In der Moschee des «Haus der Religionen – Dialog der Kulturen» in Bern hat ein Imam mehrere illegale Trauungen durchgeführt. Religiöse Trauungen, die ohne vorherige zivile Heirat vorgenommen wurden. Und somit zu einer Zwangsheirat führten.
«Kriminelle Energie» in Berner Moschee
Diese Recherchen von SRF Investigativ sorgen für Wirbel: Regula Mader, Präsidentin des Vereins Haus der Religionen, spricht von einer «kriminellen Energie», die hinter den Vorgängen stecke. Der Imam habe die Moschee nicht nur widerrechtlich benutzt, sondern auch das alte Briefpapier des muslimischen Vereins für die Zwangsheiraten gebraucht.
Mader sagt weiter, man wolle nun rechtliche Schritte prüfen, beispielsweise eine Anzeige wegen Urkundenfälschung, Hausfriedensbruch und Zwangsheirat. Die Polizei hat erste Ermittlungen eingeleitet: «Wir klären derzeit den Sachverhalt ab», sagt eine Polizeisprecherin zu SRF.
Gerade weil die Trauungen gesetzlich nicht zulässig sind, ist es für Frauen sehr schwer, sich wieder daraus zu befreien. Dies zeigt das Beispiel von Laura*. Sie flüchtete als Kind vor dem Krieg in die Schweiz. Dann wurde sie als gut 18-Jährige gegen ihren Willen in der Moschee im Haus der Religionen in Bern mit einem Verwandten verheiratet.
Zivil getraut waren sie nicht. Obwohl alle in der Familie die Ehe wollten und ihr niemand half, entschloss sie sich einige Monate später, mit der Familie zu brechen und zu fliehen. «Ich musste immer wieder die Wohnung wechseln, damit sie mich nicht finden», sagt sie zu SRF.
Die Vorgänge in der Moschee des Hauses der Religionen in Bern geben Stadtpräsident Alec von Graffenried zu denken. «Ich bin ziemlich verstört, dass es so weit gekommen ist», sagt er. Man wolle ein Klima schaffen, dass in der Stadt Bern nach hiesigen Regeln gelebt werde. «Dazu gehören keine Zwangsheiraten.»
Vielleicht ist es ein Glück, dass der Vorfall im Haus der Religionen passiert ist.
Hat das von der Stadt mit 300'000 Franken subventionierte Haus der Religionen zu wenig genau hingeschaut wer dort ein und aus geht? Das Haus der Religionen weist darauf hin, dass dies ein offenes Haus sei.
Das Haus der Religionen sei besonders geeignet, den Dialog mit den Glaubensgemeinschaften zu führen und ihnen Regeln, etwa punkto Zwangsheirat, zu vermitteln, sagt der Berner Stadtpräsident. «Vielleicht ist es darum fast ein Glück, dass der Vorfall im Haus der Religionen passiert ist», so von Graffenried.
Muslimischer Verein will genauer hinschauen
Der muslimische Verein Bern, der die Moschee betreibt, schreibt in einer Stellungnahme: Man kenne den besagten Imam nicht, welcher die Trauungen durchgeführt habe. Dieser habe keine Funktion in der Moschee. Man wolle künftig sorgfältig abklären, ob vor der religiösen Trauung eine zivilrechtliche Eheschliessung geschehen sei.
Mustafa Memeti ist der Imam des muslimischen Vereins Bern. Er betreut die Moschee im Haus der Religionen. Er habe nicht immer überprüft, ob die Menschen, die er verheiratet hat, vorher schon standesamtlich geheiratet haben. «Diesen Fehler bedauern wir und verurteilen ihn auch», sagt Regula Mader.
*Name geändert