Die Hitzewelle ist bis weit hoch in die Berge zu spüren. In den nächsten Tagen und damit schon Ende Juni dürfte der sogenannte Gletscherschwundtag erreicht sein, also der Tag, an dem die Gletscher bereits alle Winterreserven aufgebraucht haben.
Das hat ein ETH-Gletscherforschungsteam berechnet. Es wäre der zweitfrüheste Gletscherschwund, den es je gegeben hat.
Gletscherschwundtag am 29. Juni
«Gemäss unseren Berechnungen und Vorhersagen tritt der diesjährige Gletscherschwundtag am 29. Juni ein», erklärt der Gletscherforscher Matthias Huss. Das heisst, schon in den nächsten Tagen dürften die Schweizer Gletscher bereits alles an Volumen verloren haben, das sie über den Winter aufgebaut haben.
Gletscherschwund auf dem Griesgletscher im Wallis
-
Bild 1 von 2. «Es ist eindrücklich zu sehen, wie weit hinauf der Schnee schon verschwunden ist auf dem Eis», sagt Matthias Huss. Bildquelle: Matthias Huss, ETH Zürich.
-
Bild 2 von 2. Das heisst wir sind momentan im Vergleich mit einem normalen Jahr mehrere Wochen bis über einen Monat voraus mit der Schneeschmelze. Das ist ein Problem: Alle Hitzetage, die jetzt noch kommen, sind direkt für den Gletscherschwund verantwortlich», so der Gletscherforscher. Bildquelle: Matthias Huss, ETH Zürich.
Noch sei der 29. Juni eine erste Berechnung, das genaue Datum könne sich noch etwas verschieben. Aber das grosse Bild sei klar, sagt Matthias Huss.
Kein neuer Rekord
«Die Situation ist wirklich sehr aussergewöhnlich. Nur gerade im Jahr 2022, damals wurden alle Rekorde der Gletscherschmelze gebrochen, war dieser Tag noch etwas früher. Aber dann sind wir auf Rang zwei», erklärt der Gletscherforscher.
Die aktuelle Hitzewelle macht also schon die letzten Winterreserven der Gletscher zunichte. An diesem Punkt sei man normalerweise erst im August, sagt Matthias Huss. Er und sein Team haben zudem berechnet, dass im Moment so viel Schmelzwasser von den Schweizer Gletschern abfliesst, dass damit alle sechs Sekunden ein olympisches Schwimmbecken gefüllt werden könnte.
Es sind aussergewöhnliche Zahlen. Dass die Schweizer Gletscher also schon jetzt am Wendepunkt stehen, habe aber nicht nur mit der aktuellen Hitzewelle zu tun, sondern auch mit den Bedingungen früher im Jahr, gibt Matthias Huss zu bedenken.
Die Schutzschicht der Gletscher ist schlecht.
«Einerseits hatten wir wiederum einen viel zu schneearmen Winter. Das heisst, die Schutzschicht der Gletscher ist schlecht», erklärt Matthias Huss. Zudem habe die Sommerwärme sehr früh eingesetzt. «Wir hatten schon im Mai die ersten Hitzewellen mit 30 Grad im Flachland», betont Huss. Und jetzt diese Hitzewelle jetzt. Diese sei wirklich aussergewöhnlich in Bezug auf ihre Intensität, aber eben vor allem auch auf ihre Länge.
«Alle warmen Temperaturen, die wir im Juli und August mit grosser Sicherheit sehen werden, führen direkt zu langfristigem Gletscherverlust. Wir verlieren in diesem Jahr mit Sicherheit sehr viel Eis», erklärt der Gletscherforscher