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Legende: Video Suizidversuche sind oft schwierig zu erkennen abspielen. Laufzeit 04:20 Minuten.
Aus 10vor10 vom 01.03.2019.
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Hunderte Selbstverletzungen Alarmierende Zahlen aus der Romandie

Eine Studie im Auftrag des Bundes nennt erstmals Zahlen von Selbstverletzungen. Die Hälfte davon waren Suizidversuche.

554. So viele Fälle von Selbstverletzungen dokumentierten die Ärzte in den Notfallaufnahmen in Lausanne, Neuchâtel und La Chaux-de-Fonds in nur 10 Monaten. Das zeigt eine Studie, die Anfang Februar 2019 in der Fachzeitschrift «Swiss Medical Weekly» publiziert wurde.

Rund 250 Patientinnen und Patienten wollten sich das Leben nehmen
Autor: Stéphane SaillantChefarzt Zentrum für Psychiatrie Neuchâtel

Stéphane Saillant ist Chefarzt der psychiatrischen Abteilung für Erwachsene am Zentrum für Psychiatrie in Neuchâtel und Mitautor der Studie: «In rund der Hälfte der Fälle von Selbstverletzungen wollten sich die Patientinnen und Patienten das Leben nehmen.»

Legende:
Selbstverletzungen in der Romandie: Anteil Suizidversuche Bei der Hälfte aller in einer Studie aus der Romandie untersuchten Selbstverletzungen handelt es sich um Suizidversuche. Nach einem Suizidversuch erhöht sich das Risiko, später tatsächlich durch einen Suizid zu sterben. Swiss Medical Weekly

Nach einem schwerwiegenden Suizidversuch befinden sich die betroffenen Patienten oft 24 Stunden oder mehr auf der Notfall- oder Intensivstation. «Sie sind beispielsweise gelähmt oder in der Mobilität stark eingeschränkt, weil ihre Arme oder Beine schwer verletzt sind», erklärt Stéphane Saillant gegenüber SRF.

Legende: Video Arzt Saillant: «Manche Menschen sind nach dem Suizidversuch gelähmt» abspielen. Laufzeit 00:25 Minuten.
Aus News-Clip vom 01.03.2019.

Hochrisikofaktor Suizidversuch

Wer schon mal einen Suizidversuch unternommen hat, trägt ein grosses Risiko, zu einem späteren Zeitpunkt tatsächlich durch einen Suizid zu sterben. Denn nach einem ersten Suizidversuch sinkt die Hemmschwelle rapide, das zeigen mehrere Studien. Umso wichtiger sei es, die Fälle von Suizidversuchen zu erkennen, um die betroffenen Patienten entsprechend zu betreuen und zu begleiten, hält Saillant fest.

Schweigen kann verheerend sein

Eine wichtige Rolle kommt dem persönlichen Umfeld einer suizidgefährdeten Person zu.

Wenn sich ein Mensch plötzlich zurückzieht oder antriebslos erscheint, müssen diese Veränderungen direkt angesprochen werden
Autor: Jörg WeisshauptExperte Suizidprävention

Laut Jörg Weisshaupt, Suizidpräventionsexperte, ist es sehr wichtig, dass Freunde, Eltern oder Kollegen aufmerksam bleiben: «Wenn sich ein Mensch plötzlich zurückzieht oder antriebslos erscheint, müssen diese Veränderungen direkt angesprochen werden, denn Personen, die kurz vor einem Suizidversuch stehen, nehmen kaum noch Kontakt mit ihrer Umwelt auf. Mit einer Konfrontation, dem Thematisieren der Veränderung, kann den betroffenen Menschen geholfen werden, damit es nicht zu einem Suizidversuch kommt.»

10’000 Suizidversuche pro Jahr

Studien gehen davon aus, dass in der Schweiz jährlich 10’000 Suizidversuche medizinisch versorgt werden. Ein nationales Register für Suizidversuche gibt es jedoch nicht – im Gegensatz zu Suiziden.

