Hausärzte brauchen Hirn – und Herz

Der Numerus-Clausus-Test ziele einseitig auf intellektuelle Fähigkeiten, sagen Kritiker. Die Unis streiten das nicht ab – doch der Eignungstest sei die «am wenigsten schlechte Lösung». Jetzt wird untersucht, ob das Auswahlverfahren neu gestaltet werden muss.

Doktor vor Patient Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Kritiker warnen: Am Ende zählt nicht nur die Diagnose, sondern auch die Betreuung der Patienten. Keystone

Durchhaltevermögen, eine schnelle Auffassungsgabe und logisches Denken:
Während acht langen Stunden werden die medizin-interessierten Maturanden heute darauf geprüft, ob sie sich für dieses Studium eignen.

Für Marc Müller, Präsident der Hausärzte Schweiz, ist dieser Numerus-Clausus-Test allerdings zu einseitig: «Der aktuelle Test berücksichtigt eindeutig nur die naturwissenschaftlichen Kenntnisse und die intellektuellen Fähigkeiten.»

Soziale Kompetenzen, wie sie im Hausarztberuf besonders wichtig seien,
spielten keine Rolle: «Der Beruf erfordert vor allem auch Einfühlungsvermögen. Das geht im heutigen Test völlig verloren.» Der Präsident der Schweizer Hausärzte geht deshalb davon aus, dass der Nachwuchsmangel bereits mit der Auswahl der Medizin-Studierenden beginnt.

«  Die am wenigsten schlechte Lösung »

Stephan Marsch
Dekan der medizinischen Fakultät Basel

Bei den Schweizer Universitäten ist man sich dieses Problems bewusst.
Stellvertretend sagt der Dekan der medizinischen Fakultät der Uni Basel, Stephan Marsch: «Aus meiner Sicht ist der Eignungstest die am wenigsten schlechte Lösung. Die Lösung ist nicht optimal, es gibt aber keine besseren Alternativen.»

Denn Alternativen, so Dekan Marsch weiter, wie zum Beispiel Interviews mit den Kandidaten, seien viel zu aufwändig. Der heutige Test habe sich trotz allem bewährt: «Der Test sagt uns nicht, wer ein guter Arzt wird. Aber er sagt uns, wer eine hohe Wahrscheinlichkeit hat, das Studium zu bestehen. Die Erfahrung zeigt, dass das wirklich so ist.»

Die Kritik der Hausärzte verhallt dennoch nicht ungehört. Zurzeit überprüft der Schweizerische Wissenschafts- und Innovationsrat das heutige Auswahlverfahren fürs Medizinstudium. Bis Ende Jahr soll der Bericht aufzeigen, ob der heutige Eignungstest dafür geeignet ist oder angepasst werden muss.