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Waldbrandgefahr wegen Trockenheit - auch Feuerwerk ist da heikel
Aus SRF 4 News aktuell vom 14.07.2022. Bild: Keystone
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Hitze und warme Gewässer «Viele Fische sind auf kaltes Wasser angewiesen»

Die Schweiz steckt mitten in einer Hitzewelle – und die Flüsse führen schon jetzt wenig Wasser. Entsprechend werden die Flüsse und Seen immer wärmer. Das stresst die Fische. Was das genau bedeutet, weiss Gregor Thomas vom Bundesamt für Umwelt (Bafu).

Gregor Thomas

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Gregor Thomas ist in der Abteilung Wasser des Bundesamts für Umwelt für das Thema Fischerei verantwortlich.

SRF News: Was bedeuten hohe Temperaturen und Stress für die Fische?

Gregor Thomas: Je wärmer das Wasser, desto weniger Sauerstoff ist darin gelöst. Deshalb sind viele Fische – am stärksten lachsartige wie Forellen und Äsche – auf kaltes Wasser angewiesen.

Je wärmer das Wasser, desto weniger Sauerstoff ist darin gelöst.

Von welchen Temperaturen sprechen wir da?

Für die kälteliebenden Fischarten sind sicher Wassertemperaturen über 20 Grad problematisch. Kurzzeitig können diese Fische dies zwar tolerieren, über längere Zeit aber sind solche Temperaturen schädlich für sie.

Bereits jetzt über 20 Grad

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Legende: Keystone

Die Temperaturen in den mittleren Gewässern im Mittelland, also etwa kleineren Flüssen, betragen bereits jetzt mehr als 20 Grad. Auch die See-Abflüsse haben die Marke von 20 Grad vielerorts bereits geknackt.

Was kann man für die Fische tun, wenn die Temperaturen in solche Höhen klettern?

Kurzfristig können die Kantone Wasserentnahmen etwa aus kleinen Flüssen verbieten, damit dort mehr Wasser verbleibt und sich dieses etwas weniger stark erwärmt.

Man kann mit Baggern tiefere Bereiche schaffen.

Ausserdem können mit Baggern tiefere Bereiche geschaffen werden, etwa bei kälteren Zuflüssen. Dort bleibt das kältere Wasser dann länger stehen und die Fische können diese Kaltwasserwannen aufsuchen. In einer akuten Situation kann auch eine Beschattungsmassnahme sinnvoll sein.

Wie sinnvoll ist das Abfischen und Verlegen von Fischen aus zu warmen Gewässern?

Das muss von den Fisch-Sachverständigen lokal entschieden werden. Das Abfischen ist für die Fische ein zusätzlicher Stress, ausserdem ist es nicht immer einfach, kältere Gewässer für die Tiere zu finden.

Welche Massnahmen sind langfristig nötig?

Die Gewässer sollten renaturiert und revitalisiert werden, dann gäbe es auch wieder Ufervegetation, welche die Erwärmung durch Beschattung etwas dämpft. Ein Problem sind auch Querbauwerke in Flüssen wie Wehre, welche die Fische an den Wanderungen hindern – etwa, wenn das Wasser im unteren Flussabschnitt immer wärmer wird.

Kälte liebende Fischarten geraten immer stärker unter Druck.

Leiden auch andere Wasserlebewesen ausser Fische unter den hohen Wassertemperaturen?

Vor allem bei den Gewässerinsekten gibt es Arten, die auf tiefere Temperaturen spezialisiert sind. Auch sie bekommen jetzt Probleme. Allerdings erholen sich solche Insektenpopulationen viel schneller von einer Hitzephase als Fischpopulationen.

Der Klimawandel ist Tatsache, die Erwärmung schreitet Jahr für Jahr voran. Was heisst das für die Schweizer Gewässer?

Kälte liebende Fischarten geraten immer stärker unter Druck. Es wird sich zeigen, ob sie ganz aus den Schweizer Gewässern verschwinden werden, oder ob sie vielleicht in kältere Gewässerabschnitte umsiedeln und dort überleben können.

Das Gespräch führte Tobias Bühlmann.

SRF 4 News, Heute Morgen, 14.07.2022, 07:00 Uhr;

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16 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Liebe Community, herzlichen Dank an alle, die sich an der Diskussion beteiligt haben. Wir schliessen die Kommentare an dieser Stelle. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Ernst Richener  (Schmutz Fink)
    Symbolischer könnte es nicht sein,wie hier bei den Debatten des Tages!
    Stand 18:05 Uhr
    Geldthema 53 Kommentare
    Wenn es um die Grubdlage unsere und der Fauna und Flora geht
    13 Kommentare!
    Arme Menschheit!
  • Kommentar von Lothar Drack  (spprSso)
    Mendrisio hatte da eine gute Lösung: Um den Sportplatz von Arzo zu bewässern, entnahm man bis jüngst Wasser aus dem Flüsschen Gaggiolo. Mit dem Ergebnis, dass es unterhalb der «Zapfstelle» KEIN Wasser mehr und alle Wasserwesen eingegangen sind. Kantonale Stellen gehen der Sache nach. Der Stadtrat ging nun in die Offensive und erklärte am TV das kürzlich erlassene Verbot, Wasser für Autowäsche, Garten und Piscine zu nutzen – nicht ohne gleichzeitig zu betonen, für die Sportplätze ausschliesslich
    1. Antwort von Lothar Drack  (spprSso)
      (Fortsetzung) mit ungeniessbarem Grundwasser bewässere. Der Sindaco sagte auch, die Information sei «zu Beginn des Monats an die Bevölkerung geschickt worden» (sowohl meine Partnerin wie ich wohnen je in einem Quartier von Mendrisio, wir haben beide nichts erhalten). Da stimmt irgendwie einiges nicht. Immerhin war das Wasser im Gaggiolo nicht zu warm: Es gab keines mehr!
    2. Antwort von Lothar Drack  (spprSso)
      Man könnte hier noch anfügen, wieso denn Grundwasser wohl ungeniessbar ist...?
      Nicht dass ich da Fachmann wäre, erinnere mich aber sehr wohl an die erschreckenden Daten bezüglich Kontamination durch Pestizide etc., die vor ca. einem Jahr in den Medien publiziert worden sind, zuerst von Orten aus dem Mittelland und dann auch aus der Restschweiz. Das Mendrisiotto gehörte da zu den am meisten betroffenen Gebieten.