Jeder Suizidversuch löst hohe Kosten für das Gesundheitswesen aus. Das Bundesamt für Gesundheit BAG geht aufgrund von Studienergebnissen davon aus, dass die Suizidversuche in der Schweiz jährlich Kosten von rund 200 Millionen Franken auslösen.

Das BAG will, dass die Zahl der Suizide und Suizidversuche abnimmt. Im Rahmen des Aktionsplans Suizidprävention, der 2016 verabschiedet wurde, soll die Suizidalität frühzeitig erkannt und entsprechend interveniert werden. Zudem soll die Forschung zum Thema Suizid intensiviert werden.

Legende: Video Esther Walter vom BAG: «Selbst für Fachpersonen ist es anspruchsvoll» abspielen. Laufzeit 00:21 Minuten.
Aus News-Clip vom 01.03.2019.

Es braucht mehr Fachpersonal

«Die Zahlen aus der Romandie nehmen wir sehr ernst», sagt Esther Walter, Projektleiterin des Aktionsplans. Bereits das Erkennen von Suizidversuchen sei wichtig, denn so könnten die betroffenen Patienten zeitnah und gezielter betreut werden. Laut Esther Walter braucht es jedoch in diesem Bereich mehr Fachpersonal, das geschult ist, Suizidversuche noch besser zu erkennen. «Denn das ist nicht einfach, oft wollen die Betroffenen nicht sagen, dass sie einen Suizidversuch gemacht haben.»

Brauchen Sie Hilfe?

Wählen Sie Tel. 143 der Dargebotenen Hand - dort hört man Ihnen zu. Jugendliche mit Suizidgedanken finden Hilfe unter Tel. 147 von Pro Juventute.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst Küng  (NestorBS)
    Die CH, das Europa-Paradies ( wie läufig zu sein scheint) ist schon lange Europa-Spitzen-reiter. Also nichts Neues. Nur wird jetzt plötzlich offen(er) darüber gesprochen.Und warum erst jetzt? Also so paradiesisch scheint es hier also doch nicht so ganz zu sein.
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  • Kommentar von Daniel Fuchs  (Daniel Fuchs)
    Andersherum wird ein Schuh daraus. Die sogenannten Suizidversuche sind eben meist keine Suizidversuche, sondern Rufe nach Hilfe und Aufmerksamkeit die nie einen echten Suizid zum Ziel hatten. Ansonsten müsste man folgern, dass (verallgemeinert natürlich, schade, dass man das so explizit sagen muss) Frauen im Vergleich zu Männern zu inkompetent zum Suizid sind... und das kann ich nicht glauben.
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  • Kommentar von markus kohler  (nonickname)
    Der grösste Teil der Selbstverletzungen sind nicht Suizidversuche, sondern Ritzen, welches von Frauen und Mädchen betrieben wird. Beabsichtigt wird nur Spannungsabbau und nicht um Selbsttötung.
    Wenn es um Suizidalität geht dann stehen Tablettenselbstvergiftungen zuoberst auf der Liste, auch meistens von Frauen und Mädchen. Der grösste Teil dieser Versuche geht schadlos aus. Wirklich gefährliche Methoden wie Sprünge aus grosser Höhe, Einsatz von Feuerwaffen, etc. sind im Vergleich dazu selten.
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    1. Antwort von Roger Stahn  (jazz)
      Herr Kohler, zu Ihrem letzten Satz: Schweizweit geschehen im Schnitt 3 Selbstmorde pro Tag. Allein bei der SBB sind es über Hundert Bahnsuizide pro Jahr und jeder siebte Suizid in der Schweiz ist wegen Arbeitslosigkeit. Zum Vergleich: Durch Strassenverkehrsunfälle kommen 10 Mal weniger Menschen ums Leben, als durch Suizid. Jährlich investierte der Bund 100'000 Franken in die Suizidprävention und Hunderte Millionen Franken in die Verkehrssicherheit. (...)
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