen. Wie bis anhin wird die Kommentarspalte auch heute bei Meldungen über Unfälle, Katastrophen, Todesfälle, Terrorismus und sexuelle Übergriffe geschlossen bleiben. Dasselbe gilt für Meldungen, die auf das Privatleben einer Person abzielen. Artikel wie der Corona-Liveticker sind nicht mehr kommentierbar, da er zu viele Aspekte abhandelt und so eine fokussierte Diskussion erschwert. Heikle Themen werden wie bisher nicht gescheut, es geht vielmehr darum, die Diskussionen in Zukunft noch besser und gezielter zu begleiten. Dies immer mit dem Ziel vor Augen, die Qualität der Diskussionen zu steigern.

SRF 4 News, Heute Morgen, 12.10.2021, 6 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

10 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Franz Peter Lehmann  (nashorn19)
    M.W.ist die "Dioxìnproblematik" mit Sicherheit nicht neu, nur das Bewust-sein ist glücklicherweise vertiefter. Schuldige suchen bringt m.E. nichts, alte Schrottanlagen abstellen und weniger verbrennen hingegen schon, und keinen ausländischen Abfallimport mehr nur um die bestehenden Anlagen auszulasten mit Sicherheit ebenfalls.
  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Liebe Community
    Wir bedanken uns für die spannenden Ansichten zu den giftigen Dioxin-Altlasten. Wir schliessen die Debatte an diesem Punkt und wünschen eine gute Nacht.
  • Kommentar von Mark R. Koller  (Mareko)
    Für mich war es wirklich ein "Geniestreich" der schweizerischen Raumplanung. Kehrichtverbrennungsanlagen ausgerechnet im Zentrum der Städte zu erstellen. Wie beispielsweise diese am Escher-Wyss-Platz in Zürich. War die Luft im Industriegebiet eh doch bereits schlecht, auch wegen des damaligen Transitverkehrs. Da hat allerdings die rot-grüne Stadtregierung lange gebraucht, um den Fehler zu bemerken. Wird sich etwas ändern? Auf absehbare Zeit wohl kaum. Nun ja, mich betrifft es nicht mehr.