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Schweiz Hass auf Eliten und Ausländer: Besuch bei Wutbürgern

Vergewaltigen, ersaufen lassen, anzünden: Drastisch sind die Hass-Botschaften, welche in der Schweiz auf Facebook abgesetzt werden. Wut über die Politik treibt Bürger zu abscheulichen Beschimpfungen im Internet. Die «Rundschau» hat drei Wutbürger zuhause besucht.

Legende: Video Die Wutbürger – wer sind sie? abspielen. Laufzeit 20:00 Minuten.
Aus Rundschau vom 22.02.2017.

Sie wohnen überall, in der Stadt und auf dem Land, kommen aus unterschiedlichsten Berufen: Menschen, die auf Facebook übelste Beschimpfungen vom Stapel lassen. Trotzdem musste die «Rundschau» lange suchen. Denn Menschen, die im Internet zwar unter eigenem Namen gegen andere hetzen, wollen darüber nicht unbedingt auch im Fernsehen sprechen. Aber JS* tut es.

Unter einem Facebook-Artikel über einen streng gläubig Muslim, schrieb er: «Ich würde ihn noch mit einem rostigen Büchsendeckel kastrieren, damit er nicht noch mehr von der Saubrut züchten kann.» Doch JS sieht das nicht als Hetze oder Hass an: «Wenn man die weichen Worte schreibt, führt das nirgends hin», sagt er.

Von einer Sperrung durch Facebook nicht beeindruckt

Die meisten Bürger würden einfach die Faust im Sack machen, ist JS überzeugt «Ich habe einfach gedacht, dafür ist jetzt Facebook da. Ich kommuniziere nur da. Und ich muss sagen, ich habe grossen Anklang.» Aber dreimal wurde JS bereits von Facebook gesperrt. Das ist ihm egal. Warum er Leute beschimpft? «Weil sie es verdienen», sagt er. «Und wir haben hier Meinungsfreiheit. Dann sage ich, was ich denke. Und nicht, was die anderen gerne hören.»

Doch wer öffentlich hetzt oder beschimpft, kann sich strafbar machen. Opfer können Anzeige erstatten. Das Gesetz gilt auch in der digitalen Welt. Zudem können andere Facebook-Nutzer brutale Kommentare melden, sodass Facebook den Täter 30 Tage lang sperren kann.

Digitale Schlägertrupps

Gehasst werden Flüchtlinge, Minderheiten, vor allem Muslime – aber auch Politiker, die sogenannten Eliten. Auch auf sie zielt die verbale Wut der digitalen Schlägertrupps. «Am Anfang ist das relativ brutal», sagt Nationalrat Cédric Wermuth (SP/AG). Es treffe einem ungefiltert und in einer Härte, die er nicht erwartet hätte. Aber mit der Zeit gehöre es zum Alltag. «Man muss lernen, damit umzugehen», so Wermuth.

Viele Politiker ignorieren die Hasskommentare, um sich zu schützen. Und auch, um ihnen Macht zu nehmen. «Diese Leute sollen nicht das Gefühl haben, dass sie über Politiker triumphieren können, nur weil sie uns unter der Gürtellinie angreifen oder beschimpfen», sagt Nationalrätin Christa Markwalder (FDP/BE).

«Das ist kein Hass»

Doch es sind genau diese Eliten, die Politiker, die HB* am meisten wütend machen: Auch er ist mit drastischen Kommentaren auf Facebook unterwegs. HB beschimpft Politiker als «gottverdammtes Dreckspack», als «hirnlose Verräter», als «elende Bastarde». Für ihn ist das kein Hass. Es sei Ohnmacht. «Man hat zwar das Gefühl, man könne etwas machen. Aber man kann nichts machen», sagt er. Abstimmen helfe nicht, kommentieren nicht – die Politiker kümmerten sich nicht darum. «Das Volk hat die Schnauze voll.» Mehrere Stunden pro Tag verbringt er am Laptop. Seinen Job als Lagerist hat er verloren. «Ich bin schlicht enttäuscht, wenn ich sehe, was unsere Politiker fertig bringen für unsere Leute.»

