Zum Inhalt springen

Header

Audio
Schwierige Situation für die Grossveranstalter
Aus Espresso vom 30.04.2020.
abspielen. Laufzeit 05:55 Minuten.
Inhalt

Grossveranstaltungen verboten Geld für Konzert-Tickets gibt’s wohl nicht immer zurück

Auch wenn das Gesetz eine Rückerstattung verlangen würde: Bei Tickets für Veranstaltungen ist mit Abstrichen zu rechnen.

Lange hat der Bundesrat den Entscheid hinausgezögert. Doch nun ist klar: Grossveranstaltungen ab 1000 Personen bleiben wegen der Corona-Pandemie bis mindestens Ende August verboten.

Was heisst das für bereits gekaufte Tickets? Aus juristischer Sicht ist der Fall klar: «Wenn eine Veranstaltung nicht stattfindet, kann man den gesamten Preis zurückverlangen», sagt Vito Roberto, Professor für Privatrecht an der Universität St. Gallen.

«Wegen fünf Franken beschreitet niemand den Rechtsweg»

So klar die Rechtslage, so unklar deren Umsetzung. Denn viele Veranstalter behalten bei Annullationen einen Teil des Ticketpreises zurück – etwa einen Fünfliber pro Billett oder zehn Prozent des Verkaufspreises. Sie wälzen damit einen Teil des entstandenen Schadens auf die Konsumentinnen und Konsumenten ab. «Und es beschreitet ja kaum jemand wegen fünf Franken den Rechtsweg», sagt Roberto. Es werde also faktisch darauf hinauslaufen, dass viele nicht den vollen Betrag erstattet bekommen.

Dessen ist sich auch Sara Stalder bewusst, die Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Es sei auch nicht ganz falsch, wenn die Branche sage, sie habe hohe Vorkosten gehabt und nun würden alle Umsätze wegbrechen: «Daher kann man diese zehn Prozent oder eben fünf Franken pro Konzertticket akzeptieren», sagt sie zu SRF. Allerdings sollten sich aus Sicht der SKS auch die Verkäufer an den Kosten der Veranstalter beteiligen – namentlich die grossen Ticketcorner und Starticket.

Verschiebungen muss man nicht akzeptieren – eigentlich

Was für abgesagte Veranstaltungen gilt, gilt in der Theorie auch für Verschiebungen. Selbst wenn ein Veranstalter in seinen Geschäftsbedingungen (AGB) festhält, dass die Tickets bei einer Verschiebung ihre Gültigkeit behalten, muss man das nicht akzeptieren. «Im Kleingedruckten steht noch vieles und längst nicht alles ist auch rechtsgültig», so Rechtsprofessor Vito Roberto.

Dennoch dürften sich viele Betroffene mit einer Verschiebung des Konzerts oder der Theatervorführung zufriedengeben. «Viele warten ja sehnlichst auf einen Künstler oder eine Künstlerin», sagt Konsumentenschützerin Sara Stalder. «Aber wenn man am Verschiebungsdatum nicht am Anlass teilnehmen kann, dann hat man eine Rückerstattung zugute – auch ohne triftigen Grund.»

Schwierige Situation der Veranstalter

Bei all dem gilt es, einen Punkt zu bedenken: Die Veranstalter befinden sich in einer finanziell äusserst angespannten Situation. Wenn sie nun Tickets rückerstatten und damit wissentlich das Überleben ihres Unternehmens gefährden, kann das in einem allfälligen Konkursverfahren auf die Geschäftsleitung zurückfallen.

Denn «eine Geschäftsleitung muss in erster Linie das Überleben des Unternehmens sichern», sagt Vito Roberto. «Und da ein Unternehmen nur überleben kann, wenn es genügend flüssige Mittel hat, sind alle Rückzahlungen, die nicht zwingend notwendig sind, aufzuschieben».

Die wichtigsten Informationen zum Coronavirus:

Espresso, 30.04.2020, 08:13 Uhr

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Wir informieren laufend über die aktuelle Entwicklung und liefern Analysen zum Coronavirus. Erhalten Sie alle wichtigen News direkt per Browser-Push. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

9 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Lilian Albis  (...)
    Ich freue mich, dass meine Openair St.Gallen Tickets ihre Gültigkeit behalten, da ich ja sowieso jedes Jahr gehe. Und wenn es meine finanzielle Situation zulässt, kaufe ich mir für nächstes Jahr sogar ein neues Ticket. Denn ich bin sehr dankbar dafür, was mir dort jedes Jahr geboten wird. (Openairs sind im Vergleich zu "normalen" Konzerten extrem billig, auch wenn immer wieder über die "teuren" Tix diskutiert wird)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Schlimmer als den finanziellen Verlust finde ich, wenn die Veranstaltung ersatzlos gestrichen wird, also nicht nachgeholt werden. Manche Künstler sind ja bereits im fortgeschrittenen Alter.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Markus Bossert  (EEE)
    Und wie finanzieren sich nun die Künstlern, Veranstalter, Bühnenbauer, Zulieferer & Dienstleistern ist, welche sich auf solche Veranstaltungen spezialisiert haben und nun vor dem Aus stehen?
    Künstler werden nur für abgesagte Acts entschädigt, nicht jedoch für gar nicht erst gebuchte.
    Was sind wir bereit für die Massnahmen gegen Covid19 zu opfern? Auch unsere Kultur? Und unser soziales Zusammenleben?
    Ist uns das soziale Zusammensein und die kulturelle Vielfalt plötzlich nichts mehr wert?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Wenn es ums eigene Portemonnaie geht denken viele Zeitgenossen nicht übers eigene Gartenhägli hinaus.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen