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Rumantsch an Schulen als Onlinekurs
Aus Tagesschau vom 23.09.2021.
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«Hippes» Wahlfach Gute Chancen für Onlinekurse in Rumantsch an Schulen

Rätoromanisch soll schweizweit als neues Schulfach angeboten werden. Ein Pilotprojekt läuft schon, in Graubünden.

Seit 1938 ist Rätoromanisch eine in der Bundesverfassung verankerte Landessprache. Im Verkehr mit Personen ist sie Teilamtssprache. Und in zwei Jahren soll Rätoromanisch auch schweizweit als Schulfach angeboten werden. Das fordert «Lia Rumantscha», die Dachorganisation aller Personen und Organisationen romanischer Sprache.

«Wir wollen Romanisch im Fernunterricht allen Schülerinnen und Schülern in der Schweiz anbieten, und das von der Oberstufe bis zur Mittelschule», sagt Diego Deplazes, Generalsekretär von «Lia Rumantscha». Derzeit läuft im Kanton Graubünden ein Pilotprojekt.

Dank dieser Art des Fernunterrichts könnten wir verschiedene Schüler aus anderen Kantonen in einer Klasse zusammen führen.
Autor: Diego Deplazes Generalsekretär von «Lia Rumantscha»

Deutschsprachige Schülerinnen und Schüler erhalten dort drei Lektionen Rätoromanisch pro Woche – und zwar online. «Dank dieser Art des Fernunterrichts könnten wir verschiedene Schüler aus anderen Kantonen in einer Klasse zusammen führen», sagt Deplazes. «Der Online-Unterricht wäre deshalb auch eine relativ kostengünstige Lösung.»

Politik zeigt sich offen dafür

Nachgefragt bei Bildungspolitikern aus allen Parteien, kommt der Vorschlag des Dachverbandes «Lia Rumantscha» durchs Band gut an. «Der politische Wille ist durchaus vorhanden, Geld dafür zu sprechen», sagt etwa Nationalrätin Sandra Locher Benguerel (SP/GR), die mit einem Antrag bereits erreicht hat, dass mehr Mittel für die Sprachförderung ausserhalb des romanischen Kerngebietes zur Verfügung steht.

Legende: Rätoromanischkurs im Bundeshaus: So wie die Parlamentarierinnen und Parlamentarier sollen bald Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit haben, die Sprache zu lernen. SRF

Auch Franziska Ryser (Grüne/SG) findet die Idee gut: «Wir haben ja gesetzlich geregelt, dass die Landessprachen als Freifach angeboten werden können. Wenn es hier eine Möglichkeit gibt, mit vertretbarem Aufwand auch Rätoromanisch anzubieten, wäre das sicher gut.»

Und Stefanie Heimgartner (SVP/AG) erklärt ihre Sympathien für das Wahlfach Rumantsch so: «Rätoromanisch ist nicht bloss die vierte Landessprache, es ist eine der vier Landessprachen und gehört zur Tradition der Schweiz. Ich fände es super, wenn jede und jeder die Möglichkeit hätte, die Sprache in der Schule zu lernen.»

Muttersprache schreiben lernen

Die Initianten denken, dass das neue Schulfach viele Schülerinnen und Schüler ausserhalb der romanischsprachigen Gebiete ansprechen könnte, die zwar zuhause Rätoromanisch sprechen, aber kaum in ihrer Muttersprache schreiben können. Ein Drittel der rund 60’000 Rätoromanen in der Schweiz wohnt ausserhalb Graubündens.

Wir merken, dass Rätoromanisch derzeit hip ist. Viele haben Lust, eine Sprache zu lernen, die nicht jeder kann.
Autor: Diego Deplazes Generalsekretär von «Lia Rumantscha»

Zudem rechnet «Lia Rumantscha» damit, dass das Angebot viele deutsch- und französischsprachige Schülerinnen und Schüler neugierig machen könnte. «Wir merken, dass Rätoromanisch derzeit hip ist. Viele haben Lust, eine Sprache zu lernen, die nicht jeder kann», so Deplazes.

Start in zwei Jahren als Ziel

Eine Herausforderung werde sein, entsprechende Klassen eingeteilt nach Niveau und Dialekt zu bilden – schliesslich gibt es fünf verschiedene Varianten, sogenannte Idiome des Rätoromanischen, plus die gemeinsame Schriftsprache Rumantsch Grischun.