Angst und Frust

Es ist Angst um die Heimat, Angst vor dem Fremden und Frust. Nährboden für Hass. Die sozialen Medien sind längst Teil der politischen Realität. Sie transportieren Empörung, Propaganda – und trotzdem auch echte Anliegen. «Die sozialen Medien sind unbezahlbar für die politische Kommunikation», sagt Nationalrätin Natalie Rickli (SVP/ZH). Es ermögliche den direkten Austausch mit den Bürgern. «Aber es hat seinen Preis, weil man angegriffen wird und beleidigt.»

Wermuth: Social Media nicht der Ort für Diskussionskultur

Doch nicht nur die Ohnmacht treibt den verbalen Widerstand an. Auch Angst. Die «Rundschau» besucht auch EL*. Sie schreibt täglich bis zu 100 Kommentare. Manchmal einfach, um sich abzureagieren. «Und weil ich nicht alleine bin mit dem Ganzen.» Es seien Tausende, die dasselbe denken. «Aber es getraut sich fast niemand etwas zu sagen. Weil sie Angst haben», sagt sie. Sie fürchte den Islam, getraue sich kaum mehr aus dem Haus. Doch ihre Meinung lasse sie sich nicht verbieten, stehe dazu, was sie schreibe. «Ich dürfte es vielleicht etwas blumiger schreiben. Und nicht so direkt», meint sie.

Facebook kündigte an, Hasskommentare künftig schneller zu sperren. «Ich habe aber wenig Illusionen, was die Kraft von Social Media angeht», sagt Cédric Wermuth. Er stelle keine konstruktive Diskussionskultur fest. «Ich bin enttäuscht über diese Entwicklung und nehme zur Kenntnis, dass dies nicht der Ort ist für politische Diskussionen.»

*Namen der Redaktion bekannt

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198 Kommentare

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  • Kommentar von László Schink (gegen_links_grün)
    In der Rundschau wird suggeriert, wie wenn es Hass-Schreiber auf Focebook nur von rechter Seite geben würde, dabei gibt es solche auch von links und immer mehr auch von islamistischer Seite. Stattdessen kommt SRF wieder mit einseitigen Fallbeispielen daher. SRF Journalisten definieren gleich selbst was Hass und Hetze ist, welche Personen so etwas verbreiten, bzw. eben nicht, plumpes Schwarz-Weiss denken vom SRF. Schade.
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    1. Antwort von Rolf Bolliger (robo)
      Herr Schink, Sie müssen diese SRF-Ideologie in der "Rundschau" oder in allen Tagesschau-Sendungen einfach akzeptieren! Da sind wir TV/Radio-Konsumenten völlig machtlos! Zwangsgebühren zahlen und dann "schweigen"! Das trifft auch immer stärker spürbar im Forum zu. Was nicht einer linken Ideologie entspricht, dafür mit (ungeliebten!) klaren Fakten beschrieben wird, fällt der Zensur zum Opfer (wird nicht aufgeschaltet!). Wir können leider weiterhin nur die "Faust im Sack" machen!
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  • Kommentar von László Schink (gegen_links_grün)
    Mit wäre es sogar noch egal, wenn unsere Medien einseitig und links agieren. Es ist aber ein Problem für die Demokratie, wenn die Staatsmedien von meinem Geld leben und nicht ausgewogen und objektiv berichten. Als Steuerzahler muss ich so oder so die linke Positionierung vom SRF finanzieren, auch wenn ich nicht die Linken unterstütze. Diese Art von SP-Schulfernsehen ist schon sehr heikel für einen Staatssender, der zudem noch ein Monopol betreibt.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Ich würde vorschlagen, das Wort "Wutbürger" jetzt schon zum "Wort des Jahres 2017" zu machen! Wer eine Meinung nicht auf die Goldwaage legt, schön "verpackt", dafür klare Worte braucht, die jeder versteht, wird er zum "Wutbürger"! Solche "Wutbürger" gibt es übrigens auf allen ideologischen Seiten und politischen Ansichten! Mir sind Aussagen (auch wenn sie halt anstandslos daherkommen), immer noch lieber, als verlogene "Gutmenschen", die andere Ansichten schulmeisterhaft sofort verunglimpfen!
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    1. Antwort von Herr Selvä (Liberal)
      Danke, alles sehr gut formuliert. Insbesondere der letzte Satz. Wir wissen beide er wird schon bald kommen und dies was sie befürchten sofort wieder umsetzen. Dies obschon Sie einen sachlichen, ausgewogenen Beitrag verfasst haben. danke, Herr Bolliger. Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende
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