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Imageschaden für die Forschung «Wissenschaftsbetrug wäre auch in der Schweiz möglich»

Trotz mutmasslichem Forschungsbetrug wurde ein Herzmediziner in der Schweiz angestellt. Was lief falsch?

Legende: Audio Anstellung trotz vermutlicher Datenfälschung abspielen. Laufzeit 02:38 Minuten.
02:38 min, aus HeuteMorgen vom 17.10.2018.

Der italienische Herzforscher Piero Anversa soll an der Harvard Medical School in den USA Daten für seine Forschungen gefälscht haben, wie eine Untersuchung des betroffenen Institutes nun ergeben hat. Verdachtsmomente dafür gab es schon vor drei Jahren. Anversa musste damals Harvard verlassen. Er fand am Herzzentrum Tessin eine neue Anstellung. Das Zentrum ist ein Teil der Uni Zürich. Marcel Tanner, Präsident der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz, reflektiert die Situation.

Marcel Tanner

Marcel Tanner

Präsident der Akademie Naturwissenschaften Schweiz

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Tanner ist Präsident der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz. Er ist emeritierter Epidemiologie-Professor. Epidemiolgie ist eine wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der Verbreitung sowie den Ursachen und Folgen von gesundheitsbezogenen Zuständen und Ereignissen in Bevölkerungen oder Populationen beschäftigt.

SRF News: Wieso wurde ein Forscher, der Daten gefälscht haben soll, in der Schweiz wieder angestellt? Wer hat versagt?

Marcel Tanner: Es sind verschiedene Stellen, die ver sagt haben. Zuerst sind es immer das Reviewsystem der Kollegen in der Institution und die Institution selbst, die über die Wissenschaftlichkeit wachen müssen. Und zweitens bei klinischen Versuchen – wenn Versuche an Menschen durchgeführt werden – ist es die verantwortliche Ethikkommission.

Man müsste genau untersuchen, wo die Kontrollen fehlten. Schliesslich braucht es auch die Review bei den entsprechenden Zeitschriften, die offenbar auch nicht gemerkt haben, dass Daten gefälscht waren.

Der Imageschaden für die Wissenschaft ist bei jedem derartigen Skandal gross, ob es nun 30 oder 100 Publikationen sind.

Anversa war zuletzt im Tessin tätig. Zu den Fälschungen soll es in den USA gekommen sein. Wäre das auch in der Schweiz möglich gewesen?

In der Schweiz ist das auch möglich. Hoffentlich geschieht es nicht, aber es wäre möglich, wenn das Überwachungssystem durch Kollegen und Herausgeber von wichtigen Zeitschriften nicht funktioniert. Oder auch, wenn Fehler auf der Ebene der Ethikkommission begangen werden. Bei uns funktioniert es nach den gleichen Prinzipien.

Ein renommierter Herzforscher soll bei über 30 Publikationen Daten gefälscht haben. Schadet eine solche Meldung der Glaubwürdigkeit der Wissenschaft?

Der Imageschaden für die Wissenschaft ist bei jedem derartigen Skandal gross, ob es nun 30 oder 100 Publikationen sind. Wichtig ist, dass wir die Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit wieder stärken. Wir betreiben Wissenschaft nach den Grundsätzen, dass wir keine Kompromisse zulassen. Jeder Fall ist ein grosser Schaden. Es kann aber auch eine Chance sein, auf diese Mechanismen einzuwirken und aufzuzeigen, was es braucht, um solche Dinge zu verhindern.

Das Gespräch führte Jonathan Fisch.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Müller (P.Müller)
    Wissenschaftler sind Menschen. Mit dieser Feststellung alleine lässt sich erklären ob Wissenschaft immer ihre heren Prinzipien verfolgt. Wo auf der Welt und egal in welchem Fachgebiet auch immer! Der Rest der Disskussion ist Zeitverschwendung!
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  • Kommentar von M. Jaeger (jegerlein)
    «Wissenschaftsbetrug wäre auch in der Schweiz möglich» Klar! Man muss nur mal bei den Klimaforschern gucken. Da ist die "Wissenschaft" zur Glaubensbruderschaft mutiert.
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    1. Antwort von Jos Schmid (Jos Schmid)
      Kommen Sie doch mal hinter dem Stammtisch hervor und argumentieren Sie wissenschftlich.
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    2. Antwort von Michael Räumelt (Monte Verita)
      Schmid@ Wissenschaftlich...Mehr als 31000 Wissenschaftler haben bisher eine Petition (www.petitionproject.org) gegen Kyoto unterschrieben. Sie bekräftigt, dass es keinerlei Beweis dafür gibt, dass menschliche Emissionen etwas mit der Erderwärmung zu tun haben, sondern, dass CO2 sogar viele positive Effekte auf Pflanzen und Tiere hat.
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    3. Antwort von Werner Christmann (chrischi1)
      Genau so ist es M. Jaeger, nur wird das gefliessentlich ignoriert, weil dieses Thema derart breitgetreten und Hirnwäsche bis zum Abwinken betrieben wird.
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    4. Antwort von Lungile Gyger (Lu Gyger)
      Mich würde interessieren, wie "Wissenschaftler" unter der erwähnten Petition definiert wird. Defact sind sich weltweit mehr als 95% der Forscher mit "Universitärer Ausbildung" einig, das vom Mensch verursachte Emissionen maßgeblich zur globalen Erwärmung beitragen. Wichtig: es gibt noch wesentlich potentere Treibhausgase als CO2, zB. Lachgas (N2O), Nebenprodukt der Denitrifikation und die findet hauptsächlich wegen Überdüngung vom Boden statt - ganz menschgemacht.
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    5. Antwort von Beat Reuteler (br)
      @ Räumelt et al: Die Petition (www.petitionproject.org) ist der Bewies wie Wissenschaftsfälschung laufen kann. Es gibt meines Erachtens keinerlei Kontrolle darüber, dass nur Wissenschaftler die Petition unterschreiben. Somit hat diese keinen wissenschaftlichen Wert. Ihr Beitrag hier wäre dann ein Förderprogramm für Wissenschaftsfälschung.
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Die Grundlage der Wissenschaft ist die unverfaelschte Wiedergabe von Forschungsergebnissen. Einem "Wissenschafter", der "Forschungs"ergebnisse faelscht oder verfaelscht, sei es in der Grundlagenforschung, sei es in Gefaelligkeitsgutachen auf dem Puckel von Versicherungsopfern, sei es als "Zeuge" zur Kroenung seines Pfuschs vor Gericht, gehoert ein Berufsverbot auf Lebenszeit. Im Interesse von betrogener Wissenschaft und betrogenem Konsument....
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