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Wie heikel sind Restaurantbesuche im Moment?
Aus Rendez-vous vom 10.12.2020.
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Infektionsgefahr in Lokalen Wissenschaftsredaktor: «Ansteckungsrisiko im Restaurant höher»

In den Schweizer Innenstädten sind die Menschen mit Maske unterwegs und Cafés und Restaurants sitzt man zum Teil dicht an dicht, zwar abgetrennt von Plexiglasscheiben, aber ohne Masken. 700 Epidemiologen in den USA haben auf Anfrage der «New York Times» gesagt, sie fänden den Restaurantbesuch etwas vom riskantesten. SRF-Wissenschaftsredaktor Thomas Häusler sagt, warum ein Besuch im Restaurant heikel sein könnte.

Thomas Häusler

Thomas Häusler

Wissenschaftsredaktor

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Thomas Häusler ist Wissenschaftsredaktor bei SRF. Er hat in Biochemie doktoriert und eine Weiterbildung in Wassermanagement an der Uni Genf absolviert. Seit 2013 ist er Leiter der Wissenschaftsredaktion.

SRF News: Welche Hinweise gibt es, dass der Besuch eines Restaurants oder Cafés heikel ist?

Thomas Häusler: Es gibt Fälle, in denen Übertragungen in Restaurants nachgewiesen wurden. Dabei kam es auch zu sogenannten Super-Spreading-Events mit vielen Angesteckten. Direkte Nachweise gibt es allerdings nicht so viele, denn das ist schwierig. Man weiss heute einiges über die Rolle von Aerosolen.

Und es sich zeigt sich, dass in Innenräumen das Übertragungsrisiko generell erheblich ist. Verschiedene Studien haben versucht, den Anteil der Restaurants an allen Ansteckungen abzuschätzen. Sie kommen zu recht unterschiedlichen Zahlen zwischen etwa 10 Prozent bis zu deutlich mehr.

Oft sitzt man im Restaurant zwar links und rechts abgetrennt mit kleineren oder grösseren Plexiglasscheiben, aber der Tisch dahinter ist nicht so weit entfernt und ohne Plexiglasscheibe. Wie heikel ist das?

Es spielen viele Faktoren eine Rolle. In Ihrem Beispiel ist es so, dass mir vom Nachbartisch in meiner Blickrichtung ein Gast entgegenblickt und er ist nicht so weit weg. Wenn eine Person da gerade sehr ansteckend ist oder Sie lange bleiben, können Sie da etwas abbekommen. Aerosole breiten sich in der Luft langsam aus.

Das heisst, wenn das Restaurant lange geöffnet ist und nacheinander viele neue Menschen kommen und gehen und die Lüftung nicht so gut ist, dann steigt das Risiko ebenfalls. Genauso steigt es in einem lauten Lokal, weil laut reden das Übertragungsrisiko deutlich erhöhen kann.

Eine Untersuchung stellte fest, dass es Menschen gibt, die so genannte Super-Spreader sind. Wenn jemand vom Servicepersonal das ist und angesteckt ist, ohne es zu wissen, nützt da die Maske noch etwas?

Die Untersuchungen eines Schweizer Forschers legen nahe, dass die Maske auch in solchen Fällen einen grossen Unterschied macht. Sie schützt bis zu einem gewissen Grad. Aber dafür muss sie korrekt getragen werden. Das ist über viele Stunden, wie es für das Servicepersonal notwendig ist, nicht ganz einfach. Ich selbst trage eine Brille und wenn ich die Maske draussen anhabe, dann ist diese Brille oft beschlagen. Das zeigt, dass ein gewisser Teil des Atems und der Aerosole auf der Seite rauskommen. Und je kleiner der Raum, in dem ich bin, desto mehr spielt das eine Rolle.

Was raten Sie als Wissenschaftsredaktor in Bezug auf Restaurant- oder Cafébesuche?

Momentan sind viele infiziert und das Risiko, dass sie in einem Restaurant jemand angesteckt, ist höher. Wie ich mit diesem Risiko umgehe, ist sicher individuell. Wenn ich zu einer Risikogruppe gehöre oder engen Kontakt zu so jemanden haben, dann bin ich vorsichtiger. Ich kann Restaurants meiden, in denen mehr Menschen sind, in denen es laut ist. Oder ich kann ganz wegbleiben.

Meiner Erfahrung nach tun dies viele Menschen, die wegen ihres Berufs viel über Epidemien oder eben Viren wissen. In der jetzigen kritischen Situation mit sehr vielen Fällen muss man auch daran denken, wie man dafür sorgen kann, dass die Zahlen nicht noch mehr ansteigen. Und das ist, indem wir unsere Kontakte so stark wie möglich senken, egal wo immer das ist.

Das Gespräch führte Ivana Pribakovic.

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Die Hoffnung auf Corona-Immunität
Aus Puls vom 30.11.2020.
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104 Kommentare

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  • Kommentar von Julian Gross  (Steinhart)
    ÖV benutzen dürfte viel viel gefährlicher sein.
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  • Kommentar von Martin Müller  (Nonaeol)
    Woher möchte ein Mensch wissen, wo er sich angesteckt hat? Ein Virus ist unsichtbar und es ist schlicht und ergreifend unmöglich zu wissen, wo man sich angesteckt hat. Wir sollten aufhören, über Ansteckungsorte und -möglichkeiten zu spekulieren und endlich eine gute Studie durchführen, die aus mehr besteht als mathematischen Modellen, hätte, könnte, wenn und aber etc.
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    1. Antwort von Peter Schöni  (peterschoeni)
      Zum besseren Verständnis von wissenschaftlichen Arbeitsmethoden hat mir folgendes geholfen: Podcast "Methodisch inkorrekt", Folge 167 ab ca. 1:36:50. Wie arbeitet Wissenschaft, was sind Modelle, wo hat die Wissenschaft in der Kommunikation versagt und anderes.
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  • Kommentar von Kari Raeschter  (K. Raeschter)
    Je länger diese Pandemie dauert, um so mehr Experten gibt es. Die einen verbreiten irgendwelche Theorien, welche sie wissenschaftlich belegt haben wollen, in den Medien und die anderen kommentieren mit ihrem Fachwissen diese Artikel. Finde das Ganze aber jeweils sehr amüsant zum Lesen.
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