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«Aufhängen… am nächsten Baum»: Mordaufrufe im Netz
Aus Rundschau vom 09.02.2022.
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Hetze auf Telegram «Danach hängen wir sie alle am nächsten Baum auf»

Er hetzt, Politiker seien öffentlich hinzurichten. Er schreibt Mordaufrufe und verschickt sie im Internet: «Der Hals von dem Arschloch wird am Galgen noch viel länger sein als der des Vogel Strauss.» Die Nachricht richtet sich gegen Gesundheitsminister Alain Berset. Der Verfasser verbreitet sie auf der Plattform Telegram. Tausende lesen sie.

Tausende Gewaltaufrufe

Telegram ist eine Chatplattform. Unter Corona-Massnahmengegnern ist sie besonders beliebt. In unterschiedlichen Gruppenchats organisieren sie Demonstrationen und tauschen Meinungen aus. Doch hier tummelt sich auch eine radikale Minderheit: sie verbreitet Hass, ruft zu Gewalt auf, droht.

SRF Data hat über 90 Gruppenchats analysiert und dabei tausende Gewaltaufrufe gefunden. Manche richten sich gegen PolitikerInnen und WissenschaftlerInnen, manche sind ganz allgemein. Die «Rundschau» hat Telegram-Nutzer ausfindig gemacht, die solche Hassnachrichten verfassen.

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SRF-Datenjournalist Pascal Albisser: «Wir haben verschiedene Gewaltaufrufe gefunden»
Aus News-Clip vom 09.02.2022.
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«Ich rufe nicht zu Gewalt auf»

Hinter einem Mordaufruf gegen Berset steckt ein Mann aus dem Mittelland. Er betreibt eine eigene Chatgruppe, verschickt dort täglich dutzende Nachrichten, Verschwörungstheorien und Hass. Die «Rundschau» sucht ihn zuhause auf. Der Mann bestreitet an der Haustür, je zu Gewalt aufgerufen zu haben. Als die «Rundschau» ihm die Drohung gegen Berset zeigt, verschwindet er in seiner Wohnung. Im Nachhinein bestreitet der Mann die Vorwürfe. Mehrere zeitnahe Terminvorschläge für ein Interview lehnt er jedoch ab.

In einem anderen Chat der Massnahmengegner rufen Nutzer zur Vergewaltigung von Gegendemonstrantinnen auf und schreiben über Bundesrat Berset: «Er wird hängen.» Die «Rundschau» konfrontiert den Betreiber des Gruppenchats. Er erklärt, die Antifa-Bewegung habe den Aufruf geschrieben und verbreitet, um dem Image seines Chats zu schaden. Beweisen kann er diese Behauptung nicht.

Sechsmal mehr Drohungen als vor der Pandemie

Richtet sich eine Drohung gegen eine Bundesrätin oder einen Parlamentarier, ermittelt die Bundespolizei, Fedpol. Im letzten Jahr wurden ihr 1215 Drohungen gemeldet. In 120 Fällen waren die Drohungen so konkret, dass das Fedpol ein Strafverfahren einleitete oder den Gefährder verwarnte. Sechsmal häufiger als vor der Pandemie 2019!

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Stéphane Theimer, Chef Bundessicherheitsdienst Fedpol: «Wir können präventiv keine User identifizieren»
Aus News-Clip vom 09.02.2022.
abspielen. Laufzeit 28 Sekunden.

Die Masse an Drohungen im Netz macht den Behörden zu schaffen. «Es sind tagtäglich tausende von Posts, die veröffentlicht werden», sagt Stéphane Theimer, Leiter Bundessicherheitsdienst beim Fedpol zur «Rundschau». Daraus müssten sie die Gewaltaufrufe erst erkennen und analysieren. Theimer: «Erst dann können wir mit der Identifizierung starten.»

Reporterin wird zur Zielscheibe

Hinzu kommt, dass Telegram-Nutzer die Gewaltaufrufe häufig unter Pseudonymen veröffentlichen. Um sie zu identifizieren, wäre die Polizei auf die Kooperation von Telegram angewiesen. Doch die Plattform gibt von sich aus keine Nutzerdaten an Behörden weiter. Die Folge: Hass und Hetze werden ungefiltert verbreitet, die Personen dahinter selten bestraft.

Während der Recherche auf Telegram hat die «Rundschau» mehrere dieser anonymen Droher im Chat um eine Stellungnahme gebeten. Daraufhin drehen sie den Spiess um und teilen den Nutzernamen der zuständigen Reporterin in sämtlichen Massnahmengegner-Chats, dazu Kontaktangaben und falsche persönliche Informationen. Zu ihren Drohungen aber wollte keiner von ihnen Stellung nehmen.

SRF Rundschau, 09.02.2022, 20:05 Uhr

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235 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Liebe Community, vielen Dank für die angeregte Diskussion. Wir wünschen einen schönen Abend. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Maria Müller  (Mmueller)
    Simpel gesagt: Das Internet ist ein Instrument, das Unterdrückten in China Freiheit vor Verfolgung bringt.
    Gleichzeitig bringt es halt eben auch "Freiheit vor Verfolgung" für Verbrecher. (S. Encrochat und Co.)
    Oder eben hier im Bsp. verbale Straftäter.

    Letztendl. ist das die "Restunschärfe" des Internets. Das müssen die Nachrichtendienste und Justizorgane bekämpfen. Viel mehr lässt sich da kaum machen.
    Seien wir also froh um (rechtsstaatl.) Nachrichtendienste.
    Danke für euren Job!
    1. Antwort von Francis Waeber  (der sich 'nen Wolf lacht)
      Hää? Das Internet bringt in China Freiheit vor Verfolgung? Hören Sie sich selber eigentlich auch mal zu? Punkto Nachrichtendienste welche - gerade in der Schweiz - den "Rechtsstaat" garantieren sollen, will ich mich gar nicht erst äussern. Würde zweifellos nicht aufgeschaltet.....;-))
  • Kommentar von Francis Waeber  (der sich 'nen Wolf lacht)
    Ein Punkt kommt in der Berichterstattung immer wieder zu kurz - auch soeben auf'm "Drü": die Politik - besonders die beiden sog. "Polparteien" von rechts und links, gehen mit schlechtestem Beispiel voran; unsere lieben Parlamentarier/Innen sind immer mehr am polemisieren statt am debattieren. Das ist keine Rechtfertigung für de facto strafbare Äusserungen, aber trotzdem eine Tatsache wo's durchaus auch einen Hebel anzusetzen gilt. Wer sonst prägt den gesellschaftlichen Umgang primär?....;-))