Fieber und Husten über längere Zeit – das sind typische Symptome von Tuberkulose. Ein Lehrer der Primarschulen Saint-Maurice und Dorénaz im Unterwallis ist betroffen. Vor rund zwei Monaten wurde bei ihm eine Lungentuberkulose diagnostiziert. Er wird behandelt und unterrichtet nicht mehr. Rund 80 Schulkinder zwischen sieben und elf Jahren, die in engem und regelmässigem Kontakt mit ihm standen, werden nun untersucht.
Betroffen sind fünf Klassen, die auf die beiden Schulen verteilt sind. Auch der Zustand der Lehrpersonen, die mit dem Lehrer in engem Kontakt standen, wird überprüft, schreibt der Kanton Wallis in einer Mitteilung. Eine Kontaktnachverfolgung, das sogenannte «contact tracing» sei im Gang, heisst es weiter.
Für die Kinder ist es wichtig, dass sie sich testen lassen, damit sie nicht später eine Tuberkulose entwickeln.
Die Untersuchung erfolge mittels Bluttest, erklärt Delphine Berthod, stellvertretende Kantonsärztin für übertragbare Krankheiten. Damit könne man herausfinden, ob sich die Kinder angesteckt hätten.
Eine Ansteckung, ein positiver Test, bedeute aber nicht, dass sie auch tatsächlich Tuberkulose hätten. «Aber das Risiko besteht, dass sie später eine Tuberkulose entwickeln. Deshalb ist es für die betroffenen Kinder wichtig, dass sie sich testen lassen.»
Primäres Ziel sei es, möglicherweise infizierte Kinder und Lehrpersonen vorbeugend behandeln zu können, sagt Delphine Berthod. Die Testergebnisse werden den Eltern in den nächsten Tagen direkt mitgeteilt. Falls die Ergebnisse positiv sind, brauche es weitere Untersuchungen.
In der Schweiz sind Fälle selten
Tuberkulose, früher auch als «Schwindsucht» oder «weisse Pest» bezeichnet, ist in der Schweiz selten. Laut Delphine Berthod gibt es circa 500 Fälle pro Jahr.
Weltweit gesehen gehört Tuberkulose jedoch zu den zehn häufigsten Todesursachen und verursacht von allen Infektionskrankheiten die meisten Todesfälle. Die Krankheit wird durch Bakterien verursacht, die in der Regel die Lunge befallen. Übertragen wird sie durch die Luft, etwa durch Husten. Das Übertragungsrisiko bei gelegentlichen oder kurzzeitigen Kontakten wird als gering eingeschätzt.
Eine Erkrankung tritt bei Erwachsenen häufig erst Jahre oder Jahrzehnte nach der Infektion auf. Als die fünf Hauptrisikofaktoren gelten Unterernährung, die Infektionskrankheit HIV, Diabetes, Tabakkonsum und Alkoholmissbrauch. Mit Behandlung können die meisten Betroffenen geheilt werden; ohne Therapie stirbt nach WHO-Angaben fast die Hälfte der Infizierten.
Die betroffenen Kinder dürfen und sollen ihr Leben normal weiterführen.
In der Schweiz sei die Krankheit behandelbar, sagt Delphine Berthod. Nur bei Menschen, die äusserst vorbelastet seien, könne die Krankheit auch hierzulande einen schweren Verlauf nehmen und allenfalls tödlich enden.
Während betroffene Schulkinder und Lehrpersonen nun in den beiden Unterwalliser Schulen getestet werden, läuft der Schulbetrieb wie gewohnt weiter. «Die Kinder dürfen und sollen ihr Leben ganz normal weiterführen. Das ist wichtig», sagt Delphine Berthod.