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Legende: Video Horrende Tarife am Privatspital: So viel kassieren Ärzte wirklich abspielen. Laufzeit 19:07 Minuten.
Aus Kassensturz vom 16.04.2019.
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Horrende Honorare Das kassieren Ärzte an Hirslanden Kliniken

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit zusatzversicherten Patienten verdienen Ärzte besonders viel Geld.
  • «Kassensturz» macht vertrauliche Honorarlisten publik. Sie zeigen Brisantes: Ärzte rechnen in den Zürcher Hirslanden Kliniken ein Vielfaches mehr ab als im öffentlichen Spital.
  • Mancher Mediziner setzt so Millionen um – Jahr für Jahr.
  • Gesundheitsökonom spricht von «unethischen» Honoraren. Helsana will die überhöhten Honorare nicht mehr akzeptieren.

Whistleblower spielen «Kassensturz» vertrauliche Dokumente zu: Honorarlisten der Zürcher Hirslanden-Klinik und der privaten Hirslanden-Klinik im Park. Sie zeigen, wie viel ein Arzt bei Eingriffen an Zusatzversicherten verdient. Jeder ärztliche Eingriff ist aufgelistet, daneben steht der Preis, den ein Arzt für seine Arbeit abrechnen darf.

«Kassensturz» macht den Abgleich mit der Honorarliste eines Aargauer Kantonspitals. Mit Hilfe von Fachleuten vergleicht das Konsumentenmagazin die Arzthonorare für gleiche Eingriffe. Die Preisunterschiede sind massiv: Operiert ein Arzt in der Zürcher Klinik Hirslanden, kann er für seine Arbeit ein Vielfaches mehr verrechnen als im Aargauer Kantonsspital.

Etwa für die Injektion mit Knochenzement bei einer Wirbelfraktur: Der Arzt im Aargauer Kantonsspital kann für seine Arbeit 2015 Franken verrechnen, an den beiden Zürcher Hirslanden-Kliniken kostet es das Dreifache: 6300 Franken. Der Eingriff dauert eine knappe halbe Stunde. Hirslanden schreibt: «Der Vergleich der Honorare zwischen einem öffentlichen Spital und einem mit Belegarzt-System ist insgesamt nur bedingt möglich.»

Unethische und nicht akzeptierbare Ärztehonorare

Gesundheitsökonom Heinz Locher berät als Experte auch den Bundesrat. Er hält die Hirslanden-Honorare für klar übertrieben: «Sie entsprechen nicht dem Wert der Leistung.» Für Locher sind sie «unethisch und nicht akzeptierbar.» Denn auch bei zusatzversicherten Patienten bezahlt die Grundversicherung mit. Deshalb seien alle Prämienzahler betroffen, zumal solch hohe Honorare Ärzte motivieren würden, unnötige Eingriffe vorzunehmen.

Grafik Beteiligung Grund- und Zusatzversicherung.
Legende: Auch bei zusatzversicherten Patienten bezahlt die Grundversicherung mit. SRF

Die Krankenkassen haben bislang mit Zusatzversicherungs-Produkten gut verdient und überhöhte Arzthonorare akzeptiert. Das ändert sich jetzt. Helsana, grösste Kasse der Schweiz, verlangt mehr Transparenz von Hirslanden. «Für uns sind solche Honorare für die freie Arztwahl ganz klar zu hoch», sagt Daniela Zimmermann, die für Helsana die Tarife mit den Spitälern aushandelt: «Wir wollen die Preise runterbringen, und wir sind gewillt, die Eskalation einzugehen.» Eskalation heisst etwa: Helsana bezahlt seit Anfang Jahr keine Eingriffe mehr, die an der Hirslanden-Klinik im Park durchgeführt werden sollen. Zu teuer.

Legende: Video Daniela Zimmermann, Helsana: «Wir wollen die Preise runterbringen.» abspielen. Laufzeit 00:13 Minuten.
Aus Kassensturz vom 16.04.2019.

Ärzte verdienen Millionen an Zusatzversicherten

Ein weiteres zugespieltes Dokument zeigt: Es gibt unter den Zürcher Hirslanden-Ärzten Spitzenverdiener, die Millionen umsetzen: Allein mit zusatzversicherten Patienten erzielte ein Chirurg 2017 einen Umsatz von über 1,7 Millionen Franken, ein anderer 3,7 Millionen und einer Dritter über 5 Millionen Franken im Jahr 2016.