Die Initianten setzen sich zum Ziel, dass ab 2023 erstmals Rumantsch als Wahlfach für Schülerinnen und Schüler an einigen Oberstufen und Gymnasien in der Deutschschweiz angeboten werden kann.

Tagesschau, 23.09.2021, 19:30 Uhr

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Duerig  (Christian Duerig)
    Wir müssen die Kinder nur fördern und nicht mit Schrott zerdrücken. Englisch ist die Weltsprache und gehört auf jeden Stundenplan. Das Internet ist mit Englisch viel wertvoller. Mit Dialekt können sie die Schuhe binden; aber kein Flugzeug steuern. Lernen sie die Kinder CODIEREN !!!
  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Das Wissen der heutigen Kinder über die vierte Landessprache ist ausserhalb Graubündens kaum vorhanden. Ich lebe in der Innerschweiz und werde des öfteren von Kindern gefragt ob Rätoromanisch das gleiche sei wie Bündnerdeutsch. Der rätoromanische Anteil in mir verletzt es nicht mehr sondern er ist schon froh dass diese Frage überhaupt gestellt wird.
  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Sollte man den Kindern nicht verwendbares Wissen übermitteln? Ein Dialekt, ohne Schriftlichkeit, eigentlich ohne Überlebenschance im kommenden Jh., warum veraltetes Wissen den Kindern übermitteln?
    1. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      Als die Alemannen Teile Graubündens germanisierten zersplitterte das einst geschlossene rätoromanische Sprachgebiet und es bildeten sich verschiedene Dialekte mit einer eigenen Schriftsprache heraus. Solche Dialekte nennt man Idiome, Dialekte mit eigener Schriftsprache. Mit Rumantsch Grischun wurde ein Vereinheitlichungsprozess ausgelöst, den man aber als gescheitert betrachten kann. Ich lerne selbst Sursilvan, das Idiom der Surselva/Bündner Oberland. Es war das Idiom meiner Grossmutter.
    2. Antwort von Conradin Klaiss  (Conradin Klaiss)
      Sie haben recht, den Kindern sollte man unbedingt verwendbares Wissen übermitteln:
      1. Rumantsch (RM) ist eine von vier Landessprachen der Schweiz
      2. RM ist Teilamtssprache des Bundes
      3. RM ist eine von drei gleichwertigen Amtssprachen des Kt. GR

      Die Rätoroman:innen haben insgesamt 6 verschiedene Schriftsprachen.

      In rätoromanischen Gemeinden ist RM Unterrichtssprache bis Ende des 2. Zyklus (6. Primar), Deutsch wird ab Oberstufe vor allem immersiv gelernt.

      Verwendbares Wissen eben.
    3. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      @Conradin: Warum denn auch nicht. Es ist ja so toll, in der Primar 6 verschiedene Schreibweisen von einem Dialekt zu lernen und dafür Energie zu verwenden, das nachzuholen, was schon im Elternhaus aus irgendwelchen Gründen nicht praktiziert worden ist (sonst müsste es, analog zum Züridütsch beispielsweise, nicht in der Schule unterrichtet werden). Ich habe Graphologie als Wahlpflichtfach genommen, ist auch sehr-sehr nützlich in der Smartphonewelt. ;)
    4. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Volkart: die Einführung des Deutschen in GR hat mehrere Gründe: z. B. Der Stadtbrand von Chur, bei dem viele romanischsprechende Einwohner ums Leben kamen. Es kamen dann viele Leute aus dem süddeutschen Raum nach Chur, die brachten die deutsche Sprache mit. Auch die Besiedelung der Bergtäler durch die Walser spielten eine Rolle, sowie der Zuzug Deutschsprachiger in die grossen Kurorte wie St. Moritz Ende des 19. Jh.
    5. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Frau Fitzi, Wie kommen Sie dazu und wer gibt Ihnen das Recht, eine gesprochene Sprache, als veraltetes Wissen zu benennen? Es ist jedem Menschen freigestellt, inklusive Kindern, zu entscheiden ob und was sie in ihrer Freizeit lernen wollen. Solange es Spass macht etwas zu lernen, gibt es kein veraltetes Wissen. Solche Kommentare geben mir zu denken.