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Auch in der Schweiz setzen immer mehr Produktionsfirmen bei Sex-Szenen auf Fachpersonen.
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 10.09.2021.
abspielen. Laufzeit 04:31 Minuten.
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Intime Szenen in Zürich Live-Sex auf der Bühne muss geübt sein

Damit Nackt-Szenen professionell ablaufen, hat das Zürcher Schauspielhaus eine «Intimitäts-Koordinatorin» engagiert.

«Warnung Live-Sex!» ist in der Ankündigung zum neuen Theaterstück «Kurze Interviews mit fiesen Männern» am Schauspielhaus Zürich zu lesen. Es feiert am Wochenende Premiere. Im Stück geht es nicht nur um toxische Männlichkeit, Rollenbilder und Einsamkeit. Es geht vor allem auch um Sex.

Dabei schrecken die Macherinnen und Macher auch vor expliziten Darstellungen auf der Bühne nicht zurück. Doch Sex- und Nacktszenen in Film oder Theater sind für alle Involvierten keine einfache Sache. Deshalb hat das Zürcher Schauspielhaus Kasia Szustow aus Warschau engagiert. Sie sorgt als sogenannte Intimitäts-Koordinatorin dafür, dass solche Szenen professionell ablaufen.

Welche Körperteile darf ein Schauspieler berühren?

Kasia Szustow kümmert sich um ganz praktische Fragen: Wann legt der Schauspieler seine Hand auf den Körper seiner Spielpartnerin? An welchen Körperteilen dürfen sich die Schauspielerinnen und Schauspieler gegenseitig berühren? Wie viel Haut zeigen die Darstellerin und der Darsteller in bestimmten Szenen? Szustow sieht sich als Vermittlerin. Sie sorgt dafür, dass die Regisseurin ihre Vision für eine Sex-Szene umsetzen kann.

Es geht aber vor allem auch darum, dass sich die Schauspielerinnen und Schauspieler bei diesen Szenen sicher und wohl fühlen. Gemeinsam mit ihnen stellt die Intimitäts-Koordinatorin Regeln auf. Was geht und was ist tabu? Szustow ist überzeugt: «Wenn alles sicher und professionell abläuft, sind die Schauspielerinnen und Schauspieler auch bereit, mehr zu geben für eine Szene.»

Im Stück «Kurze Interviews mit fiesen Männern» werden die harten Sex-Szenen zwar von Pornodarstellern gespielt. Aber auch für die übrigen Schauspielerinnen im Ensemble des Schauspielhauses Zürich ist die Inszenierung eine Herausforderung. Für sie sei Kasia Szustow eine grosse Hilfe, sagt Schauspieler Michael Neuenschwander. «Wir können in heiklen Situationen, die zum Teil mit viel Scham verbunden sind, auf ihre Expertise zurückgreifen.»

Ein Novum in der Schweizer Theaterszene

Die 40-jährige Kasia Szustow ist eine der ersten Intimitäts-Koordinatorinnen in Europa. Den Beruf kennt man noch nicht so lange. Erst vor gut fünf Jahren haben amerikanische Film- und Serienproduzenten damit begonnen, Koordinatorinnen bei Sex-Szenen mit aufs Set zu nehmen. Auch bei Stunts gebe es Stunt-Koordinatorinnen oder bei Tanz-Szenen Choreographen, sagt Szustow. «Bei Sex-Szenen gab es so etwas viel zu lange nicht.» Das Schauspielhaus Zürich ist das erste Schweizer Theater, das mit einer Intimitäts-Koordinatorin arbeitet. Doch es tut sich was in der Schweiz – auch bei Film- und Fernsehproduktionen.

Offenbar musste die ganze Me Too Debatte zuerst ins Rollen kommen, damit die Leute auf dieses Thema sensibilisiert wurden.
Autor: Anne Walser Produzentin C-Films

Die Produktionsfirma C-Films, die unter anderem Kinofilme wie «Platzspitz Baby» oder die Schweizer Tatort-Folge produzierte, hat heute auch Fachleute für Nackt- und Sex-Szenen dabei. Anne Walser, Co Produzentin bei C-Films, ist froh, dass die Entwicklung in diese Richtung geht. «Offenbar musste die ganze Me Too Debatte zuerst ins Rollen kommen, damit die Leute auf dieses Thema sensibilisiert wurden.»

Intimitäts-Koordinatorinnen wie Kasia Szustow werden wohl auch in der Schweiz immer häufiger zum Einsatz kommen. Den Anfang macht das Schauspielhaus Zürich. Das Stück «Kurze Interviews mit fiesen Männern» wird im Schiffbau Zürich aufgeführt und läuft bis Mitte Oktober.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen 10.9.2021, 17:30 Uhr;

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28 Kommentare

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  • Kommentar von harald keller  (pragmatiker)
    Damit hätten wir auch eine Lösung für dieses grosse Problem - finanziert übrigens meistens aus Steuergeldern.
  • Kommentar von Andi Briner  (RoyalFlush98)
    Frage an all jene, die den Niedergang des Theaters aufgrund dieses Stücks prophezeien. Sind Sie alle regelmässige Theaterbesucher oder tragen Sie schon länger zum Niedergang bei?
    Zur Präzision: ich spreche nicht vom Dorftheater des örtlichen Vereins.
    1. Antwort von Walter Matzler  (wmatz)
      Stimmt, ich habe auch zum Niedergang beigetragen, indem ich fast nie ins Theater gegangen bin. Aber mit Sexszenen bringen sie mich auch nicht hin.
  • Kommentar von Werner Gerber  (1Berliner)
    Vor über 30 Jahren durfte ich auf der Frankfurterbühne eine deftige Sexszene spielen. Das Stück war ein Erfolg, hat Niemanden gestört. Das Theater ist auch nicht gestorben. In der CH ticken die Uhren wohl etwas anders. Bei den geforderten Verboten wäre vielleicht ein Sittenministerium zu empfehlen?
    1. Antwort von Lothar Drack  (spprSso)
      Klar lebt das Theater immer noch. Verbote sind lächerlich. Ob Ihre Frankfurter Inszenierung vergleichbar ist, bleibe dahingestellt. Im hier vorgestellten Stück «werden die harten Sex-Szenen von Pornodarstellern (sic!) gespielt» Also offenbar nur Männer. Irgendwie speziell, grad hier nur die männliche Form zu vorfinden.
      Bettszenen im Film langweilen mich, ist im Theater nicht viel anders.
      Im Kino überlegt ja niemand, ob gefärbtes Wasser oder Rotwein im Glas ist, im eben Theater schon.
    2. Antwort von Lothar Drack  (spprSso)
      Entfernt erinnert es mich an eine Auseinandersetzung in den Nullerjahren, mit Kindertheatermacherinnen und -machern wegen einer Inszenierung, wo die zentrale Erzählerfigur während der Vorstellung rauchte. Ich fand das weder eine tolle noch eine notwendige Sache in einem an sich guten Stück und wollte keinen Platz im Kinderprogramm anbieten, bot aber einen Programmplatz als Midnight Special an. Sie beriefen sich auf «künstlerische Freiheit» und gingen grollend gar nicht aufs Angebot ein.