Hinzu kommen die Einkünfte durch die Behandlungen der Allgemeinversicherten. Zu den Millionen-Einkünften ihrer Belegärzte schreibt die Unternehmenskommunikation der Hirslanden AG: «Die Höhe der Honorare entspricht nicht dem Verdienst eines Belegarztes. Diese entsprechen dem Umsatz einer Praxis, bei der Praxiskosten, Personal etc. abgezogen werden müssen.»

Die Finanzmarktaufsicht (Finma) zieht neuerdings die Zügel an: Die Behörde schreibt «Kassensturz», die Kassen dürften nur Spitalabrechnungen akzeptieren, die in einem «angemessenen Verhältnis zu den verrechneten Kosten» stünden. Ob «Fantasiehonorare», wie Gesundheitsökonom Locher die Hirslanden-Honorare nennt, in angemessenem Bezug zur ärztlichen Arbeit stehen, ist fraglich. Die Folgen solch hoher Honorare für die Zusatzversicherten jedenfalls sind klar: Die Prämien werden immer teurer, und immer weniger Versicherte können sie sich leisten.

Legende: Video Studiogespräch mit Hans U. Baer, Bauch-Chirurg und Leiter Hirsmednet-Tarifbüro abspielen. Laufzeit 08:53 Minuten.
Aus Kassensturz vom 16.04.2019.
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105 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Bachmann  (webawerni)
    Ich werde mit einer Volksabstimmung dafür sorgen, dass Hirslanden & Co und Krankenkassen, die Zusatzversicherungen anbieten, nicht mehr über das KVG abrechnen dürfen. Solches Gebahren passt nicht in unser Bemühen um eine möglichst günstige Gesundheitsversorgung. Denken Sie daran, dass selbst die Steuerverwaltung im Interesse einer günstigen Gesundheitsversorgung auf die Erhebung der Mehrwertsteuer (früher WUST) verzichtet.
    Nein, das KVG darf solche Exzesse nicht mehr abdecken.
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    1. Antwort von Andreas Egli  (andreasegli)
      Zur Orientierung: Die beanstandeten Honorare sind Privathonorare und werden über die Zusatzversicherung gemäss dem vereinbarten Privattarif vergütet. Die Zusatzversicherung unterliegt dem VVG, gemäss diesem werden die Prämien gemäss Alter und Risikostufe festgesetzt. Ein Patient kann auch aus der Zusatzversicherung ausgeschlossen werden. Dies im Unterschied zum grundversicherten Patienten. Das KVG hat nichts mit den überhöhten Honoraren zu tun, es deckt nur den Anteil der Grundversicherung ab.
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  • Kommentar von Alexander Krafft  (Alexander Krafft)
    Wo ist der Punkt, einen Gast ins Studio einzuladen, wenn schon eine vorgefasste und unumstössliche Meinung besteht? Journalismus aus dem Steinzeitalter!
    Die ambulanten Taufe sind weder für die Ärztinnen oder für die Spitäler kostendeckend. Eine 30 min Operation bedingt noch die "Anreise" zum OP, den Bericht, die Entlassung. Mit der Zusatzversicherung im stationären Bereich hat die Patientin die Möglichkeit, den Arzt Ihres Vertrauens zu wählen, sich 24/7vollumfänglich um die Betreuung kümmert.
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  • Kommentar von Markus Lüttin  (markus48)
    Hatte eigene Erfahrung! was mich den Arzt als Geldgieriger Mann erschienen lies.
    Zu den vorfällen in der Hirslanden
    Da könnten wahrlich Milliarden zurück in die Krankenkasse fliessen, würde da mann die selben Gesetze, die wie bei den Banken angewendet wurden verwenden.
    Für mich ist das legimitierzer Betrug.
    Frage sind die das legimitieren Mittäter?
    Bin froh, dass ich nicht der Einzige bin der das nicht nur für Frechheit enpfindet
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    1. Antwort von Andreas Egli  (andreasegli)
      Es ist kein Betrug, an wem denn? Der Patient schliesst eine Zusatzversicherung immer FREIWILLIG ab und bezahlt eine individuelle Prämie entsprechend Risiko und Alter. Die Privathonorare werden von der Zusatzversicherung beglichen und nicht vom KVG, welches nur für die Grundversicherung zuständig ist!
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