Laura Oberhänsli ist neu in der GLP. Sie wolle sich nicht nur beklagen, sondern etwas tun. Wieso gerade in der GLP? Für sie sei es vor allem der Versuch, die Themen Erhalt der Umwelt und Erhalt einer funktionierenden Wirtschaft zu vereinen. «Dass man diese zwei Themen nicht gegeneinander ausspielt, sondern versucht zu vereinen», so Oberhänsli. Das Konziliante, das Lösungsorientierte sei ihr wichtig.
«Nicht rechts, nicht links, und wir wollen vorwärts gehen», nennt es Annamaria Ziadeh aus dem Aargau. Es ist der Wahlkampfslogan von vor drei Jahren.
Jauslin: Gute Zusammenarbeit mit Nachbarschaft
Nationalrat Matthias Jauslin, der letztes Jahr von der FDP zu den Grünliberalen gewechselt ist, unterschreibt all das. Dazu komme eine klare Position. «Ich glaube, die GLP positioniert sich vor allem in der Europapolitik als einzige Partei in der Schweiz ganz klar in Richtung Bilateralen III», so Jauslin. «Es ist die einzige Partei, die auch aufzeigt, dass es notwendig ist, in Zukunft mit unserer Nachbarschaft gut zusammenzuarbeiten.»
Liberal und grün, als Einzige für Europa – das alles ist nicht neu. Das Innovative, das die Partei fördern will, steckt da nicht drin. Und in der Europapolitik sind andere Parteien gerade dabei, klare Positionen zu beziehen. Auch die Grünen etwa sprechen sich mittlerweile konsequent für das Europapaket aus.
Wir müssen emotionaler sein.
Was braucht es also, wenn die Grünliberalen bis zu den nächsten nationalen Wahlen 2027 aus dem Krebsgang finden wollen? «Wir müssen emotionaler sein», so Patrick Hässig, der zum neuen Vizepräsidenten der GLP gewählt wurde. «Wir haben brillante Köpfe. Man sagt ja auch, wir seien die Excelpartei, das ist gut. Aber es darf mehr Bauchgefühl rein. Wir müssen mehr Emotionen transportieren können. Da dürfen wir noch an uns selber arbeiten.»
Mit Blick auf die Zuwanderung – und der Abstimmung über die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» – müsse die Partei die Gefühle der Menschen ansprechen, heisst es in Zug. «Wie machen wir das?», fragt ein Delegierter und antwortet gleich selbst: Er wisse es auch nicht so genau.
Am Ende lehnt die GLP die Initiative ohne Gegenstimme ab. Parteipräsident Jürg Grossen sagt: «Selbstverständlich ist es so, dass wir gespürt werden wollen von den Leuten, dass sie merken, wo wir sind, wofür wir stehen. Und da haben wir vielleicht in den letzten Monaten zu wenig von uns spüren lassen.»
Partei muss bei weiteren Themen klar Position beziehen
«Gespürt werden wollen» – das fasst den Anspruch der Partei gut zusammen. Aber will die GLP bis zum nächsten Jahr neue Wähler ansprechen, reicht es nicht abzuwarten, bis «Grün» wieder zieht. Und bei Europa zu sagen: Wir waren zuerst dafür. Die Partei muss in weiteren Themenfeldern klar Position beziehen. Ansätze dazu, etwa in der Sicherheitspolitik, sind vorhanden.
Jauslin und Oberhänsli sind sich einig: «Die GLP muss vor allem schauen, dass sie die Basis abholen kann, dass sie nicht zu kompliziert wird», so Jauslin. «Auch für die GLP wird die Strassenarbeit ein ganz, ganz wichtiger Punkt sein für die Zukunft.» Oberhänsli sagt dazu: «Wir sind eine kleine Partei. Wir sind angewiesen darauf, dass sich die Menschen engagieren.»
Wollen die Grünliberalen das Ruder herumreissen, müssen sie vor der anstehenden Europadebatte und den Wahlen 2027 in die Gänge kommen. Nicht beklagen, sondern etwas tun, wie Oberhänsli sagt. Gespürt werden, das wird kein Selbstläufer.