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Unterwegs mit dem Lawinenbeobachter im Goms: Der Lawine auf der Spur
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 22.01.2021.
abspielen. Laufzeit 06:24 Minuten.
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Hohe Lawinengefahr Die Kunst, Lawinengefahr zu erkennen

Kürzlich schneite es vielerorts heftig, die Lawinengefahr stieg. Wie identifiziert man die gefährlichen Stellen?

Der Schnee ist im Goms im Kanton Wallis immer noch da. Die Region war wegen des vielen Schnees eine Zeit lang von der Aussenwelt abgeschnitten. Kein Auto, kein Zug konnte hinein oder hinaus. Mittlerweile ist die Strasse wieder offen – die Lawinengefahr aber bleibt.

Raphael Imsand ist 32-jährig, Bergführer und Chef des Lawinenwarndienstes Goms. Er behält die Situation im Auge. Es ist keine einfache Aufgabe. Auf seinen Schultern lastet viel Verantwortung. Was er sagt, bestimmt das Handeln der Region. Er war derjenige, auf dessen Rat hin die Strasse ins Goms gesperrt wurde.

Der Lawinenbeobachter erklimmt den Berg mit Tourenski.
Legende: Die Tourenski montiert, auf gehts Die Tourenski montiert, auf gehts – der 32-jährige Bergführer ist seit seiner Kindheit in diesem Gebiet unterwegs. Priska Dellberg/SRF

Etwa 1.3 Meter Neuschnee hat es hier letzte Woche gegeben. Raphael Imsand kämpft sich vorsichtig den Berg hoch, auf Tourenski. Mitten im Hang bleibt er stehen, steckt eine Rammsonde zusammen und macht sich bereit, mit Schaufeln ein Schneeprofil zu graben. Jetzt kann er sich den Schnee anschauen. Besonders interessiert ihn, was sich unter dem Neuschnee von letzter Woche befindet.

Der Bergführer sticht in den Schnee.
Legende: Wie tief liegt überhaupt Schnee? Das versucht er herauszufinden. Priska Dellberg/SRF

«Je tiefer ich gehe, umso härter ist es, mit der Schaufel hier reinzustechen», sagt Raphael Imsand. Jetzt ist es Zeit, die Schaufel wegzulegen. Mit den Fingern tastet er weiter. Das Auge allein reicht nicht. Er muss den Schnee fühlen. «Manchmal schliesse ich die Augen, damit ich die feinen Unterschiede spüre», sagt Imsand. Auch sein Bauch sei ein guter Ratgeber.

Schnee ist nicht gleich Schnee

Die Schneekristalle, die Raphael Imsand entdeckt, fühlen sich an wie Sand. Die Schicht ist gefährlich. Sie funktioniert wie ein Kugellager: Der frisch gefallene Neuschnee gleitet auf dieser unteren Schicht ab. Mehrere Lawinen seien so ausgelöst worden.

Schnee unter der Lupe.
Legende: Schnee unter der Lupe: Der Lawinenbeobachter erkennt hier, wie der Schnee beschaffen ist. zvg/Raphael Imsand

Bei schönem Wetter geht Imsand selbst in den Schnee und schaut sich die Situation an. Bei schlechtem Wetter sieht er nichts. Dann ist er auf andere Hilfsmittel angewiesen, auf Messstationen beispielsweise. Sie messen Wetter, Wind, Schneehöhe. Auch die Schallwellen von Lawinen werden gemessen und auf einer Karte eingetragen.

Gefahrenkarte mit den eingezeichneten Lawinen.
Legende: Auf dieser Karte sieht man, wo Lawinen niedergingen. Priska Dellberg/SRF

Es hat einige Lawinen gegeben letzte Woche. Eben aufgrund dieser Daten hat Imsand die Strasse sperren lassen. «Der Druck ist riesig», sagt er. Die Einheimischen seien sich diese Situation gewohnt, die Feriengäste eher nicht. Sie würden deshalb nervös. «Es sind rund 100 Telefonate, die ich an solchen Spitzentagen erhalte», sagt Imsand.

Zeit dafür hat er allerdings nicht. Er berät diejenigen, die auf seine Expertise wirklich angewiesen sind. Zum Beispiel auch das Schweizerische Lawinenforschungsinstitut SLF. Imsands Beobachtungen sind Grundlage für das Lawinenbulletin der Region.

Fast immer Lawinen im Kopf

Ein Leben ohne Lawinen gibt es für den 32-jährigen nicht. Aber er versuche trotzdem eine Winterlandschaft zu geniessen. «Man muss den Schalter manchmal umlegen. Und sich einfach freuen ab dem vielen schönen Schnee.»

Neuschnee mit einer Skispur.
Legende: Sieht schön aus, ist aber nicht zu unterschätzen: In den letzten Wochen ist viel Neuschnee gefallen. ZVG/Raphael Imsand

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 21.1.21, 17:30 Uhr;

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI  (Aetti)
    Neuschnee ... jeder Anfaenger weis dass dann Gefahr herrscht, wer trotzdem geht...gefaerdet seine Retter..
    Warmes Wetter, Sonnenschein Fruehling, dasselbe, Nassschneelawinen, am Nachmittag normal... und trotzdem gehen selbst erfahrene Schneewanderer in die "Falle"...
  • Kommentar von Jos Schmid  (Jos Schmid)
    Toller Artikel. Und ein sehr interessantes Bild. Der Hang sieht nicht sehr steil aus. Man hat den Eindruck dass da Schneeverwehungen ihr Unwesen treiben.
    Je mehr man sich mit Lawinen befasst, desto vorsichtiger wird man.
    1. Antwort von Heinrich Müller  (Denesinteressiert)
      Würde ich anders sagen. Je mehr man darüber weiss/ erfährt, desto genauer wird die Risikoabschätzung. Wobei auch Experten in Lawinen geraten. Die Lawine weiss nichts von der Expertise...
  • Kommentar von Pascal Enderli  (ConnectTheDots)
    Lawinenrisiko gibt es seit jeher aber dieses Jahr werden zusätzliche Unerfahrene Leute durch den Lockdown in die Gefahr der Berge gedrengt. Dieses zusätzliche Risiko ist ein Beispiel der 'unintended consequences' einer geplanten Gesellschaft & Wirtschaft.
    1. Antwort von Axel Dünsch  (aduensch)
      Die Leute werden nicht in die Berge gedrängt. Diese müssen schon selbst die Verantwortung dafür übernehmen, denn es ist ihr eigener Entscheid, abseits der Pisten zu gehen.
    2. Antwort von Lyn Philippe  (Lynppp)
      Zu 99% ist es Dummheit und nicht „gedrängt“. Warum fahren so viele abseits von Pisten auch wenn eine grosse Lawinengefahr gemeldet ist? Sie bringen auch die Leute in Gefahr die sie retten müssen.
    3. Antwort von Heinrich Müller  (Denesinteressiert)
      Es gibt Berge auf die man bei grosser gefahr relativ gefahrlos gehen kann, auch wenn man dies als Laie nur schwer nachvollziehen kann. Pauschlaes Verurteilen von Berglern war gestern, heute lernen Menschen das Risiko einziuschätzen. Die meisten interessieren sich sehr für alles was die BErge betrifft und gehen nicht einfach wild drauflos.