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Schweiz Immer mehr Flüchtlinge ohne Chance auf Rückkehr

Die Zahl der Asylgesuche in der Schweiz nimmt zu. Fürs Jahr 2014 rechnet der Bund mit 25'000 Gesuchen. Gleichzeitig wird die Betreuung dieser Flüchtlinge immer aufwändiger – weil immer mehr von ihnen tatsächlich Grauenvolles erlebt haben.

Zwei Asylsuchende von hinten, sie sitzen auf einem Absatz vor der Asylunterkunft in Schafhausen.
Legende: Derzeit stammen die meisten Flüchtlinge aus Eritrea und Syrien. Prognosen sind aber schwierig. Keystone

Nicht nur die Zahl der Asylgesuche ist gestiegen. Gestiegen ist auch die Zahl jener Asylsuchender, die unter die sogenannte Schutzquote fallen: Sie können in der Schweiz bleiben. SRF-Bundeshaus-Redaktor Dominik Meier erklärt, wieso.

SRF: Warum können immer mehr Asylbewerber in der Schweiz bleiben?

Dominik Meier: Das hat mit ihrer Herkunft zu tun. Dieses Jahr sind mit Abstand am meisten Asylsuchende aus Eritrea in die Schweiz gekommen – gefolgt von Syrien. In beide Länder kann die Schweiz im Moment wegen der Situation vor Ort keine Menschen zurückschaffen. Sie erhalten Asyl oder werden zumindest vorläufig aufgenommen. Das war vor zwei Jahren zum Beispiel noch ganz anders. Da kamen viele junge Männer aus Tunesien. Die hatten keine Chance, in der Schweiz zu bleiben. Entsprechend war damals die sogenannte Schutzquote oder Bleibequote deutlich tiefer.

Das Bundesamt für Migration rechnet im nächsten Jahr erneut mit steigenden Asylzahlen. Grund seien die vielen Krisen weltweit. Steigt damit auch die Schutzquote?

Nicht unbedingt. Aber hoch wird sie wegen der geopolitischen Situation wahrscheinlich bleiben. Wobei Prognosen extrem schwierig sind. Der Kriegsverlauf in Syrien spielt eine Rolle, aber auch die Situation in Libyen. Dort herrscht im Moment Anarchie. Das nutzen Flüchtlinge aus Afrika, aber auch aus dem Nahen Osten, für die Flucht. Via Libyen kommen sie übers Mittelmeer nach Europa. Wenn sich die Lage in Libyen ändert, dann ändern sich sofort auch die Fluchtrouten, und damit auch die Fluchtbewegungen in die Schweiz.

Da kommen nun grosse Aufgaben auf die Allgemeinheit zu.

Es kommen viele Personen aus Kriegs- und Krisengebieten in die Schweiz. Sie sind teilweise traumatisiert. Macht das die Betreuung aufwändiger für die Behörden?

Ja. Viele Flüchtlinge sind in psychologischer oder psychiatrischer Behandlung. Es sind vor allem junge Frauen und Männer, die im Krieg schwer missbraucht worden sind und sich jetzt in der Schweiz befinden. Der Umgang mit diesen Menschen ist sehr schwierig und aufwändig. Ganz allgemein – abgesehen von diesen schweren Problemen – wächst der Aufwand, weil eben sehr viele Asylsuchende bleiben dürfen. Es ist eine Tatsache, dass die meisten Flüchtlinge heute jahrelang von Sozialhilfe abhängig bleiben. Viele Flüchtlinge lassen sich nur schwer in die Arbeitswelt integrieren. Da kommen nun grosse Aufgaben auf die Allgemeinheit zu.

Die Schweiz kann Asylsuchende, die von Italien her eingereist sind, gemäss dem Dublin-Abkommen dorthin zurückführen. In der Praxis hapert es jedoch damit. Wie ist da der aktuelle Stand?

Beim Bund heisst es in diesen Tagen, es werde besser. Italien nehme wieder vermehrt Menschen zurück. Nur lässt sich das mit Zahlen noch nicht belegen. Im Gegenteil: Auch die Novemberzahlen zeigen, dass die Rückführungen nach Italien sehr tief sind. Sie sind im Verlauf dieses Jahres richtiggehend eingebrochen.

Das Gespräch führte Lukas Mäder.

Dominik Meier

Dominik Meier

Dominik Meier ist seit 2008 als Inlandredaktor bei SRF tätig. Er gehört zum Bundeshaus-Team von Radio SRF.

Sandalen im Schnee

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68 Kommentare

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  • Kommentar von Ch. Gerber, Basel
    Wir wurden mehrfach davon gewarnt, doch die Linke SP und der Bundesrat versprach uns das es nie soweit kommen wird. Doch nun haben wir exakt das Problem. Und jetzt? Richtig, wir sitzen auf den Asylanten. Besten dank and die SP und Linken. Vieleicht wachen nun ein paar Linke Wähler auf und kommen in die Realität zurück.
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  • Kommentar von Andreas Remark, D - Überlingen
    Bei den üblichen Verdächtigen, die hier in der überwiegenden Mehrzahl wieder mal Ihre menschenverachtenden (Weihnachts-)Kommentare absondern, bin ich mir sicher, dass sie vor gut 2000 Jahren einem bekannten Flüchtlingsehepaar nicht mal einen Stall zur Verfügung gestellt hätten. Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich K….. könnte.
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    1. Antwort von Rainer Fauser, Augsburg
      @Remark: (Anmerkung) Der Unterschied zu heute ist:Damals gab's weder Asyl(un)wesen noch Sozialhilfe oder sonstige staatliche Unterstützung.Und folglich auch keinen Missbrauch davon.Stattdessen private Hilfe.Meine Forderung seit langem:Entwicklungshilfe privatisieren,vor Ort helfen,Asylwesen einstellen,soziale Unterstützung nur noch für Inländer-im Nu wären Probleme von heute obsolet;Anreize abschaffen,Angebot vermeiden und die Nachfrage geht zurück.Auch im Prinzip bei der Masseneinwanderung.
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    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Wobei das Paar vor gut 2000 Jahren gar nicht auf der Flucht war. Sie waren unterwegs in die Heimat-Stadt von Josef, weil es von den Römern angeordnet eine Volkszählung gegeben hat. Dafür wurden alle Bewohner des Landes in ihre Heimat-Städte geschickt. Und da durch die Strapazen für die hochschwangere Maria das Kindlein früher das Licht der Welt erblicken wollte, alle Herbergen auf ihrer Reise schon besetzt gewesen sind, hat das Paar Unterschlupf in diesem Stall gefunden, gell Herr Remark!
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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    Da meint Abt Urban Federer vom Kloster Einsiedeln:"wir wissen hierzulande zu wenig über den Islam",es wäre gescheiter,sich statt Verbannung musl.Symbole,stärker mit dem Islam zu befassen.Aha,sollten sich nicht eher Muslime mit unsrer Kultur selbstreflektierend befassen?Würden sich nämlich Frauen,aber auch Männer von uns"Ungläubigen"nur schon rein optisch nicht unterscheiden wollen,auf diese Oberflächlichkeit verzichten,Religionsfreiheit selber leben,würde man sie gar nicht als solche erkennen.
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