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Schweiz: Höhere Löhne – tiefere Kaufkraft
Aus Espresso vom 06.12.2021.
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Hochpreisinsel Der Schweiz-Zuschlag ist oft nicht gerechtfertigt

Der Schweiz-Zuschlag wird oft mit höheren Lohnkosten begründet. Dieses Argument zählt längst nicht immer.

Dass wir in der Schweiz mehr verdienen als unsere nördlichen Nachbaren, ist bekannt. Doch wie viel mehr ist es eigentlich genau? Sind unsere Löhne wirklich drei Mal so hoch wie die in Deutschland, wie das ein «Espresso»-Hörer in einem Kommentar kürzlich geschrieben hat?

Die Kaufkraft von 100 Franken ist in der Schweiz nicht gleich hoch, wie in Deutschland. In Deutschland bekommt man dafür einiges mehr.
Autor: Mathias Binswanger Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz

Mathias Binswanger ist Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen, müsse man verschiedene Unterschiede zwischen der Schweiz und Deutschland berücksichtigen: «Die Kaufkraft von 100 Franken ist in der Schweiz nicht gleich hoch, wie in Deutschland. In Deutschland bekommt man dafür einiges mehr.» Ebenfalls müsse man einrechnen, dass die Steuern in Deutschland höher seien als in der Schweiz. Berücksichtige man all diesen Faktoren, so verdienten Arbeitnehmende in der Schweiz etwa 1,6 bis 1,8 so viel wie im benachbarten Deutschland.

Weiter gibt Binswanger zu bedenken, dass es in der Schweiz einen breiten Mittelstand gebe. Also Leute, die zwar keine Top-Löhne haben, aber einigermassen gut vom verdienten Geld leben können. In Deutschland sei dies anders. Dort gebe es verhältnismässig viel mehr sogenannte Working-Poor: «Dieser Anteil ist in Deutschland viel grösser als in der Schweiz. Die Betroffenen müssen mit sehr wenig Geld zurechtkommen.»

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Mit Schweiz-Zuschlag Kaufkraft abschöpfen

Den Wohlstand und den hohen Lebensstandard in der Schweiz machen sich viele internationale Unternehmen zunutze: Um den sogenannten Schweiz-Zuschlag abzuschöpfen, schotten die Firmen den Schweizer Markt vom Ausland ab und verlangen in der Schweiz höhere Preise. Mittels Geoblocking wird beispielsweise verhindert, dass Schweizer in ausländischen Online-Shops zu günstigeren Preisen einkaufen. Sie werden dabei automatisch auf den Schweizer Online-Shop mit höheren Schweizer Preisen umgeleitet.

Hier findet in der Schweiz keine Wertschöpfung statt. Die Kleider werden aus dem Ausland direkt in die Schweiz geschickt. Darum müssten die Preise identisch sein.
Autor: Mathias Binswanger Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz

Dort kosten die gleiche Jeans nicht 99 Euro, sondern 150 Schweizer Franken. Laut Binswanger sind solche Preisaufschläge nichtgerechtfertigt: «Hier findet in der Schweiz keine Wertschöpfung statt. Die Kleider werden aus dem Ausland direkt in die Schweiz geschickt. Darum müssten die Preise identisch sein.» Anders sei es bei einem internationalen Schnell-Imbiss: «Dieser muss Schweizer Löhne und Mieten bezahlen. Da ist ein gewisser Zuschlag im Vergleich zum Ausland gerechtfertigt», sagt Binswanger.

Geoblocking ab 2022 verboten

Dem Geoblocking soll es im nächsten Jahr dank einer Änderung des Kartellrechts an den Kragen gehen, sagt Binswanger: «Dann ist es nicht mehr erlaubt, Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten vom ausländischen Onlineshop auf die Schweizer Internetseite mit höheren Preisen umzuleiten.» Eine weitere Änderung betrifft das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Dort gibt es neu eine Bestimmung, dass Firmen ihre relative Marktmacht nicht ausnützen dürfen, um in der Schweiz überhöhte Preise zu verlangen.

 

Espresso, 06.12.21, 08:13 Uhr

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34 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Abend liebe Community. Aufgrund personeller Ausfälle schliessen wir heute die Kommentarspalten verführt. Vielen Dank für Ihr Verständnis und wir würden uns freuen, wenn Sie auch morgen wieder in unseren Kommentarspalten mitdiskutieren. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von rene merlo  (1802)
    Liebe Schweizer/innen,

    Ihr müsst Euch wohl selber an die Nase fassen.

    Ich bin zwar von alter Schule, aber diese wirkt auch im Digital Zeitalter einwandfrei.

    Für meinen Garten wollte ich drei sehr schöne und bereits grosse Platanen bestellen. Hier in der Schweiz CHF 20'000 pro Baum!

    Also recherchierte ich im Netz nach dem besten Platanenhändler in Europa, welchen ich in den NL fand.

    Ein einziger Anruf reichte vollends und ich bekam drei Platanen zu CHF 15'000, inklusive Lieferung.
    1. Antwort von Kris Kronig  (Kris)
      Spannend wäre, die Differenz effektiver Kosten und Preise gegenüber zu stellen. Bestimmt sind viele Arbeitsstunden in die Aufzucht grosser Platanen geflossen. Wie aber eine derart hohe Preisdifferenz, trotz des weiteren Lieferweges aufgehen kann, deutet auf systemische Fehler hin.

      Arbeit, Anbaufläche und Material können kaum die Höhe dieser Differenz ausmachen und die Transportkosten sind vermutlich zu «günstig». Warum kann sich dieser nicht nachhaltige Irrsinn über den Preis durchsetzen?
  • Kommentar von Jörg Dieter  (jorgd)
    Hohe Löhne in der Schweiz sind eine Illusion von unterschiedlichen Steuern und unterschiedlichen Anteilen oder Städten und ländlichen Regionen. Ich habe Berechnungen mit üblichen Steuern angestellt, die in der Schweiz separat bezahlt, aber in Deutschland abgezogen werden. Und verglichen die gleichen Berufe, z.B. ein Ingenieur in der Schweiz zum Ingenieur in Deutschland oder ein Bauer zum Bauer. Das Ergebnis: Ein Schweizer kann für sein Gehalt etwas weniger kaufen als ein Deutscher.