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Innovation aus Solothurn Wie Einzeller für Solarstrom im Winter sorgen

Mit der Hilfe von Archäen macht die Regio Energie Solothurn aus Ökostrom Gas. Das findet auch Anklang in der EU.

Legende: Video Milliarden Einzeller machen Erdgas aus Strom abspielen. Laufzeit 03:07 Minuten.
Aus 10vor10 vom 28.01.2019.

Ökostrom speichern für den Winter, wenn die Sonne weniger scheint. Diese Aufgabe hat sich die Regio Energie Solothurn vorgenommen und kommt einer Lösung Stück für Stück näher: Im Frühling 2016 hat sie den ersten Schritt in diese Richtung präsentiert, indem aus Strom in grösseren Mengen Wasserstoff hergestellt und gespeichert wird.

Nun kommt der nächste Schritt: Aus Wasserstoff wird künstlich hergestelltes Erdgas. Die dazu notwendige «Methanisierungs-Anlage» wurde jetzt eingeweiht.

Legende: Video Frank Graf: «Das hier ist ein Vorzeigeobjekt» abspielen. Laufzeit 00:42 Minuten.
Aus News-Clip vom 28.01.2019.

Älteste Bewohner der Erde helfen mit

Für dieses Projekt holte sich die Regio Energie Unterstützung: Einerseits von der nahe gelegenen Abwasserreinigungsanlage, wo Kohlendioxid hergestellt und in einen Reaktor der Regio Energie gepumpt wird – zusammen mit dem bereits vorhandenen Wasserstoff.

Andererseits warten im Reaktor bereits Archäen. Das sind einzellige Organismen, die zu den ersten der Erde gehörten. «Sie wandeln Wasserstoff und Kohlendioxid um – in Erdgas», erklärt Projektleiter Andrew Lochbrunner.

So entsteht ein Kreislauf, der helfen soll, die Überproduktion von Ökostrom im Sommer für den Winter zu speichern: Aus Strom entsteht Wasserstoff, dieser wird gespeichert, im Winter zu Erdgas umgewandelt und kann in diesem Stadium mehrfach verwendet werden:

  • Zur Stromproduktion in einer Gasturbine, wobei Abwärme entsteht, die ins Fernwärmenetz gespeist werden kann.
  • Für den Antrieb von Erdgasfahrzeugen.

Erdgas kann auf diese Weise auch genutzt werden, wo kein Erdgas auf natürliche Weise vorkommt. Nötig sind dazu Sonnen-, Wind- oder Wasserkraftwerke die den Ökostrom liefern und ein Erdgasnetz. Aber die Abwärme beim Verbrennen von Erdgas müsse genützt werden, sonst verpuffe bis zu 50 Prozent der Energie, ergänzt Lochbrunner.

Geld aus der EU

Der Direktor des Bundesamtes für Energie, Benoît Revaz erklärt, dass es in ganz Europa nur drei solche Anlagen gäbe, welche die einzelnen Technologien so zusammenspielen lässt.

Legende: Video Benoît Revaz: «Es gibt nur drei solche Anlagen in Europa» abspielen. Laufzeit 00:26 Minuten.
Aus News-Clip vom 28.01.2019.

Dieses sogenannte «Store&go»-Projekt ist eines von insgesamt drei in ganz Europa: Je eines existiert ausserdem in Deutschland und Italien. Diese Projekte kosten rund 30 Millionen Franken. Davon stammen rund 6 Millionen Franken vom Schweizer Bund, die übrigen rund 24 hat die Europäische Union gesprochen.

«Store&go» ist ein europäisches Forschungsvorhaben. Die ursprüngliche Technologie der biologischen Methanisierung stammt aus den USA, wurde in Deutschland weiterentwickelt und in Solothurn mit weiteren Technologien kombiniert.

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31 Kommentare

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  • Kommentar von Norbert Zehner (ZeN)
    Um die Energiewende Subventionssuppentöpfe scharen sich so manche altbekannte "Neu-Entwicklungen". Was hier als Innovation angepriesen wird, ist schon über 30 Jahre alt, für 25 Jahren wegen hoffnungslos schlechter Effizienz zurecht eingeschlafen. Subventionen sollen dem nun wieder Leben einhauchen und auf die Beine helfen, nur ohne massive Subventionsstützen fällt das ganze schlagartig wieder in Totenstarre.
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  • Kommentar von N. Schmid (Schmid)
    Die Schweiz hat übrigens mit einer maximalen Speicherkapazität von knapp 9 TWh (Stauseen) mehr als genügend Speicherreserven. Als Verlgeich: Die Schweizer AKW haben 2017 insgesamt im ganzen Jahr 19,5 TWh produziert. Das heisst, Nächte und Windflauten können problemlos von unseren Wasserkraftwerken überbrückt werden. Weder die Schweiz noch Europa ist auf zusätzliche Speicher angewiesen.
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    1. Antwort von N. Schmid (Schmid)
      Trotzdem ist dieser Prozess interessant um CO2 in Methan oder besser in einen flüssigen Treibstoff umzuwandeln. Passagierflugzeuge lassen z.B. (noch) nicht mit Strom betreiben.
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    2. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Mit der Notwendigen Speicherkapazität für Europa bewegen Sie sich nach wie vor auf extrem dünnem Eis. Dass dies in der CH funktioniert, ein Land das über 50% des momentanen elektrischen Energiebedarfs aus Wasserkraft deckt, überrascht nicht besonders. Aber bis ganz Europa durch den zeitraubenden Prozess der Energiewende gegangen ist, werden andernorts noch überraschende Lücken auftreten. Nicht nur wegen fehlender Wasserkraft, sondern auch wegen zukünftigem Mehrbedarf bei Dekarbonisierung.
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  • Kommentar von Eugen Wehrli (Eugen-Josef)
    Die Frage ist, wie effizient das Ganze ist. Schon die Elektrolyse ist ein leider sehr ineffizientes Verfahren. Ich befürchte mit dem Umweg über die Archäen geh noch einmal sehr viel Energie verloren.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Ja, leider gibt es derzeit keine Angabe über den Wirkungsgrad. Dass solche Speicher aber eher nicht an die Effizienz von Pumpspeicherkraftwerken herankommen, dürfte leider Tatsache sein. Allerdings ist meiner Meinung nach die Hauptanwendung für diese Technologie mobile Anwendung (als Treibstoff) wo Elektrochemische Speicher zu schwer sind.
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