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Internationale Studie Lawinen schützen Gletscher vor den Folgen der Klimaerwärmung

Eine internationale Studie unter Schweizer Leitung zeigt: Lawinen helfen Gletschern auf der ganzen Welt, der Klimaerwärmung länger zu trotzen.

Lawinen gehören zu den grössten Naturgefahren in den Bergen. Sie sind aber nicht nur zerstörerisch. Sie spielen eine wichtige Rolle für das Überleben vieler Gletscher, die wegen der Erderwärmung am Schmelzen sind – in der Schweiz und auf der ganzen Welt.

Zu diesem Schluss kommt eine internationale Studie unter der Leitung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Sie hat erstmals die Auswirkungen von Lawinen auf die rund 200'000 Gletscher des Planeten quantifiziert.

Verschneiter Gebirgsgrat mit Gletscher.
Legende: Noch hat es beim Jungfraujoch imposante Eismassen, aber der Rückgang der Gletscher schreitet in der Schweiz rasant voran. KEYSTONE/Peter Klaunzer

Die Analyse basierte auf Satellitenmessungen und Modellen, die die Gletscherentwicklung und Schneemassenbewegungen berechnen.

Gletscher entstehen aus einem Gleichgewicht zwischen Schneeakkumulation und Eisschmelze. Schnee schützt Gletscher vor steigenden Temperaturen; mit der Zeit verdichtet er sich und verwandelt sich in Eis.

Erkenntnis kommt für Forschende überraschend

Die WSL-Studie ergab, dass weltweit 3 Prozent des Schnees, der sich auf Gletschern befindet, von Lawinen stammen. Je nach Region und Gletscher ist es mehr: In den Alpen zum Beispiel sind es gemäss der Studie rund 11 Prozent, im östlichen Himalaja 19 Prozent und in Neuseeland sogar 22 Prozent. Bei einigen kleineren Gletschern stammen sogar über 50 Prozent des Schnees von Lawinen.

«Wir waren überrascht. Wir hatten nicht erwartet, dass der Effekt in den Alpen und weltweit so bedeutend ist», kommentiert Marin Kneib, Glaziologe bei der WSL und Hauptautor der Studie, gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS).

Grafik-
Legende: Nature.com

Die Bedeutung von Lawinen wird daher voraussichtlich zunehmen, wenn sich die Gletscher weiter zurückziehen. Kneib betont jedoch, dass dies lediglich eine «Verlangsamung» des unvermeidlichen Rückgangs bewirke: «Bis 2100 werden wir immer noch mehr als 80 Prozent des Eisvolumens in den Alpen verlieren, verglichen mit dem Jahr 2000», betont er.

Studie erlaubt präzisere Prognosen

Zu wissen, wie viel Schnee auf Gletscheroberflächen fällt, hilft, deren zukünftige Entwicklung vorherzusagen. Gletscher sind wichtige Wasserquellen während des Sommers und in Trockenperioden, insbesondere in Zentralasien und in den Anden, wo Dutzende Millionen Menschen direkt vom Schmelzwasser abhängig sind.

Das Verständnis dafür, wie sich Eismassen entwickeln werden, ermöglicht auch die Vorhersage von Naturgefahren. Der Gletscherrückzug destabilisiert Berghänge – mit potenziell dramatischen Folgen, wie sich letztes Jahr im Walliser Dorf Blatten zeigte.

Die WSL-Studie über die Auswirkungen von Lawinen ermöglicht es den Forschenden, genauere Gletschermodelle zu entwickeln. Die braucht es, um präzisere Prognosen zu erstellen über das Schmelzen einzelner Gletscher und die Folgen für die Stromproduktion aus Wasserkraft, die Landwirtschaft und den Schutz vor Naturgefahren.

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SRF 4 News, 18.1.2026, 6 Uhr;brus

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